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Lim Kok ThayNeuer Rückschlag für MV-Werften: Chef des Hong Konger Mutterkonzerns kündigt Rückzug an

Der malaysische Milliardär hinter den insolventen MV Werften verkündet seinen Abgang von der Spitze der Eigentümergesellschaft. Für die Beschäftigten wächst die Unsicherheit.Mathias Peer 24.01.2022 - 16:09 Uhr Artikel anhören

Der Unternehmer gehört zu den reichsten Männern Malaysias.

Foto: Bloomberg

Bangkok. Die alte Seefahrerregel, wonach der Kapitän ein sinkendes Schiff als Letzter verlässt, scheint Lim Kok Thay nicht auf sich zu beziehen. Der Milliardär aus Malaysia kündigte am Montag seinen Rückzug von der Spitze des taumelnden Kreuzfahrtkonzerns Genting Hong Kong an, zu dem der insolvente Schiffbauer MV Werften an der Ostsee gehört.

Die Entscheidung traf er, während in Deutschland rund 1900 Mitarbeiter um ihre berufliche Zukunft bangen – und Kreuzfahrtpassagiere ihre Reise wegen einer drohenden Schiffsbeschlagnahmung vorzeitig abbrechen mussten.

Lim trete sowohl als Vorsitzender wie auch als Geschäftsführer zurück, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens an die Hongkonger Börse. Auch sein Stellvertreter Colin Au, der zuletzt die gescheiterten Verhandlungen über Staatshilfen in Deutschland verantwortete, zieht sich von seinem Posten zurück. Man suche nun nach passenden Kandidaten, um die Stellen neu zu besetzen, teilte das Unternehmen mit.

Genting Hong Kong, an dem Lim 76 Prozent der Anteile hält, ist wie seine deutschen Werften insolvent. Die vorhandenen Gelder reichen nach Angaben des Konzerns nur noch bis Ende dieses Monats. Zugang zu weiteren Finanzierungsquellen habe man nicht. Ein Gericht in Bermuda bestellte vergangene Woche Insolvenzverwalter, die eine Restrukturierung ausarbeiten sollen.

Lims Kreuzfahrten droht das Aus

Für Lim, dessen Familienunternehmen seit dem Start vor einem halben Jahrhundert im Glücksspielgeschäft zu einem globalen Konzern aufgestiegen ist, kommt es damit zu einem unrühmlichen Ende in einem wichtigen Kapitel seiner Karriere.

Der heute 70-Jährige hatte vor drei Jahrzehnten die Expansion des malaysischen Kasinokonzerns in die Kreuzfahrtindustrie verantwortet. Bereits am Beginn stand eine Pleite: Seine ersten Schiffe kaufte Lim in den 1990er-Jahren von der in Konkurs gegangenen schwedischen Reederei Rederi AB Slite.

Ihm gelang es, daraus unter dem Dach von Genting Hong Kong einen der größten Kreuzfahrtbetreiber Asiens zu formen, zu dem seit 2015 auch die US-Reederei Crystal Cruises gehört.

Doch in der Coronavirus-Pandemie fand Lim keinen Weg, das Unternehmen über Wasser zu halten. Zu schaffen machten ihm die besonders strengen Reiserestriktionen in wichtigen Märkten wie China, Hongkong und Singapur. Er startete zwar neue Angebote wie sogenannte Kreuzfahrten ins Nirgendwo – mehrtägige Schiffsrundfahrten ohne Ziel –, die Urlaube ohne Quarantäne bei der Rückkehr möglich machten.

Die Nachfrage reichte aber bei Weitem nicht aus, um die Einnahmeausfälle auszugleichen: Im Mai meldete Genting Hong Kong einen Rekordjahresverlust von 1,7 Milliarden US-Dollar.

Seinen Kreuzfahrten droht nun das Aus: Vergangene Woche hatte Genting Hong Kong zwar mitgeteilt, dass Kreuzfahrten der Tochtergesellschaft Dream Cruises auch während des Insolvenzverfahrens fortgesetzt werden sollen. Seit dieser Woche nimmt das Unternehmen auf seiner Website aber keine Buchungen mehr entgegen. Für die Mitarbeiter der MV Werften wächst damit die Ungewissheit: Sie hoffen immer noch darauf, dass Dream Cruises als Abnehmer für das fast fertiggestellte Schiff „Global Dream One“ bereitsteht.

Schiff soll in den USA beschlagnahmt werden

Am Wochenende bekamen auch Passagiere in Amerika die finanzielle Notlage des Konzerns zu spüren: Sie sollten ihre Reise auf dem Genting-Schiff „Crystal Symphony“ eigentlich in Miami beenden.

Dort stand jedoch ein Gerichtsvollzieher bereit, der das Schiff wegen unbezahlter Rechnungen beschlagnahmen sollte. Ein Treibstofflieferant wirft Genting vor, seit 2017 insgesamt 4,6 Millionen Dollar schuldig geblieben zu sein.

Genting entschied, der Beschlagnahmung zu entgehen, und beendete die Kreuzfahrt deshalb statt in den USA auf einer Bahamas-Insel. Mehrere Hundert Passagiere wurden anschließend per Fähre nach Florida gebracht. Schlechte Wettererlebnisse hätten dabei zu einer unangenehmen Überfahrt geführt, räumte Crystal Cruises am Wochenende ein. „Dieser Abschluss der Kreuzfahrt war nicht, wie wir das Urlaubsende für unsere Gäste geplant hatten", hieß es weiter.

Trotz des Kollaps seines Kreuzfahrtimperiums dürfte Eigentümer Lim Kok Thay einer der reichsten Männer Malaysias bleiben: Das US-Magazin „Forbes“ schätzt, dass sich sein Vermögen seit März 2019 halbiert hat – aber immerhin noch bei 2,2 Milliarden Dollar liegt.

Den Großteil davon machen seine Anteile an den Kasinos aus, die Genting von Kuala Lumpur, über Singapur und Manila bis London und New York betreibt. In Las Vegas hatte Lim erst im vergangenen Sommer ein 4,3 Milliarden Dollar teures Glücksspielresort eröffnet.

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Auch in Asien hat Lim noch viel vor: In Malaysia will er für 800 Millionen Dollar einen neuen Vergnügungspark eröffnen. In Singapur plant er Investitionen von 3,3 Milliarden Dollar für den Ausbau seines Entertainmentkomplexes auf der Insel Sentosa.

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