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Corona-PandemieDeutschland stößt an Testgrenzen – Bund und Länder prüfen Alternativen

Die Testkapazitäten in den Laboren stoßen an ihre Grenzen. Bund und Länder lassen daher den Einsatz von Schnelltests prüfen. Doch es gibt Vorbehalte – noch.Gregor Waschinski 02.09.2020 - 13:30 Uhr

Bund und Länder prüfen Schnelltests als Alternative, um Testkapazitäten zu erhöhen.

Foto: dpa

Berlin. Die Bundesregierung setzt bei den verwendeten Coronatests bisher auf deutsche Gründlichkeit: Den potenziell Infizierten wird ein Abstrich im Rachen oder in der Nase entnommen und an ein Labor geschickt, das in der Probe nach dem Erbgut des Virus sucht. Diese PCR-Methode liefert äußerst verlässliche Ergebnisse – allerdings ist sie auch vergleichsweise aufwendig und teuer.

Knapp 200 Labore werteten zuletzt rund eine Million Proben pro Woche aus, die Kapazitäten werden zunehmend knapp. Bund und Länder beauftragten daher das Robert Koch-Institut (RKI) und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), bis Mitte September einen möglichen Einsatz von Schnelltests zu bewerten.

In einem Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz steht, „neue, hochqualitative Antigen-Tests“ könnten eine „wichtige Ergänzung der diagnostischen Optionen“ werden.

Andere Staaten arbeiten bereits mit Schnelltests, doch in Deutschland werden die Alternativen noch mit Vorsicht behandelt. „Schnelltests können eine Ergänzung zu den aktuell angewandten PCR-Tests sein“, sagte die für Gesundheitspolitik zuständige SPD-Fraktionsvizechefin Bärbel Bas. „Sie scheinen gerade hochinfektiöse Patientinnen und Patienten schnell erkennen zu können.“ Doch insgesamt hätten Schnelltests noch eine relativ hohe Fehlerquote.

Vorbehalte gibt es auch noch in den Ländern, beispielsweise in Hamburg. Ein Sprecher von Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD) sagte, man stehe Schnelltests „eher skeptisch gegenüber“. Gesundheitsämter in der Hansestadt hätten schlechte Erfahrungen mit Reiserückkehrern gemacht, die Ergebnisse von Schnelltest aus anderen Ländern vorgelegt hätten und deren „Aussagekraft sich nicht wirklich erschloss“.

Schneller, aber ungenauer

Die Testzahlen haben sich in Deutschland in den vergangenen Monaten mehr als verdoppelt. Im Frühjahr wurden nur Menschen mit Covid-19-Symptomen getestet, dann wurde der Kreis deutlich ausgeweitet: auf Kontaktpersonen von Infizierten, Beschäftigte im Gesundheitswesen oder Bewohner von Pflegeheimen.

Seit Ende Juli können sich Urlaubsrückkehrer freiwillig und kostenlos testen lassen, bei der Einreise aus Risikogebieten besteht eine Testpflicht.

Die kostenlosen Corona-Tests für Reiserückkehrer sollen Mitte September auslaufen, nur bei Risikogebieten soll weiter getestet werden. Es gibt aber auch Stimmen, die mit Blick auf ein womöglich wachsendes Infektionsgeschehen im Herbst nicht weniger, sondern mehr Testungen für angemessen halten.

Ärztepräsident Klaus Reinhardt forderte einen verstärkten Einsatz von Schnelltests. Diese seien vielleicht nicht ganz so exakt, „dafür ließen sich aber viel mehr Menschen in kurzer Zeit unkompliziert testen und Infektionsketten schneller unterbrechen“, sagte er.

Bei den Schnelltests gibt es verschiedene Ansätze. Einige funktionieren ebenfalls nach der PCR-Methode mit einem direkten Erbgut-Nachweis, sind aber ungenauer als die Laborvariante. Andere Schnelltests suchen in den Proben nach Antikörpern des Virus, sie gelten für eine frühe Erkennung einer Infektion aber als ungeeignet. Denn das Immunsystem bildet Antikörper erst mit der Zeit aus.

Antigen-Schnelltests als günstigere Variante

Die Hoffnungen liegen auf Antigen-Schnelltests. Sie weisen das Virus ebenfalls nur indirekt nach, schlagen aber gerade bei sehr infektiösen Menschen früh an. Und das Ergebnis liegt oft bereits nach 30 Minuten vor – und nicht nach 24 bis 48 Stunden.

Auch bei den Krankenkassen, die für die Testkosten in der Regel aufkommen, kann man sich den Einsatz dieser günstigeren Variante vorstellen. Antigen-Tests seien „eine vielversprechende und wirtschaftliche Alternative zu den derzeit gängigen PCR-Tests“, heißt es beim Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Allerdings: „Noch stehen keine Antigen-Tests in ausreichender Anzahl und Qualität zur Verfügung.“

Die Frage ist auch, ob flächendeckendes Testen von symptomfreien Menschen medizinischen Sinn ergibt. „Die Vorstellung, dass man jeden Tag die Bevölkerung durchtestet und so das Virus kontrollieren kann, ist ein Illusion“, sagt Oliver Harzer, Geschäftsführer und ärztlicher Leiter des Labordienstleisters Bioscientia.

Harzer, Gründungsmitglied des Branchenverbands der medizinischen Labore (ALM), ist überzeugt: „Die PCR-Kapazitäten in Deutschland reichen aus, uns auch durch eine schwierige Phase in der Pandemie zu bringen, wenn wir uns auf begründete Fälle wie Risikogruppen, Menschen mit Symptomen und die Kontaktverfolgung konzentrieren.“

Dennoch könnten Antigen-Tests als Option diskutiert werden. Diese müssten dann aber von medizinischen Fachleuten vorgenommen werden, so Harzer. Zudem sollten positive Ergebnisse noch einmal durch einen PCR-Test verifiziert werden, um „klare klinische Entscheidungen“ treffen zu können.

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