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Prüfers KolumneDie Fahrradstraße als Bürger-Abzocke

Der Bau-Turbo verspricht vor allem eines: Tempo ohne Nachdenken. Und genau das ist bei Immobilien vermutlich die schlechteste aller Ideen. Vor der Haustür steigt nur die Gebühr.Tillmann Prüfer 10.01.2026 - 10:13 Uhr Artikel anhören
Der Autor ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“. Foto: Handelsblatt

Es ist 2026, und nun stehen offenbar die Segnungen des „Bau-Turbos“ buchstäblich ins Haus. Es soll gebaut werden, dass es brummt. Es ist eigentlich interessant, dass solcherlei noch „Turbo“ genannt wird. Ein Turbolader ist ja eine etwas antiquierte Angelegenheit, er hat mit Abgasenergie und Verbrennungsmotoren zu tun. Damit möchte man ja in modernen Zeiten nicht mehr so viel zu tun haben.

Und wenn man sich so anschaut, wie es der Autobranche in Deutschland geht, dann möchte man ja auch nicht, dass es der Immobilienbranche genauso geht. Aber wie soll man es auch anders nennen? Unsere Metaphern stammen aus einer Welt, in der Dinge entweder knallen oder rauchen. Geht es irgendwo steil bergauf, werden Explosionen bemüht, ob sie nun innerhalb von Automobilzylindern oder im freien Felde stattfinden sollen. Hauptsache, es ballert.

Unser Ex-Kanzler, ich glaube er hieß Olaf Scholz, hantierte ja auch mit dem „Doppel-Wumms“. Leider war es eher seine eigene Partei, die davon weggeblasen wurde. Allerdings gibt es auch keine modernere Entsprechung. Sollte man sagen, jetzt würde der Immobilien-Akku ordentlich geladen? Oder möchte man beim Häuserbau eine Solarzelle zulegen? Vielleicht müsste man es noch etwas eskalieren lassen: Wie wäre es mit einer Megawatt-Offensive bei den Immobilien?

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Vielleicht sollten wir elegantere Bilder versuchen. Man könnte von einer behutsamen Kalibrierung sprechen, von einer Justierung am Stellrad der Baukonjunktur. Auch die Idee eines Immobilien-Updates drängt sich auf: Version 2.1, Bugfixes inklusive, Stabilität verbessert. Aber will man wirklich in Häuser investieren, die sich anhören, als müssten sie nachts neu gestartet werden?

Oder man versuchte es mit Begriffen aus der Küche: ein sanftes Köcheln des Marktes, ein langsames Reduzieren auf gute Lagen. Oder aus der Medizin: eine erfolgreiche Therapie, eine Reha mit Aufbaukost, langsame Rückkehr in den Alltag.

„Turbo“ verspricht vor allem eines: Tempo ohne Nachdenken. Und genau das ist bei Immobilien vermutlich die schlechteste aller Ideen. Man baut schließlich nichts, was in drei Sekunden von null auf hundert sein muss. Man baut etwas, das stehen bleiben soll.

Bei uns vor der Haustür hat der köchelnde Immobilien-Update-Aufbau-Megaausbau-Zugewinn schon begonnen. Die Stadt hat im vergangenen Jahr die Straße in eine Fahrradstraße umgewandelt. Nun wurde den Anwohnern mit Immobilienbesitz mitgeteilt, dass durch die bessere Straße der Wert der Häuser gestiegen sei. Somit würden Gebühren fällig, um die Stadt an dem Geldsegen zu beteiligen. Dafür, dass es steil bergauf geht, ohne dass irgendwer etwas davon mitbekommen hat, muss wohl auch noch ein Begriff gefunden werden.

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