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KommentarDer Urlauber wird zum Spielball der Reisebranche

Wer seine Reise ab Juni storniert, muss die Kosten selbst tragen. Zum zweiten Mal in der Coronakrise düpiert Berlin damit die Verbraucher.Christoph Schlautmann 28.05.2020 - 16:37 Uhr

Wer künftig storniert, der trägt dafür die Kosten.

Foto: dpa

Auch wenn die Aktien der Tui am Mittwoch ihr Kursfeuerwerk fortsetzten – die erhoffte Aufhebung der Reisewarnung für Europa gab es gestern im Bundeskabinett nicht. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder funkte dazwischen. Und das ist gut so.

Dass es noch „eine ganze Reihe schwieriger Fragen zu klären“ gibt, wie das Auswärtige Amt als Grund für die Verzögerung mitteilte, hätte man in Berlin früher wissen können. Denn die rechtliche Situation deutscher Urlauber wäre nach dem Ende der Reisewarnung ein Debakel – und durchaus geeignet, den Groll der Bevölkerung gegen die windige Verbraucherschutzpolitik aus Berlin zu verstärken.

Wer für die Sommerreise bereits angezahlt hat, dem böte der erwartete Kabinettsbeschluss eine ähnliche Sicherheit wie Kräutertee als Schutz vor Corona. Aus nachvollziehbarem Grund: Nahezu sämtliche Reiseveranstalter berufen sich in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen auf das Auswärtige Amt. Gibt es von dort eine Reisewarnung, zahlen sie nach der Urlaubsabsage binnen 14 Tagen das Geld zurück. Gibt es sie nicht, muss der Urlauber im Zweifel selbst stornieren – und das zu hohen Kosten.

Also doch noch im Juni zum Ballermann, weil man den Urlaub schließlich nicht erstattet bekommt? Wer lieber zu Hause bleibt, weil er auf Mallorca ein zweites Ischgl vermutet, dem bliebe dann nur noch der Rechtsweg offen. Mit guten Chancen. Schon jetzt weisen Experten darauf hin, dass es neben der Reisewarnung weitere Gründe geben kann, von einem Urlaub zurückzutreten. Nach der Coronawelle droht damit die Gerichtswelle.

Die unbedachte Verbraucherpolitik leistet sich Berlin in der Pandemiekrise nicht zum ersten Mal. Zuletzt hatte die Regierung Urlauber mit der Idee von Zwangsgutscheinen verunsichert – ein Projekt, das erst Brüssel stoppen konnte.

Selbst Gesundheitsminister Jens Spahn hat vom Hin und Her seiner Kabinettskollegen offenbar genug. In Urlaub, entschied er jetzt, gehe es diesen Sommer nach Bayern.

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