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Corona-PandemieIsrael übermittelt Impfdaten an Pfizer

Keiner impft so schnell wie Israel. Doch die Regierung bezahlt dafür nicht nur mit Geld, sondern auch mit Daten. Möglich ist das durch das israelische Gesundheitssystem.Pierre Heumann, Julian Olk 22.01.2021 - 17:32 Uhr Artikel anhören

Für Pharmafirmen ist Israel aufgrund der Digitalisierung des Gesundheitssystems ein attraktives Testland.

Foto: AFP

Düsseldorf, Tel Aviv. Dass Israel die bislang weltweit höchste Impfquote aufweist, hängt offenbar mit einer umstrittenen Vereinbarung mit dem Pharmakonzern Pfizer zusammen. In dem Vertrag, den das israelische Gesundheitsministerium nun in Teilen veröffentlicht hat, ist eine Übermittlung von Daten zum Impfgeschehen im Land vereinbart worden.

Israel stehen deutlich mehr Corona-Vakzine zur Verfügung als anderen Ländern. Pfizer lieferte übereinstimmenden Medienberichten zufolge in einer ersten Tranche rund vier Millionen Dosen des Biontech-Impfstoffs, denen regelmäßig Lieferungen mit jeweils Hunderttausenden weiteren Dosen per Flugzeug folgen.

In dem Dokument heißt es, Israel werde „mindestens“ wöchentliche Impfdaten zu Altersgruppen „und anderen demografischen Untergruppen“ an Pfizer übermitteln, dazu wöchentliche Daten über coronabedingte Krankenhauseinweisungen, schwere Fälle, an Beatmungsgeräte angeschlossene Patienten, Todesfälle und symptomatische Fälle.

Vereinbart wurde zudem, dass „keine feststellbaren/identifizierbaren Gesundheitsdaten“ geteilt würden. Kritiker äußern daran allerdings Zweifel. Das Dokument ist an einigen Stellen geschwärzt.

99 Prozent der Bevölkerung digital

Israel könnte zu den ersten Ländern gehören, in denen ein großer Teil der Bürger gegen das Coronavirus geimpft ist und sich das Leben wieder normalisiert. Im April könnte Herdenimmunität Wirklichkeit werden, wenn das bisherige Tempo beibehalten wird. In keinem anderen Land wird im Vergleich zur Bevölkerungszahl so schnell gegen Corona geimpft wie in Israel. Erst mit deutlichem Abstand folgen die Emirate am Persischen Golf, Bahrain und das Vereinigte Königreich.

„Unser Ziel bei den Impfungen kommt einem Weltrekord gleich“, sagt Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Bis Ende Januar sollen die meisten Bürger über 60, das medizinische Personal sowie Lehrer die erste Dosis erhalten haben. Bis Ende März sollen alle über 16-Jährigen geimpft sein, wenn alles nach Plan verläuft.

Die Vereinbarung mit Pfizer kommt nicht allzu überraschend. Für Pharmafirmen ist Israel ein attraktives Testland, weil alle Krankengeschichten mindestens zwei Jahrzehnte digital gespeichert werden.

99 Prozent der Bevölkerung haben ein digitalisiertes persönliches Gesundheitsdossier, in dem alle relevanten Daten der letzten 25 Jahre gespeichert sind. Für eine vertiefte Auswertung der Impfaktion können die Hersteller deshalb auf eine im internationalen Vergleich seltene Datenbasis zurückgreifen, um die Effekte der Schnellimpfung zu analysieren. Im Unterschied zu vielen westlichen Ländern bestehen in Israel weniger Bedenken gegenüber der Speicherung persönlicher Daten. Datenschützer sind dennoch alarmiert.


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