Kommentar: Donald Trump will Herausforderer Biden in die „Law and Order“-Falle locken
Seine Strategie hat sich der amtierende Präsident abgeschaut.
Foto: AP„Follow the money“ ist ein Gesetz in der amerikanischen Politik, das sich seit Richard Nixons Watergate immer wieder bewahrheitet. Wer also wissen will, wie es im aktuellen Rennen zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem Herausforderer Joe Biden steht, muss sich anschauen, wofür die beiden Kandidaten im Moment das meiste Geld ausgeben.
Der Demokrat Biden will in der kommenden Woche für 45 Millionen Dollar Wahlkampfspots schalten, um den US-Bürgern zu versichern, dass er als Präsident in Amerikas Städten für Recht und Ordnung sorgen werde. Bislang konzentrierten sich etwa drei Viertel von Bidens TV-Spots auf das chaotische Management der Corona-Pandemie durch Trump.
Der Präsident wiederum erwähnt das Virus in seinem Wahlkampf kaum, weit mehr als die Hälfte seiner Wahlwerbung beschäftigt sich dagegen mit den Ausschreitungen und gewaltsamen Protesten nach den nicht minder gewalttätigen Polizeiübergriffen auf Schwarze in Minneapolis und Kenosha.
Trump ist es damit gelungen, den Fokus des Wahlkampfs auf das Thema „Law and Order“ zu lenken und Biden in die Defensive zu drängen.
Der Präsident weiß, dass er die Wahl am 3. November nicht gewinnen kann, wenn das Coronavirus weiterhin die Köpfe und Ängste der Amerikaner bestimmt. Gelingt es ihm jedoch, Biden in die „Law and Order“-Falle zu locken, hat er noch eine Chance.
Trump holt in entscheidenden Staaten auf
Das Drehbuch für diese gezielte Angstkampagne hat Trump sich von ebenjenem Richard Nixon abgeschaut, der sich während der Bürgerrechts- und Vietnamproteste 1968 als Garant für Recht und Ordnung präsentierte und damit von einer verängstigten, schweigenden Mehrheit ins Weiße Haus gewählt wurde.
Joe Biden ist jedoch nicht Hubert Humphrey, der damals Nixons „Law and Order“-Kampagne nicht genug entgegenzusetzen hatte. Der demokratische Trump-Herausforderer gilt eher als strenger Verfechter von Recht und Ordnung, und Vorwürfe des Republikaners, Biden sei zu weich gegenüber Gewaltkriminellen, halten der Wahrheit nicht stand. Aber Fakten sind in Trumps Amerika bekanntlich längst zu Falschgeld geworden.
Sah es vor zwei Wochen noch so aus, als sei der Vorsprung Bidens uneinholbar, ist Trump jetzt in entscheidenden US-Bundesstaaten wie Pennsylvania bis auf Reichweite an den Demokraten herangerückt. Biden muss nicht nur die Angriffe Trumps abwehren, sondern selbst wieder in die Offensive kommen, indem er sich von Gewaltausbrüchen distanziert, auf deren Ursachen hinweist und die Amerikaner daran erinnert, dass die Verantwortung für das, was im Land geschieht, beim amtierenden Präsidenten liegt
Gelingt es ihm nicht, die Meinungsführerschaft zurückzugewinnen, gibt es am 3. November ein Kopf-an-Kopf-Rennen.