Volkswagen: Das Protokoll der Wut: Wie Herbert Diess die Führungskrise bei VW auslöste
Die Unterstützung für den VW-Chef im Aufsichtsrat schwindet.
Foto: AFP/Getty ImagesWolfsburg, Düsseldorf. Plötzlich wünscht sich der Aufsichtsrat sogar Martin Winterkorn zurück. Der sei wenigstens „vernünftig“ gewesen, sagt Niedersachsens Ministerpräsident und Volkswagen-Aufseher Stephan Weil über den Mann, unter dem das Unternehmen mit der Dieselaffäre in die Existenzkrise rutschte. Aber Herbert Diess, der jetzige VW-Chef? Weil atmet erst mal durch.
„Heilfroh“ müsse man sein, dass niemand außerhalb dieses Raumes wisse, wie die Zusammenarbeit zwischen Diess und seinem Großaktionär, dem Land Niedersachsen aussehe. Bei der Vertragsverlängerung von Diess im Juli habe man besprochen, die Dinge künftig gemeinsam und einvernehmlich anzugehen. Pustekuchen. Seit der Unterschrift habe es keinen Kontakt mehr zwischen Diess und dem Land gegeben. „Das ist nicht konstruktiv“, sagt Weil. „Das ist kein gutes Zeichen.“
Vor zehn Wochen sind diese Worte gefallen. Der Job von Herbert Diess als Vorstandschef von Europas größtem Unternehmen hängt seitdem am seidenen Faden. Wohl nie zuvor hat sich ein Manager so um seinen eigenen Kopf geredet, wie Diess am 24. September 2021 bei der Aufsichtsratssitzung von Volkswagen. Diess tadelte das eigene Unternehmen, lobte den Konkurrenten Tesla und empfahl die Halbierung der Belegschaft am Stammsitz Wolfsburg.