Corona-Maßnahmen: Feuerwerksverbot an Silvester: Branche befürchtet „Todesstoß“
Kein Verkauf von Feuerwerk für Silvester.
Foto: dpaDüsseldorf. Schon 2020 blieb die Silvesternacht still und dunkel. Das soll auch in diesem Jahr so sein: Der Verkauf von Feuerwerkskörpern ist das zweite Jahr in Folge verboten. Das hatten der Bund und die Ministerpräsidenten Anfang Dezember beschlossen. Das Verkaufsverbot soll helfen, in der vierten Coronawelle die Krankenhäuser nicht zusätzlich zu belasten.
Das wirkliche Problem zu Silvester seien übermäßiger Alkoholgenuss und illegale Feuerwerksprodukte, meint indes der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI). „Das ist ein symbolisches Verbot auf unserem Rücken und ohne Wirkung“, sagte VPI-Geschäftsführer Klaus Gotzen. Dabei werde eine gesamte Industrie sich selbst und der drohenden Insolvenz überlassen.
Für Deutschlands führenden Feuerwerkshersteller Weco hat das erneute Verkaufsverbot gravierende Konsequenzen. Die Belegschaft sei in „Schockstarre“. Denn 95 Prozent des Geschäfts erwirtschaftet das Unternehmen aus Eitorf bei Bonn an den letzten drei Tagen im Jahr. Anfang Oktober war bereits mit der Auslieferung von rund 160.000 Paletten Feuerwerksware für den Einzelhandel begonnen worden.
Die Raketen und Böller musste Weco nun auf eigene Kosten zurücknehmen und ein weiteres Jahr einlagern. „Das Verbot hatte für unser Unternehmen bereits 2020 katastrophale Folgen und verursachte einen finanziellen Schaden in zweistelliger Millionenhöhe“, so Thomas Schreiber, Sprecher der Geschäftsführung von Weco.
Um das Unternehmen zu retten, war der gesamten Belegschaft rund ein Jahr lang Kurzarbeit verordnet worden. „Das war eine der wenigen Möglichkeiten, laufende Kosten einzusparen und eine Insolvenz zu verhindern“, so Schreiber. „Nur mit großen Kraftanstrengungen, weiteren Krediten und gewaltigen Einbußen für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war es überhaupt möglich, das Unternehmen weiterhalten zu können.“
Der Fertigungsstandort Freiberg in Sachsen mit 300 Jahren Tradition musste im Dezember geschlossen werden. Etwa 100 Beschäftigte sind betroffen.
Drohende Insolvenzen
Das erneute Verbot bedeute „mit aller Wahrscheinlichkeit den Todesstoß für die gesamte Feuerwerksbranche in Deutschland“, warnt der Verband VPI. Den 3000 Beschäftigten der Branche drohe die Arbeitslosigkeit. Den betroffenen Unternehmen wurde vom Staat erneut eine entsprechende Kompensation in Aussicht gestellt.
In den Innenstädten ist das Abfeuern von Feuerwerkskörpern auch in diesem Jahr weiträumig verboten.
Foto: dpaAllerdings hatte Weco nach eigenen Angaben bis kurz vor Weihnachten erst rund die Hälfte der Überbrückungshilfen III für 2020 erhalten. Das Unternehmen zieht juristische Mittel in Betracht, wenn keine Kompensationen gewährt würden, die sich am Umsatzausfall bemessen. „Ohne weitere Mittel käme es über kurz oder lang zu einer Insolvenz“, teilte Weco auf Anfrage mit.
Vor der Pandemie erwirtschaftete Weco mit 400 Mitarbeitern knapp zwei Drittel des Branchenumsatzes. Die gesamte Branche sitzt wegen des Verkaufsverbots derzeit auf Verbindlichkeiten von etwa 200 Millionen Euro. Die deutsche Pyrobranche machte 2019 noch einen Jahresumsatz von 122 Millionen Euro. Seit Jahren sind die Geschäfte aber rückläufig – auch aus Umweltgründen.
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und andere Verbände kritisieren seit Langem unter anderem die hohe Feinstaubbelastung. Jährlich entstünden hierzulande etwa 2050 Tonnen Feinstaub durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfehle, einen Tagesmittelgrenzwert von 45 µg PM10/m3 an nicht mehr als drei Tagen im Jahr zu überschreiten. Bei im Winter typischen Inversionswetterlagen könnten diese Feinstaubtage durch das Silvesterfeuerwerk schnell erreicht sein, so die DUH.
Umwelt- und Tierschützer fordern endgültiges Verbot
Auch Tierschutzorganisationen wie Peta fordern, Feuerwerke endgültig zu verbieten. Böller, Knaller und Raketen versetzten die Tiere in Todesangst und Panik: „Die Silvesternacht und andere Veranstaltungen mit Feuerwerken sind für Tiere eine traumatische Erfahrung, die zu psychischen Folgeschäden in Form von Angststörungen führen kann.“
Der Zoll warnt vor illegal aus dem Ausland eingeführten Feuerwerkskörpern. Die Knaller entsprächen oft nicht dem deutschen Sicherheitsstandard und seien hochgefährlich.
Foto: dpaZwar ist der Verkauf von Feuerwerkskörpern dieses Jahr verboten. Das Abbrennen ist aber nur untersagt, wenn die jeweilige Kommune dies verbietet. Die Lust am Knallen lassen sich viele Bürger dennoch nicht nehmen. Bereits 2020 stieg die Einfuhr von illegalen, ungeprüften Feuerwerkskörpern massiv. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter Sachsen hatte sich deshalb jüngst gegen ein Verkaufsverbot wegen der Coronalage ausgesprochen.
„Die Verbote erreichen das Gegenteil von dem, was man erreichen will“, meint auch Weco-Chef Schreiber. Viele Menschen würden illegale und lebensgefährliche Feuerwerkskörper im Ausland oder sogar auf dem Schwarzmarkt kaufen – oder im schlimmsten Fall selbst Feuerwerkskörper basteln.