Geldpolitik: Bank of England erhöht Leitzins erneut – und erwartet Inflation von über sieben Prozent
Die britischen Notenbanker hatten im Dezember als erste der großen Zentralbanken seit Beginn der Pandemie den Zins angehoben.
Foto: ReutersLondon. Die Bank of England treibt die Zinswende voran. Zum zweiten Mal binnen wenigen Monaten hob sie am Donnerstag den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf jetzt 0,5 Prozent an. Die Entscheidung im geldpolitischen Ausschuss fiel mit einer knappen Mehrheit von fünf zu vier Stimmen. Die vier Mitglieder in der Minderheit wollten sogar gleich auf 0,75 Prozent erhöhen. Bis Mitte 2023 könne der Leitzins auf 1,5 Prozent steigen, teilte die Notenbank mit.
Der Grund ist die schnell steigende Inflation. Laut der neuen Prognose der Währungshüter soll sie nun einen Höhepunkt von 7,25 Prozent im April erreichen. Das sind zwei Prozentpunkte mehr als noch im November erwartet. Dies sei vor allem den steigenden Energiepreisen geschuldet.
Die hohe Inflation wird wohl auch länger anhalten als bisher erwartet. Erst in zwei Jahren werde sie zurück auf das langfristige Ziel von zwei Prozent fallen, teilte die Bank of England mit.
Die Kombination aus hoher Teuerungsrate und höheren Zinsen führt dazu, dass das verfügbare Haushaltseinkommen der Briten in diesem Jahr um zwei Prozent sinkt. Im kommenden Jahr soll es um weitere 0,5 Prozent sinken. Zusammengenommen wäre dies die größte Reduzierung der Kaufkraft seit 1990.
Infolgedessen wird sich nach Einschätzung der Notenbank auch das britische Wirtschaftswachstum wieder abschwächen. Die Arbeitslosigkeit soll im ersten Quartal zunächst auf 3,8 Prozent fallen, danach aber wieder auf bis zu fünf Prozent steigen.
Energiepreise steigen um 54 Prozent, Regierung kündigt Hilfen an
Noch nicht enthalten in diesen Prognosen sind die neuesten Staatshilfen, die Finanzminister Rishi Sunak zeitgleich am Donnerstag verkündete. Die Regierung will die Strom- und Gasrechnungen der Briten im Oktober mit 200 Pfund pro Haushalt bezuschussen.
Damit soll der Anstieg der Energiepreise etwas abgefedert werden. Ebenfalls am Donnerstag hat die britische Energieaufsicht Ofgem nämlich ihre halbjährliche Anpassung der gesetzlichen Energiepreis-Obergrenze bekannt gegeben. Diese steigt am 1. April von 1277 Pfund auf 1971 Pfund im Jahr. Dies ist die maximale Summe, die Energieversorger von den Endkunden für Strom und Gas verlangen dürfen.
Der hohe Anstieg um 54 Prozent ist den globalen Energiepreisen geschuldet. Der staatliche Zuschuss wird im Oktober automatisch den Strom- und Gasrechnungen der Haushalte gutgeschrieben. In den kommenden Jahren soll er dann in fünf Raten von je 40 Pfund automatisch wieder zurückgezahlt werden.
Auch verkündete Sunak einen einmaligen Rabatt von 150 Pfund auf die Gemeindesteuer für 80 Prozent der Haushalte. So will er der „Krise der Lebenshaltungskosten“ entgegenwirken.