Oligarchen-Heimat: EU-Land Zypern gerät durch die europäischen Sanktionen selbst in Bedrängnis
Das Land gilt als Steuer- und Geldwäscheparadies für Oligarchen.
Foto: dpaAthen. Von allen Staats- und Regierungschefs hatte der zyprische Präsident Nikos Anastasiades am Donnerstag die längste Anreise zum EU-Gipfel. Er war gerade auf Besuch in Dubai. Über sieben Stunden dauerte der Flug nach Brüssel. Viel Zeit für Anastasiades, sich auf ein für ihn besonders heikles Treffen vorzubereiten.
Die russische Invasion in der Ukraine bringt den Zyprer in einen Interessenkonflikt. Einerseits wird von ihm erwartet, dass er die EU-Sanktionen gegen Russland mitträgt – zumal Zypern ständig die Unterstützung der Europäer im Dauerkonflikt mit der Türkei einfordert.
Andererseits unterhält die Inselrepublik besonders enge Beziehungen zu Russland. Fast fünf Prozent der Einwohner der Inselrepublik sind Russen, darunter nicht wenige mit guten Kontakten zum Kreml. Russen stellen außerdem nach den Briten, den ehemaligen Kolonialherren Zyperns, die zweitmeisten Urlauber auf der Insel.
Gerade der konservative Anastasiades hat sich seit seinem Amtsantritt 2013 besonders intensiv um gute Beziehungen zu Wladimir Putin bemüht. Jetzt muss er prüfen lassen, ob Konten russischer Kunden bei den zyprischen Banken eingefroren werden, wie es die EU-Sanktionen in bestimmten Fällen vorsehen. Reiche Russen haben Gelder in zweistelliger Milliardenhöhe auf Zypern gebunkert. Darunter sind mutmaßlich auch Politiker und Oligarchen, die auf den Sanktionslisten stehen.