Kommentar: Ein Staatskredit für Galeria Karstadt Kaufhof wäre eine Investition in die Vergangenheit
Auch nach dem Ende des Lockdowns werden Warenhäuser keine Kundenmagneten für die Innenstadt mehr.
Foto: imago images/Arnulf HettrichJetzt wirbt sogar der Handelsverband offensiv bei der Regierung dafür, dem Warenhausbetreiber Galeria Karstadt Kaufhof ein Darlehen zu gewähren, um die Folgen der Pandemie abzufedern. Die Politik sollte sich solch einen Schritt gut überlegen. Es gibt zahlreiche Gründe, die dagegensprechen.
Die Befürworter argumentieren, dass dies ja nur eine Überbrückungshilfe sei, bis der Neustart gelungen ist. Doch Karstadt und Kaufhof hatten bereits Jahrzehnte Zeit zu beweisen, dass das Warenhaus eine Zukunft hat.
Immer wieder hat es Ankündigungen für vermeintlich spannende neue Konzepte gegeben, mal über die Veränderung des Sortiments, mal über mehr Erlebnis, mal über die Einbindung von Partnern in Form eines Marktplatzes, mal über eine digitale Verlängerung der Filiale. Doch letztlich blieb es beim alten Warenhaus.
Ein Kaufhof oder Karstadt sieht heute nicht viel anders aus als vor Jahren – und verliert deshalb immer weiter Kunden. Wer bringt da noch die Fantasie auf, dass beim nächsten Mal alles besser wird? Wenn Eigentümer René Benko unbedingt beweisen möchte, dass große Warenhäuser auch in Zukunft noch gebraucht werden, dann kann er das mit eigenem Geld tun.
Ja, natürlich: Es wäre ein Kredit, den das Unternehmen mit Zinsen zurückzahlen müsste. Doch es hat ja einen Grund, dass Galeria auf den Staat zukommt. Offenbar rennen die Banken dem Unternehmen für eine Finanzierung die Tür nicht mehr ein.
Ein Warenhaus ist nicht systemrelevant
Dass das Warenhausgeschäft risikobehaftet ist und ein Ausfall der Forderungen möglich, hat schon das gerade erst abgeschlossene Insolvenzverfahren gezeigt, bei dem die Gläubiger auf 2,2 Milliarden Euro verzichten mussten. Der Staat tut also gut daran, sorgfältig abzuwägen, wie sicher ein solches Engagement wäre, und sich nicht davon blenden zu lassen, dass angeblich 80.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen.
Geradezu Unfug ist, die Warenhäuser wie der Handelsverband als „systemrelevant“ zu bezeichnen. Eine Stadt, die auf solche Geschäftsmodelle der Vergangenheit als Besuchermagnet angewiesen ist, hat sehr viel falsch gemacht.
Es gibt viele moderne Handelskonzepte, die einen Weg in die Digitalisierung weisen und die noch in einigen Jahren für die Konsumenten interessant sein können. Eine Stadt, die das noch nicht erkannt hat, sollte schleunigst umsteuern und nicht der Vergangenheit nachtrauern.
Diese neuen Konzepte zu fördern und in moderne Stadtplanungskonzepte einzubinden, das ist systemrelevant. Und dort wären Kredite eine Investition in die Zukunft – und nicht in die Vergangenheit.