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ITA-Airways-Präsident AltavillaÜbernahme durch Lufthansa und MSC? „Die industrielle Logik der Offerte ist sehr überzeugend“

Lufthansa und die Reederei MSC wollen gemeinsam die Mehrheit an Italiens Staatsairline ITA Airways übernehmen. Für deren Präsidenten Alfredo Altavilla hätte der Deal große Synergien.Christian Wermke 25.01.2022 - 07:17 Uhr Artikel anhören

Er hat fast 30 Jahre bei Fiat gearbeitet, war dort zuletzt Chef des Europageschäfts.

Foto: via REUTERS

Rom. Im italienischen Parlament lief gerade der erste Wahlgang zum neuen Staatspräsidenten, als die Mitteilung bei ITA Airways eintrudelte: Die Reederei MSC will zusammen mit der Lufthansa die Mehrheit an der neuen Staatsairline übernehmen. „Ich freue mich sehr über diese Interessensbekundung“, sagte Verwaltungsratspräsident Alfredo Altavilla dem Handelsblatt am Montagabend.

Für ITA Airways sei es ein großer Erfolg, in so wenigen Monaten das Interesse eines „großen Unternehmens wie der Lufthansa und einer großen Gruppe wie MSC geweckt zu haben“. Erst Mitte Oktober war ITA Airways als Nachfolgerin der insolventen Alitalia gestartet.

Die industrielle Logik der Offerte sei „sehr überzeugend“ und „äußert interessant“, betonte Altavilla. MSC befördere jährlich drei Millionen Passagiere auf Kreuzfahrten und brauche Flugzeuge, um die Urlauber zu den Häfen zu bringen. „Das ist für uns sehr wichtig, weil es Langstreckenflüge sind, mit denen man Geld verdient.“

Altavilla sieht aber auch Synergien im Frachtbereich: „Cargo ist heute der Sektor, in dem die höchsten Gewinnspannen erzielt werden.“

Eine Partnerschaft mit dem größten Frachtunternehmen der Welt würde es ITA Airways ermöglichen, als „Protagonist in den Frachtverkehr einzusteigen“. Damit könnte auch der Flughafen Mailand-Malpensa aufgewertet werden, der immer eine wichtige Rolle im italienischen Cargo-Geschäft gespielt habe.

Die Chemie zwischen Carsten Spohr und MSC-Eigner Aponte stimmt

Wie sich die Anteile der Offerte verteilen, will Altavilla nicht kommentieren. „Das ist Teil der Gespräche, die MSC und Lufthansa führen werden.“ Laut der Interessensbekundung wolle MSC aber die Mehrheit haben. „Der Anteil der Lufthansa wird während des Prozesses der Due Dilligence festgelegt.“

Beide Interessenten hätten zudem den Wunsch geäußert, dass der italienische Staat mit einer Minderheitsbeteiligung im Unternehmen bleibt. „Die italienische Regierung muss nun entscheiden, ob sie MSC und Lufthansa diese exklusiven Gespräche gewährt“, sagte Altavilla. Kommt es zur Exklusivitätsvereinbarung, hält er 90 Tage für „einen angemessenen Zeitraum, um zu einem Ergebnis zu kommen“.

Der Italiener Gianluigi Aponte hatte die Reederei MSC 1970 gegründet. Noch immer ist der Konzern mit mehr als 465 Schiffen, der seinen Sitz heute in Genf hat, in Familienbesitz. „Solche Projekte entstehen, wenn Menschen eine gemeinsame Vision haben“, sagte Altavilla.

Er freue sich sehr über das „strategische Geschick“, das Lufthansa-CEO Carsten Spohr und Gianluigi Aponte bei diesem Projekt „wieder einmal bewiesen haben“. Die Chemie zwischen den beiden würde stimmen. „Jetzt hoffen wir, dass die Bedingungen bis zum Ende dieses Abenteuers halten werden.“

ITA Airways könnte Mitglied von Star Alliance und Miles & More werden

Sollte der Deal zustande kommen, werde ITA Airways auch die bisherige Luftfahrt-Allianz Skyteam verlassen – um dann dem von Lufthansa mitbegründeten Bündnis Star Alliance beizutreten. Auch Teil des Lufthansa-Meilenprogramms Miles & More wolle man werden, kündigte Altavilla an. Nun müssten aber erst einmal alle Bedingungen des Angebots geprüft werden. „Das heute war nur ein erster Schritt. Der schwierige Teil kommt jetzt.“

Vom Start weg fuhr Altavilla zweigleisig: Auf der einen Seite musste er die Kosten der neuen Airline radikal zusammenstreichen und das Geschäft unter erschwerten Corona-Bedingungen stabilisieren. Auf der anderen Seite führte er Gespräche mit potenziellen Partnern. Schon im November, kurz nach dem Neustart, hatte Altavilla im Handelsblatt-Interview offensiv um die Lufthansa geworben und bestätigt, dass es erste Gespräche mit Spohr gegeben habe.

„Es wäre falsch, eigenständig zu bleiben, weil wir im Vergleich zu den drei großen, in Europa tätigen Airline-Gruppen immer zu klein wären“, sagte er damals. Auch, dass er großen Respekt vor Spohr habe, weil es der Lufthansa in den vergangenen Jahren gelungen sei, andere kleinere Airlines erfolgreich zu integrieren. „Aus dieser Sicht bewundere ich das Geschäftsmodell der Lufthansa sehr“, erklärte Altavilla im November.

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Gut möglich, dass er in wenigen Monaten selbst zum Lufthansa-Konzern gehört – mit Rom als neuem Drehkreuz im Süden Europas und obendrein als Langstrecken-Charterairline für die Kreuzfahrtindustrie.

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