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Alphabet-QuartalszahlenWerbeeinnahmen lassen Gewinne bei Google stark steigen – Konzern kündigt Aktiensplit an

Der Internetkonzern hat im Corona-Jahr 2021 doppelt so viel verdient wie im Vorjahr. Das ambitionierte Cloud-Geschäft schreibt aber weiter rote Zahlen. Die Aktie steigt kräftig.Felix Holtermann 02.02.2022 - 04:23 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die Zahlen der Konzernmutter Alphabet lassen die Aktie in die Höhe schießen.

Foto: Bloomberg

Mountain View, New York. Der Online-Boom während der Corona-Pandemie und hohe Werbeeinnahmen haben Google im Schlussquartal kräftig Rückenwind verliehen. Der Umsatz sprang um ein Drittel auf 75,3 Milliarden Dollar in die Höhe, wie der Google-Mutterkonzern Alphabet am Dienstagabend mitteilte. Analysten hatten eher mit gut 72 Milliarden Dollar gerechnet.

Der Gewinn legte im Schlussquartal um 35 Prozent auf 20,6 Milliarden Dollar zu. Es war der vierte Rekordüberschuss in Folge. Im Gesamtjahr 2021 verdoppelte sich Googles Gewinn fast auf 76 Milliarden Dollar. Der Umsatz lag bei 258 Milliarden Dollar, ein Plus von satten 41 Prozent.

An der Wall Street kamen die Zahlen gut an: Die Aktien schossen im nachbörslichen Handel zeitweise um rund acht Prozent nach oben. Auch die Titel von Konkurrenten – darunter Meta, dem früheren Facebook, Twitter und Snap – nahmen in der Folge Fahrt auf.

„Dank unserer umfangreichen Investitionen in künstliche Intelligenz machen Menschen und Unternehmen außergewöhnliche Erfahrungen mit unseren wichtigsten Produkten“, erklärte Konzernchef Sundar Pichai. Im vierten Quartal seien das Werbe- und das Cloudgeschäft stark gewachsen. Auch die hauseigenen Pixel genannten Smartphones hätten einen Verkaufsrekord aufgestellt, „trotz Lieferengpässen“, so Pichai.

Starkes Werbegeschäft

Stark entwickelte sich das Kerngeschäft von Google: Die Werbeeinnahmen legten um ein Drittel auf 61,2 Milliarden Dollar zu. Im dritten Quartal waren sie noch stärker angestiegen, um 41 Prozent.

Google profitiert unter anderem davon, dass viele Menschen in der Pandemie mehr Zeit im Internet verbringen und dort einkaufen. Weltweit verkauft keine Firma so viele Anzeigen im Internet wie Google. Zudem kommt dem Konzern zugute, dass viele Menschen wegen der Pandemie im Büro und von zu Hause arbeiten.

Den verlangsamten Anstieg im Schlussquartal führen manche Beobachter auf den verschärften Wettbewerb zurück. Auch Konzerne wie Amazon und ByteDance mit seinem Videodienst TikTok versuchen in der Corona-Pandemie, Google verstärkt Werbeeinnahmen abzujagen. Der Hauptrivale auf dem Werbemarkt, Meta, gibt am Mittwoch seine Ergebnisse bekannt.

Beobachter gehen davon aus, dass sich die Konkurrenz in den kommenden Jahren verschärft. Das Anzeigengeschäft dominiere nach wie vor die Google-Zahlen, schrieb Joanna O’Connell vom US-Analysehaus Forrester. „Es ist jedoch nicht klar, ob dessen Wachstum nachhaltig ist. Der Vorstand traf keine klare Aussage, ob er eine anhaltende Performance in dieser Größenordnung erwartet.“

Vor allem die Videoplattform Youtube lieferte 2021 wieder starke Einnahmen und kommt inzwischen auf 15 Milliarden Abrufe am Tag. Mit einer eigenen Kurzvideo-Plattform, YouTube Shorts genannt, will Google den TikTok-Erfolg bremsen.

In der Corona-Pandemie war Google eine Partnerschaft mit dem kanadischen Anbieter Shopify eingegangen, der als eine Art „Anti-Amazon“ gilt. Dank Shopify können kleine und mittelständische Unternehmen in wenigen Klicks einen eigenen Onlineshop aufbauen.

Verluste im Cloud-Geschäft

Während das Werbekerngeschäft satte Gewinne einfuhr, schrieben die anderen zwei großen Sparten im Google-Reich 2021 Verluste: das Cloud-Geschäft und die sogenannten „anderen Wetten“. Diese Bereiche will Google unter anderem aufgrund des Investorendrucks, das Geschäftsmodell stärker zu diversifizieren, ausbauen.

Im Cloud-Business verwies Alphabet-Finanzchefin Ruth Porat im Analystencall auf das starke Wachstum: Der Umsatz stieg im Schlussquartal um 45 Prozent auf 5,5 Milliarden Dollar. Unterm Strich stand jedoch ein Verlust von 890 Millionen Dollar – vor allem aufgrund teurer Investitionen.

„Das Cloud-Geschäft lässt sich gut skalieren und die Margen im Cloud-Bereich verbessern sich“, lobte Carolyn Bell vom Asset Manager Aegon. Alphabet sei „eine der attraktivsten Aktien auf dem US-Markt.“ Google ist hinter Amazon und Microsoft inzwischen der drittgrößte Cloud-Anbieter. Auch die Konkurrenten profitierten 2021 vom Anziehen des Datengeschäfts.

Schlecht lief es im Schlussquartal im dritten Geschäftsbereich, den „anderen Wetten“, worunter sich innovative Geschäftsfelder wie selbstfahrende Autos und Lieferdrohnen subsumieren.

Während im Cloud-Bereich immerhin die Umsätze stiegen und die Verluste schrumpften, herrscht dort ein anderes Bild: Die Umsätze der „anderen Wetten“ sanken im Schlussquartal auf 181 Millionen Dollar – der Verlust hingegen stieg auf 1,4 Milliarden Dollar.

Politische Drohungen

Vergleichsweise kurz war im Analysten-Call von einer externen Bedrohung für Googles Position die Rede: den Klagen und der Kritik aus der Politik. „Die größten Herausforderungen für Alphabet kommen von der regulatorischen Seite, sowohl in den USA als auch in Europa“, mahnte Mikko Ripatti, Portfoliomanager bei DNB Asset Management.

So will das EU-Parlament sämtliche große Tech-Konzerne künftig strenger regulieren. Und in den USA wurden zahlreiche Kartellklagen gegen Google eingereicht, um die Vormachtstellung des Konzerns zu brechen. Das ist auch das Ziel von Politikern auf beiden Seiten des Spektrums im US-Kongress.

Würde etwa ein neuer Gesetzentwurf von US-Senator Mike Lee (Republikaner) verabschiedet, müsste Google seine Werbetechnologie-Sparte verkaufen. Unterstützung für den Plan kommt unter anderem von der demokratischen Senatorin Amy Klobuchar, die dem Antitrust-Ausschuss vorsitzt.

Alphabet-Chef Pichai erklärte am Dienstag, er habe den Kongress aufgefordert, sich mit der Gesetzgebung Zeit zu lassen, und warnte vor „unbeabsichtigten Konsequenzen.“ Der Kongress solle lieber jene Bereiche regulieren, bei denen Einigkeit herrsche, etwa beim Schutz von Kindern im Netz. Andernfalls könnte „die amerikanische Wettbewerbsfähigkeit durch die Benachteiligung ausschließlich amerikanischer Unternehmen beeinträchtigt“ werden.

Noch ist nicht absehbar, ob die kritischen Gesetzesinitiativen breite Zustimmung finden. Google-Aktionäre jedenfalls dürfte die jüngste Entwicklung des Konzerns zufriedenstellen: Der Gewinn pro Aktie lag mit 30,69 Dollar klar über der Analystenprognosen von 27,35 Dollar.

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Alphabet kündigte einen Aktiensplit im Verhältnis 1 zu 20 an. Das wird das Papier leichter handelbar machen, nachdem der Kurs zuletzt über 2750 Dollar lag. Apple und Tesla hatten ihre Aktien bereits 2020 gesplittet.

Mit Agenturmaterial.

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