Absturz eines Dax-Konzerns: Der Fall Wirecard: wie Ex-Chef Markus Braun den Konzern in die Insolvenz trieb
Markenzeichen schwarzer Rollkragen – wie einst Steve Jobs.
Foto: Illustration: Mona Eing & Michael Meissner / Thomas Dashuber- Wirecard galt lange als Hoffnungsträger und sollte ein neues SAP werden. Mittlerweile haben sich mehr als zwölf Milliarden Euro Börsenwert binnen Tagen in Luft aufgelöst, der Konzern hat Insolvenz beantragt. Wie konnte es dazu kommen?
- Der Bilanzskandal um den Online-Zahlungsabwickler belastet auch das Image des Wirtschaftsprüfers EY. Kritik kommt nicht nur von Experten, sondern auch von Aktionären.
- Erst lange nach den Vorwürfen der Bilanzfälschung haben Fondshäuser wie Deka und Union Investment ihre Wirecard-Anteile reduziert. Allerdings nicht bei ETFs.
- Das Unternehmen ist bei Weitem nicht das erste, das mit zweifelhaften Bilanzen für Aufsehen sorgt. Eine Chronik der Betrügereien – von Enron bis Credit Suisse.
- „Wirecard ist nicht zu retten“, sagt Shortseller Christopher Hohn im Interview mit dem Handelsblatt. Der Hedgefondsmanager geht hart mit den Aufsehern und Anlegern ins Gericht.
Frankfurt. Gong. Gong. Gong. Gong. Die vier Glockenschläge des AC/DC-Klassikers „Hells Bells“ mahnen Wirecards Aktionäre zur Eile. Rund 2000 sind im Juni 2019 zur Hauptversammlung in die Münchener Messehallen gekommen. Auf der Bühne gibt es schließlich Markus Braun zu sehen. Seit fast zwei Jahrzehnten steht der Österreicher an der Spitze von Zahlungsabwickler Wirecard. Die Aktie hat viele der Anwesenden reich gemacht.
Mehr als eine Stunde redet Braun. Ohne Pult oder Stuhl ist er auf der Bühne, er spricht leise. Im Anzug mit Krawatte, sein Markenzeichen trägt er heute ausnahmsweise nicht, einen dunklen Rollkragenpullover – ganz so wie einst Apple-Legende Steve Jobs. Braun verbreitet die Aura des visionären Denkers. Ein jährliches Durchschnittswachstum von 36 Prozent habe das Unternehmen seit 2005 hingelegt, sagt Braun. „Und ich bin optimistisch, dass das auch in den nächsten zehn bis 15 Jahren möglich sein wird!“
Solche Versprechen betörten Anteilseigner, Mitarbeiter und Kontrolleure. Mittlerweile haben sich mehr als zwölf Milliarden Euro Börsenwert binnen Tagen in Luft aufgelöst, der Dax-Konzern hat Insolvenz beantragt.