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Fachkräfte-ZuwanderungExpats in Singapur droht ein Ende der Willkommenskultur

Singapur galt lange als einer der attraktivsten Orte für ausländische Fachkräfte und Manager. Doch in dem Stadtstaat wächst die Fremdenfeindlichkeit.Mathias Peer 02.09.2020 - 15:55 Uhr

Die Frage, wie viele Expats in das Land kommen sollen, ist in den vergangenen Wochen nach ganz oben auf die politische Agenda gerückt.

Foto: dpa

Bangkok. Hohe Gehälter, gute Karrierechancen, alle Annehmlichkeiten eines modernen Großstadtlebens und zwölf Monate im Jahr tropischer Sonnenschein: Die südostasiatische Metropole Singapur galt für Fach- und Führungskräfte aus dem Ausland, die sich in Asien niederlassen wollen, lange Zeit als die erste Wahl. Weltweit haben Expats nur in der Schweiz ein besseres Leben, ergab eine Studie der Bank HSBC im vergangenen Jahr.

Doch angesichts einer historischen Wirtschaftskrise und einer steigenden Arbeitslosenrate droht den hochqualifizierten Ausländern in dem Stadtstaat ein Ende der Willkommenskultur: Die Frage, wie viele Expats in das Land kommen sollen und ob sie der einheimischen Bevölkerung gut bezahlte Jobs wegnehmen, ist in den vergangenen Wochen nach ganz oben auf die politische Agenda gerückt.

Die Regierung von Premierminister Lee Hsien Loong verschärft nun die Kriterien, die für eine Arbeitserlaubnis notwendig sind – und will gegen Unternehmen vorgehen, die Singapurer angeblich diskriminieren.

„Besonders in diesen unsicheren Zeiten, will ich alle Arbeitgeber daran erinnern, ihren Beitrag zu leisten, um die singapurische Kernbelegschaft auszubauen“, sagte Lee am Mittwoch im Parlament. Andernfalls müssten die Unternehmen mit Konsequenzen bei der Zuteilung neuer Arbeitsgenehmigungen für Ausländer rechnen.

Am Tag zuvor hatte bereits Lees Arbeitsministerin Josephine Teo angekündigt, eine Untersuchung gegen Unternehmen einzuleiten, deren „singapurischer Kern“ geschwächt sei. Sie wolle diese Firmen dazu bringen, ihr Profil mit Blick auf die Herkunft der Angestellten neu zu gestalten.

In der Bevölkerung wächst die Unzufriedenheit

Teos Ministerium hatte Anfang August 47 Arbeitgeber wegen des Verdachts auf Diskriminierung der einheimischen Bevölkerung auf eine Beobachtungsliste gesetzt. Die namentlich nicht genannten Unternehmen sollen den Regierungsangaben zufolge insgesamt mehr als 40 Prozent ihrer Fach- und Führungskräfte aus dem Ausland rekrutiert haben. Ein großer Teil der Firmen komme aus der Finanzbranche.

Ausländisches Personal anzuheuern soll nun auch teurer werden: Seit 1. September gibt es eine Arbeitserlaubnis nur noch ab einem monatlichen Mindestgehalt von umgerechnet rund 2800 Euro. Diese untere Schwelle wurde in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal angehoben.

Im Frühjahr lag sie noch bei 2200 Euro. Für den Finanzsektor sollen die Mindestgehälter im Dezember noch weiter steigen. „Ich wäre nicht überrascht, wenn künftig weniger Visa vergeben werden, weil die Nachfrage nach Ausländern sinken wird“, kommentierte Grant Torrens, Singapur-Chef des Personaldienstleisters Hays.

Mit der geplanten Beschränkung des Fachkräftezuzugs reagiert die Regierung auf wachsende Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Die oppositionelle Arbeiterpartei, die bei der Wahl im Juli so viele Parlamentssitze wie noch nie erobern konnte, hatte in ihrem Wahlprogramm eine Beschränkung des Zuzugs von ausländischen Arbeitnehmern gefordert.

In den sozialen Medien sorgte zuletzt eine Zunahme von fremdenfeindlichen Äußerungen für Aufsehen, die sich unter anderem gegen den aus Indien stammenden Chef der singapurischen Bank DBS Piyush Gupta richteten.

Regierung auf der Seite der Singapurer

Auch der Staatsfonds Temasek geriet in den vergangenen Wochen in die Kritik: Online wurden LinkedIn-Profile von ausländischen Temasek-Mitarbeitern geteilt, verbunden mit der Kritik, weshalb das Unternehmen stattdessen keine Einheimischen einstelle. Temasek verurteilte dies als „spalterische, rassistische Kampagne“.

Premier Lee versuchte im Parlament zu einer rhetorischen Abrüstung beizutragen: „Auch wenn wir unsere Kriterien für Arbeitsgenehmigungen anpassen, dürfen wir den Eindruck nicht erwecken, dass wir uns abschotten“, sagte er. Ein internationales Geschäftszentrum zu sein sei schließlich Singapurs Erfolgsrezept.

Gleichzeitig unterstrich er aber: „Die Regierung wird immer auf der Seite der Singapurer sein.“ Jobs für Ausländer zu schaffen habe nur den Zweck, letztendlich den Lebensstandard der einheimischen Bevölkerung zu verbessern.

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