AOK-Chef: Digitale Rezepte und Medizin-Apps: „Spahn sind politische Ziele wichtiger als Gesundheit der Bürger“
Jens Spahn bei der Vorstellung einer App-Lösung.
Foto: action pressBerlin. Der Vorsitzende des Bundesverbands der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) hat scharfe Kritik an den Digitalvorhaben von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geübt. Martin Litsch sagte im Interview mit dem Gesundheitsfachbriefing Handelsblatt Inside Digital Health: „Angesichts der düsteren Finanzperspektiven für die gesetzliche Krankenversicherung können wir so nicht weitermachen.“
Die AOKen sind mit etwa 27 Millionen Versicherten der größte Krankenkassen-Verbund in Deutschland. Litsch stört sich besonders an den digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGa). Seit Oktober müssen die Krankenkassen die Kosten bestimmter Gesundheits-Apps und -Webanwendungen nach vorheriger Prüfung durch eine Bundesbehörde übernehmen.
Der AOK-Chef bezeichnet die Anforderungen dabei als „lächerlich gering“. Spahn gestalte die Vorgaben so, dass die Ergebnisse zu seinen Zielen passen würden: „Ihm sind politische Ziele wichtiger als die Gesundheit der Bürger.“ Neben höheren Anforderungen verlangt Litsch die Abschaffung der freien Preiswahl für DiGa-Hersteller im ersten Jahr und die Möglichkeit einer kürzeren Dauer der Verschreibung.
Der Krankenkassen-Chef fordert zudem ein Umdenken beim elektronischen Rezept. Dieses wird seit Juli erprobt, ab 2022 ist es verpflichtend. Wenn Patienten es komplett digital nutzen wollen, müssen sie die App der durch das Bundesgesundheitsministerium kontrollierten Gematik verwenden.