Charité-Virologe im Interview: Christian Drosten: „Wir werden wieder leben wie vor der Pandemie“
Der Experte betont: vor mRNA-Imfpstoffen muss man keine Angst haben.
Foto: APHerr Drosten, es ist fast auf den Tag zwei Jahre her, dass Sie erstmals im Tagesspiegel zu einer neuen Viruserkrankung zitiert wurden. Hätte Sie da jemand gefragt: „Wie werden wir in zwei Jahren über dieses Virus reden?“, was hätten Sie gesagt?
Ich kann Ihnen sagen, was ich damals gesagt habe: Das wird das Nachrichtenthema des Jahres, es wird 2020 kein anderes mehr geben. Das habe ich allerdings nur zu meiner Frau gesagt.
Was machte Sie damals schon so sicher? Am Anfang war ja noch nicht einmal klar, ob das neue Virus von Mensch zu Mensch übertragen wird.
Mitte Januar zeichnete sich auf Basis der Daten schon ab, dass es ernst wird. Man wusste, dass die Fallzahlen in China rasch steigen, vor allem beim Krankenhauspersonal – was immer ein erster Indikator ist, ob ein Virus von Mensch zu Mensch gut übertragbar ist.
Allerdings waren Sie am Anfang auch nicht sicher, wie ansteckend Sars-CoV-2 ist. Sie haben es anfangs eher wie Sars-1 eingeschätzt, das 2003 einfach verschwand.
Meine Einschätzung war, dass das ein schwer pathogenes Virus ist, dass es sich wie Sars-1 in erster Linie tief in der Lunge vermehrt und daher nicht so ansteckend ist. Dann kam die Webasto-Kohorte, die ersten Infektionsfälle in Deutschland beim Münchner Autozulieferer, und es wurde schnell klar: Die Patienten haben fast alle einen milden Verlauf, einige asymptomatisch. Aber die Messung der Viruslast und RNA-Transkription bei diesen Patienten zeigte, dass das Virus sich aktiv im oberen Rachenraum vermehren kann. Das war eine Überraschung.