Konjunktur: Erholung der Industrie stützt deutsche Wirtschaft im Dezember
Die deutsche Industrie stützt die deutsche Konjunktur.
Foto: dpaBerlin. Die deutsche Wirtschaft hat wegen der starken Erholung der Industrie im Dezember überraschend an Schwung gewonnen. Der Einkaufsmanagerindex, der die Geschäfte von Industrie und Dienstleistern zusammenfasst, stieg um 0,8 auf 52,5 Punkte, wie das Markit-Institut am Mittwoch zu seiner Umfrage unter rund 800 Unternehmen mitteilte.
Damit hielt sich das Barometer über der Marke von 50, ab der es Wachstum signalisiert. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Rückgang auf 50,4 Zähler gerechnet. „Die deutsche Wirtschaft steht immer noch auf einer relativ stabilen Basis“, sagte Markit-Ökonom Phil Smith.
Allerdings wurde die Umfrage unter den Managern vom 04. bis 15. Dezember erhoben – also noch vor dem seit diesem Mittwoch geltenden harten Lockdown aufgrund rasant steigender Corona-Neuinfektionen. Dadurch werde die Widerstandsfähigkeit von Europas größter Volkswirtschaft auf eine neue Probe gestellt, da davon mehr Branchen betroffen seien als bei dem Anfang November beschlossenen Teil-Lockdown, sagte Smith.
Dass die deutsche Wirtschaft mit Schwung in den Winter geht, liegt vor allem an der Industrie. Hier legte das Barometer um 0,8 auf 58,6 Punkte zu und erreichte damit den höchsten Stand seit fast drei Jahren. „Gestützt wird der Aufschwung weiterhin durch steigende Exportumsätze, die von den Unternehmen häufig auf eine stärkere Nachfrage aus China zurückgeführt werden“, hieß es dazu. Das rasche Wachstum führe mittlerweile zu Lieferengpässen und starkem Inflationsdruck im verarbeitenden Gewerbe, sagte Smith.
Der Einkaufsmanagerindex für die Dienstleister stieg zwar um 1,7 auf 47,7 Punkte, blieb aber deutlich unter der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Hier belasteten die Lockdown-Maßnahmen, die vor allem Gastgewerbe und Tourismus ausbremsten.
Euro-Konjunktur erholt sich
Auch die Wirtschaft in der Euro-Zone hat sich im Dezember etwas erholt. Der Einkaufsmanagerindex für die Euro-Zone stieg um satte 4,5 Punkte auf 49,8 Zähler. Das Barometer ist damit wieder nahe an die Wachstumsschwelle von 50 Zählern herangerückt. Im November war es noch rasant bergab gegangen. Experten hatten für Dezember lediglich mit einer leichten Verbesserung auf 45,8 Punkte gerechnet.
„Die Euro-Zone hat sich im Dezember besser geschlagen als erwartet. Die Daten deuten darauf hin, dass sich die Wirtschaft wieder annähernd stabilisiert hat“, erklärte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Momentan sehe es so aus, als ob der Rückgang im vierten Quartal 2020 deutlich schwächer ausfallen werde als im Frühjahr.
Während die Industrieproduktion nach der Abschwächung im November zum Jahresende wieder stärker ausgeweitet wurde, verbuchten die Dienstleister im Dezember den vierten Monat in Folge Geschäftseinbußen. Gleichwohl fiel der Rückgang laut IHS Markit deutlich schwächer aus als in den beiden Vormonaten, da nicht mehr ganz so viele Firmen von den Einschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie betroffen waren wie im November.