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  4. Corona Großbritannien: Boris Johnson punktet mit vernünftigem Coronakurs

KommentarBoris Johnsons Corona-Politik könnte zur Blaupause werden

Boris Johnson wurde zu Beginn der Pandemie für sein Missmanagement kritisiert. Heute fährt der britische Premier einen anderen Kurs und punktet damit.Carsten Volkery 23.02.2021 - 16:04 Uhr Artikel anhören

Die Umfragewerte des britischen Premiers in der Coronakrise haben sich erholt.

Foto: action press

Im ersten Jahr der Corona-Pandemie galt Boris Johnson europaweit als abschreckendes Beispiel. Anfangs hatte er einen britischen Sonderweg beschritten und erst spät einen Lockdown beschlossen. Dann hatte er zu früh wieder Entwarnung gegeben und ist in der Folge einen Schlingerkurs gefahren. Sein Missmanagement trug dazu bei, dass Großbritannien heute die höchste Corona-Todeszahl in Europa zu beklagen hat.

Seit einigen Wochen jedoch wendet sich das Blatt. Mit seiner Impfstrategie ist das Königreich zum Vorreiter in Europa geworden. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, könnten bis zum Sommer alle Erwachsenen auf der Insel geimpft sein.

Auch Johnsons Fahrplan, um den Lockdown zu beenden, könnte zur Blaupause für andere Regierungen werden. In den kommenden vier Monaten sollen die strikten Corona-Einschränkungen, die seit Anfang des Jahres in Kraft sind, schrittweise wieder aufgehoben werden. Im Juli könnten die Briten wieder alle Freiheiten haben.

Die Reihenfolge der Öffnung – erst die Schulen, dann die Geschäfte, dann die Restaurants – erscheint sinnvoll. Auch die Wartezeit von mindestens fünf Wochen zwischen jedem Schritt ist vernünftig. So lässt sich die Wirkung messen, bevor es grünes Licht für die nächste Lockerung gibt. Selbst die Labour-Opposition fand an dem Plan nichts zu bemängeln, sondern lobte die neue Vorsicht des Premiers.

Mit dem Fahrplan kauft sich Johnson Zeit. Er gibt ihm die Möglichkeit, das Argument des „ewigen Lockdowns“ zu entkräften und ein Ende der Zumutungen in Aussicht zu stellen. Zugleich ist der Zeitplan dehnbar, was ihm eine gewisse Flexibilität je nach Verlauf der nächsten Corona-Welle erlaubt.

Johnson hat mehr Spielraum gegenüber Kritikern

Der entscheidende Unterschied zum vergangenen Jahr ist, dass der Premier mit größerem Selbstbewusstsein gegenüber seinen konservativen Parteifreunden agiert. Er lässt sich nicht mehr von den Lockdown-Gegnern in Politik und Medien treiben, sondern gibt selbst den Kurs vor – in enger Absprache mit den Virologen.

Seine neue Unabhängigkeit hat Johnson vor allem der erfolgreichen Impfkampagne zu verdanken. Das Missmanagement des vergangenen Jahres tritt in den Hintergrund, seine Umfragewerte haben sich erholt. Das gibt ihm mehr Spielraum gegenüber seinen Kritikern.

Im vergangenen Jahr hatte Johnson die unvorteilhaften Vergleiche mit anderen Ländern stets mit dem Hinweis gekontert, man werde erst am Ende der Pandemie sehen, wie einzelne Länder abgeschnitten haben. Damit scheint er nun recht zu behalten.

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