Geopolitik: Nato-Erweiterung: Die Mär vom Vertragsbruch gegenüber Moskau
Großbritanniens Premier Tony Blair, US-Präsident Bill Clinton, Frankreichs Staatschef Jacques Chirac und Russlands Präsident Boris Jelzin unterzeichnen einen Vertrag.
Foto: HandelsblattBerlin. Es sind Worte wie aus einer anderen Welt, doch vor gut zwei Dekaden klang Wladimir Putin so. „Ich kann mir die Nato nur schwerlich als einen Feind vorstellen“, sagte Russlands Präsident, obwohl sich das nordatlantische Bündnis gerade nach Osten ausgedehnt hatte.
Polen, Ungarn und die Tschechische Republik waren ihm beigetreten, doch das beeinträchtigte Putins positive Stimmung nicht. Wie weit reichte seine Fantasie – etwa bis zu einer Nato-Mitgliedschaft des eigenen Landes? „Warum nicht, warum nicht ...“, bestätigte der Präsident selbst diese kühne Vision.
Das war im März 2000. Putin sprach die aus heutiger Sicht unvorstellbaren Sätze in einem Interview mit der britischen BBC. Heute sagt Putin, die Nato habe „Russland eingekreist“, sie missachte „russische Sicherheitsinteressen“. Nicht wenige Deutsche haben Verständnis für diese Haltung.
Wie Putin führen auch sie die verschärfte Ukrainekrise zumindest auch auf angeblich vernachlässigte russische Interessen zurück. Russland werde der gebührende Respekt verwehrt, beklagte etwa der mittlerweile zurückgetretene Chef der deutschen Marine Kay-Achim Schönbach.