Gastkommentar: Vielfalt braucht Führung
Thomas Schmidt ist Chef des Haniel-Konzerns.
Foto: HandelsblattDiversity ist von einer Modeerscheinung zum Mainstream geworden – zumindest, wenn man den Webseiten, LinkedIn-Auftritten und Recruiting-Kampagnen großer deutscher Unternehmen glauben mag. Da ist die Rede davon, dass „Diversität die Wirtschaft wettbewerbsfähiger und bunter macht“, dass „Erfolg in der Vielfalt liegt“ und dass „wir an die Kraft verschiedener Perspektiven“ glauben. Diversity-Beauftragte und Frauennetzwerke gibt es ebenfalls reichlich.
Fakt ist aber: Deutschland ist immer noch ein Entwicklungsland, wenn es um Vielfalt in der wirtschaftlichen Elite geht. Nur knapp 15 Prozent der Vorstandsmitglieder in den Dax-Unternehmen sind weiblich, im SDax sind es nur 5,4 Prozent. Wie eine Studie der Allbright-Stiftung zeigt, sieht es im Mittelstand noch schlechter aus: In den Geschäftsführungen der 100 größten deutschen Familienunternehmen arbeiten nur sieben Prozent Frauen.
Dabei gilt schon seit Langem als erwiesen, dass Teams mit unterschiedlichen sozialen Hintergründen und verschiedenen Geschlechtern erfolgreicher sind als homogene Gruppen. McKinsey hat gerade noch einmal darauf hingewiesen, dass Unternehmen mit einem hohen Frauenanteil im Topmanagement mit 25 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit profitabel sind als der Durchschnitt. In US-Unternehmen, in denen ich sehr lange gearbeitet habe, ist Diversity daher Alltag.