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Kommentar Flächendeckende Corona-Tests würden nichts bringen

Vor allem die Wirtschaft kritisiert Deutschlands Teststrategie. Dennoch steht die Bundesrepublik gut da – und sollte ihre Strategie beibehalten.
20.08.2020 - 08:28 Uhr Kommentieren
Karikatur
Karikatur

Karikatur "Corona Tests" von Burkhard Mohr ET 20.08.20.

(Foto: Burkhard Mohr)

Die Kritik an der Teststrategie der Bundesregierung nimmt zu. Die jüngste Salve feuerte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) ab: Aus Sorge über die wirtschaftlichen Folgen neuer Corona-Beschränkungen forderte der Verband, dass „insgesamt viel großflächiger und einheitlicher“ getestet werden müsse. Die Regierung hinke ihrem Anspruch „meilenweit“ hinterher, die Testkapazitäten auf 4,5 Millionen pro Woche zu steigern.

Solche und ähnliche Stimmen könnten zu dem Schluss verführen, dass bei diesem zentralen Instrument der Pandemiebekämpfung in Deutschland einige Dinge schieflaufen. Dem ist aber nicht so. Der BDI bedient sich in seiner Tirade etwa einer zweifelhaften Zahl. 4,5 Millionen als Richtmarke für wöchentliche Tests geistern seit Mitte April durch die Debatte.

Dabei handelt es sich um einen fiktiven Wert, den das Gesundheitsministerium in der Frühversion eines Gesetzentwurfs angesetzt hatte, um eine Kalkulation möglicher Testkosten vorzunehmen. Eine Zielmarke der Bundesregierung zu Testkapazitäten existiert nicht. Hinter der Kritik aus der Industrie steht auch die falsche und unrealistische Annahme, dass die Republik im Kampf gegen Corona flächendeckend durchgetestet werden müsse.

Die deutsche Testbilanz ist viel besser als der Eindruck, der in diesen Tagen erweckt wird. Deutschland kam beim Infektionsgeschehen und bei den Totenzahlen auch deshalb relativ glimpflich durch das Corona-Frühjahr, weil deutlich früher und breiter getestet wurde als in anderen Ländern.

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    Eine vergleichende Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der Privaten Krankenversicherung verweist darauf, dass schon ab Mitte Februar routinemäßig auf die Infektion getestet werden konnte – was international die Ausnahme darstellte.

    Zu spät mit Reiserückkehrern befasst?

    In der Anfangsphase der Pandemie beschränkten sich die Tests zunächst weitgehend auf Corona-Verdachtsfälle, bei denen Krankheitsanzeichen auftraten. Hier wurde nachgebessert, die Kapazität der Labore beständig ausgeweitet. Zuletzt wurden laut Robert Koch-Institut (RKI) rund 700.000 Tests pro Woche vorgenommen – doppelt so viel wie im April.

    Neben Menschen mit Corona-typischen Symptomen werden auch deren Kontaktpersonen getestet. Regelmäßig überprüft werden Krankenhäuser und Pflegeheime. Wenn in Schulen oder Kitas Fälle auftreten, werden möglichst viele Menschen aus dem Umfeld untersucht – auch wenn sie keine Symptome zeigen. Seit anderthalb Wochen gilt zudem eine Testpflicht bei der Einreise aus Risikogebieten, andere Urlauber können sich freiwillig testen lassen.

    Berechtigt ist der Vorwurf an die Bundesregierung und Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), sich erst im August mit dem Problem der Reiserückkehrer befasst zu haben. Der Hinweis, es habe bei der Einreise aus Risikogebieten die ganze Zeit die Pflicht einer zweiwöchigen Quarantäne bestanden, reicht als Erklärung für die unzureichende Vorbereitung auf die Urlaubszeit nicht aus. Die Behörden können nur hoffen, dass sich die Menschen an diese Vorschrift halten – wirklich kontrolliert wird sie nicht.

    Aber diese berechtigte Kritik darf nicht in Forderungen umschlagen, künftig nach dem Gießkannenprinzip zu testen. Viel testen ist gut, um Infizierte zu entdecken, deren Kontakte ausfindig zu machen und Ansteckungsketten zu durchbrechen.

    Zu viel testen kann problematisch werden, wenn dadurch in der Bevölkerung ein trügerisches Sicherheitsgefühl entsteht. Auch wenn ein Test negativ ausfällt – das Ergebnis ist lediglich eine Momentaufnahme, die den Zeitpunkt der Probeentnahme abbildet.

    Ferner besteht die Gefahr, dass knappe Ressourcen verschwendet werden, wenn völlig ohne Verdachtsmomente auf Corona getestet werden soll. Die Laborkapazitäten in Deutschland sind begrenzt, derzeit liegen sie laut RKI bei 1,2 Millionen Tests pro Woche. Nach Ansicht von Experten handelt es sich dabei um einen Maximalwert, der in der Spitze abgerufen, aber nicht dauerhaft ausgereizt werden kann.

    Anspruch und Wirklichkeit vereinen

    Eine Möglichkeit wäre, nicht mehr nur auf die etablierten PCR-Tests zu setzen. Dabei wird eine per Rachen- oder Nasenabstrich entnommene Probe im Labor auf das Erbmaterial des Virus untersucht.

    Dieser Weg ist zeitaufwendig, doch der Nachweis im Labor der diagnostische Goldstandard. Wer den Einsatz von Schnelltests fordert, muss auch dazu sagen, dass die bislang verfügbaren Alternativen weniger zuverlässige Ergebnisse liefern.

    Wie schwierig es sein kann, bei Massentests Anspruch und Wirklichkeit zu vereinen, musste Markus Söder erleben. Zu Beginn des Sommers gab Bayerns Ministerpräsident das Versprechen aus: Coronatests solle es im Freistaat „schneller, kostenlos und für jedermann“ geben.

    An den Autobahnen ließ er mobile Teststationen aufbauen, an denen Reiserückkehrer eine Probe abgeben konnten. Das Ergebnis kennen wir: Rund 44.000 Menschen erhielten ihre Testergebnisse erst mit Verzögerung, darunter 949 positiv getestete. Knapp 50 von ihnen konnten noch immer nicht identifiziert werden.

    MehrDie Debatte um Gratis-Tests nimmt nach der Einstufung von Spanien als Risikogebiet neue Fahrt auf. Bayern hat noch immer mit der Test-Panne zu kämpfen.

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