Mark Branson im Interview: Neuer Bafin-Chef: „Das größte ökonomische Risiko ist das Zinsumfeld“
Der seit August 2021 amtierende Bafin-Chef hat eine härtere Gangart bei der Beaufsichtigung von Geldhäusern angekündigt.
Foto: Jann Höfer für HandelsblattFrankfurt. Die Finanzaufsicht Bafin will bei Missständen künftig härter und schneller durchgreifen. „Die Bafin muss den Mut haben, unangenehme Entscheidungen zu treffen, auch wenn wir keine perfekte Informationslage haben und wenn damit gewisse Risiken verbunden sind“, sagte Mark Branson dem Handelsblatt bei seinem ersten Interview als Bafin-Präsident. „Denn nicht zu entscheiden und abzuwarten ist für die Kunden und für die Stabilität des Finanzsystems oft noch riskanter.“
Bisher hat die Bafin meist erst eingegriffen, wenn sie sicher sein konnte, dass ihre Entscheidungen juristisch wasserdicht sind. Branson will nun eine neue Kultur etablieren. „Wir brauchen die Bereitschaft, auch mal Grenzen auszutesten“, sagte Branson. „Wenn es einen Missstand gibt, müssen wir etwas tun, auch wenn dieser Sachverhalt im Gesetz nicht ganz eindeutig geregelt ist.“ Branson hat im August die Nachfolge von Felix Hufeld angetreten, der nach dem Wirecard-Skandal vorzeitig abgetreten war.
Davor hatte Branson die Schweizer Aufsicht Finma geleitet. Er gilt als Verfechter strenger Kapitalvorschriften für Banken. Diesem Ruf will er auch als Bafin-Chef gerecht werden. „Eine überoptimierte Kapitalbasis macht Banken anfällig für unvorhersehbare Schocks“, sagte er. Der Brite, der auch die Schweizer Staatsbürgerschaft besitzt, macht sich deshalb auch für harte Kapitalvorgaben für Großbanken stark. „Institute, die auf den internationalen Kapitalmärkten aktiv sind, brauchen eine besonders dicke Kapitaldecke.“