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ElektronikhändlerCeconomy-Chef wirbt mit neuer Strategie für seine Vertragsverlängerung

Trotz Verlusten übt sich Ceconomy-Chef Düttmann in Optimismus. Doch ob er damit auch seine Gesellschafter überzeugen kann, ist offen.Florian Kolf 13.08.2020 - 15:04 Uhr

Noch gibt es kein Signal aus dem Aufsichtsrat, ob sein Vertrag verlängert wird.

Foto: Reuters

Düsseldorf. Auf den ersten Blick wirkt das dritte Quartal des Elektronikhändlers Ceconomy wie eine große Enttäuschung. Der Umsatz sank um zehn Prozent auf 4,1 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis lag bei minus 45 Millionen Euro.

Und doch zeigt sich Vorstandschef Bernhard Düttmann geradezu begeistert von der Performance des Unternehmens. „Das Ergebnis war weit besser, als wir erwartet hatten“, schwärmte er. Durch die Folgen der Pandemie sei es die herausforderndste Zeit, die das Unternehmen je gehabt habe. „Aber wir haben zügig wieder Fuß gefasst“, betonte Düttmann.

In der Tat kam die Wende überraschend schnell. Lag im April, als 86 Prozent aller rund 1000 Läden in Europa geschlossen waren, der Umsatz noch 43 Prozent unter dem Vorjahr, verzeichnete das Unternehmen im Mai schon wieder ein Wachstum von drei Prozent. Im Juni lag der Umsatz sogar zwölf Prozent über Vorjahr. Dazu beigetragen hat das Onlinegeschäft, das sich im April verdreifacht hat und auch im Juni noch doppelt so hoch wie im Vorjahr lag.

Auch der operative Verlust relativiert sich bei genauerer Betrachtung. So ist das dritte Quartal, das die Sommerferien umfasst, traditionell das schwächste von Ceconomy. Das operative Ergebnis liegt genau auf der Höhe des Vorjahresquartals – trotz der Pandemie. Die Finanzchefin Karin Sonnenmoser betonte, dass die um 2,6 Prozentpunkte gesunkene Bruttomarge vollständig durch Kostensenkungen kompensiert wurde. Für das komplette Jahr erwartet das Unternehmen nun einen operativen Gewinn von 165 bis 185 Millionen Euro.

Um solche Krisen künftig noch besser abfedern zu können, gibt sich das Unternehmen jetzt eine schlankere und konzernweit vereinheitlichte Organisationsstruktur. Die traditionell sehr eigenständigen Geschäftsführer der einzelnen Filialen werden weitgehend entmachtet und deren administrative Aufgaben auf die Zentrale verlagert.

Die Länderorganisationen werden gestrafft und teilweise zusammengelegt, wie beispielsweise Belgien, die Niederlande und Luxemburg. Düttmann verspricht sich davon eine „agilere Aufstellung mit zentralen Steuerungsfunktionen“, mit der man schnell auf grundlegend veränderte Bedingungen reagieren kann.

Einsparungen von 100 Millionen Euro pro Jahr

Im Zuge dieser Umbauten sollen 3500 Stellen wegfallen, die meisten davon im europäischen Ausland. In einem ersten Schritt sollen auch 14 Läden geschlossen werden, drei davon in Deutschland. Denn letztlich ist die Transformation auch ein Sparprogramm. Zwar verursacht es Einmalkosten von 180 Millionen Euro, der größte Teil davon sind Abfindungen. Doch es soll auch nachhaltige Einsparungen von 100 Millionen Euro pro Jahr bringen, die ab dem Geschäftsjahr 2022/23 wirksam werden.

Entscheidend ist, dass auch die Familie Kellerhals, die über ihre Holding Convergenta 22 Prozent an der operativen Gesellschaft Media-Saturn-Holding hält, den Maßnahmen bereits zugestimmt hat. Der Minderheitseigner verfügt über weitreichende Vetorechte und hat diese in der Vergangenheit häufig genutzt, um Veränderungen in der Organisation zu blockieren.

„Wir befinden uns mitten in der Transformation“, sagte Ceconomy-Chef Düttmann. Sein Problem jedoch ist: Er befindet sich gegen Ende der Laufzeit seines aktuellen Arbeitsvertrags. Er war im vergangenen Jahr nach dem Rauswurf des damaligen Chefs Jörn Werner für ein Jahr aus dem Aufsichtsrat in den Vorstand delegiert worden. Sein Vertrag endet am 16. Oktober.

Und Düttmann macht keinen Hehl daraus, dass er gerne weitermachen würde. „Ich habe dem Aufsichtsrat signalisiert, dass ich auch über diesen Zeitraum hinaus zur Verfügung stehe“, sagte er bei der Präsentation der Quartalszahlen. Und bis zu einer Entscheidung des Kontrollgremiums konzentriere er sich ganz darauf, seine Aufgaben zu erfüllen.

Doch ein Signal aus dem Gesellschafterkreis, dass man mit ihm weitermachen will, gibt es noch nicht. Eher im Gegenteil. So sagte Thomas Schmidt, Chef des Ceconomy-Großaktionärs Haniel, in einem Interview, Düttmann müsse nun endlich die versprochene Zukunftsstrategie vorlegen. Ähnlich hatte sich auch ein Vertreter des Minderheitseigentümers Convergenta geäußert.

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Dem widersprach nun Düttmann heftig. „Wir haben eine Strategie, die wir seit Anfang 2019 konsequent umsetzen“, sagte er. Dazu gehöre beispielsweise die Stärkung des Omnichannelgeschäfts, also die Verknüpfung des Onlinehandels mit der Filiale. Und gerade die vergangenen Monate hätten ja gezeigt, wie rasch das Unternehmen da schon umsteuern könne.

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