Global Risk – Chile: Warum ein junger Linkspolitiker für Lateinamerikas Vorzeigewirtschaft der richtige Präsident sein könnte
Nach dem Wahlsieg des Kandidaten füllten sich die Straßen Santiagos mit feiernden Menschen.
Foto: APSalvador. Er hat den langen Bart gestutzt, hat sich mit Großunternehmern und Mittelständlern getroffen und sich schriftlich für seine jugendliche Arroganz entschuldigt. Und es hat funktioniert: 56 Prozent der Wähler stimmten für den ehemaligen Studentenführer Gabriel Boric – ein klarer Sieg.
Die vergleichsweise hohe Wahlbeteiligung von über 55 Prozent lässt darauf schließen, dass viele zu den Wahlurnen gegangen sind, um den Pinochet-Bewunderer und Law-and-Order-Vertreter José Antonio Kast als Präsidenten zu verhindern. „Es war die letzte Wahl der alten Politik und die erste eines neuen politischen Zyklus Chiles“, sagt die Wahlforscherin Marta Lagos.
Doch genau das beunruhigt die Wirtschaft: Unternehmer und Investoren fürchten, dass der linke Präsident Chiles einsame Spitzenstellung in der Wirtschaft in Lateinamerika aufs Spiel setzen könnte. Am Montag brach der chilenische Leitindex in der Spitze um 7,5 Prozent ein, bevor er einige der Verluste wieder gutmachte. Auch der chilenische Peso fiel.
In der Tat könnten Chiles Verschuldung oder Haushaltsdefizit unter Boric steigen. Doch angesichts der soliden Situation des Landes mit 37 Prozent Verschuldungsquote gebe es noch viel Spielraum, argumentiert Lucas Almeida von Morgan Stanley. So könnte die Wahl des 35 Jahre alten Politikers sogar eine Chance für das Land sein – wenn Boric es sozial wieder eint.