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KommentarDer Kremlherrscher kann sich der Loyalität seines Führungszirkels nicht mehr sicher sein

Europa und die USA haben in der Russlandkrise klar die Oberhand. Der Westen muss bei seiner klugen Linie der Abschreckung bleiben und sollte auf überhebliche Forderungen verzichten.Torsten Riecke 01.03.2022 - 09:40 Uhr Artikel anhören

Russische Medien und eine App zeigen den Präsidenten Wladimir Putin.

Foto: AP

Wo ist Stauffenberg? Diese Frage machte auf Twitter die Runde, nachdem Wladimir Putin die russischen Atomstreitkräfte in Alarmbereitschaft versetzt hatte. Dass der Kriegstreiber im Kreml die Erinnerung an den Hitler-Attentäter Graf von Stauffenberg wachruft, ist ebenso verständlich wie verstörend.

Nach der historischen Zeitenwende vom Wochenende haben Europa und die USA in der Russlandkrise klar die Oberhand. Putins Vormarsch stockt, die Sanktionen wirken, der Westen ist geschlossen wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr.

Jetzt kommt es darauf an, diesen strategischen Vorteil zu nutzen. Mit anderen Worten, Köpfchen ist jetzt wichtiger als kopflose Machtdemonstrationen. Jetzt ist die Stunde der Diplomatie. Deshalb sind die Friedensgespräche, die zwischen Kiew und Moskau begonnen haben, wichtig und richtig.

Den „Regime-Change“ in Moskau kann man sich zwar wünschen, erklärtes Ziel der Politik des Westens kann das im Moment jedoch ebenso wenig sein wie der Ruf nach einer Flugverbotszone in der Ukraine oder die Forderung nach einem Kriegsverbrechertribunal für Putin. Abschreckung und das vom Amerikaner George F. Kennan erdachte „Containment“ sind die richtigen Antworten auf Putins Aggression.

Europäer und Amerikaner sollten deshalb bei ihrer klugen Linie bleiben und weiterhin deutlich machen, dass sich die Sanktionen nicht gegen das russische Volk, sondern gegen Putin und seine Nomenklatura richten.

Der Kremlherrscher hat sich verkalkuliert und kann sich der bedingungslosen Loyalität seines engsten Führungszirkels nicht mehr sicher sein. Erste Oligarchen wie der Milliardär Michail Fridman fordern ein Ende der Kampfhandlungen.

Oligarchen üben erste Kritik an Putin

Immer mehr Russen protestieren auf der Straße gegen Putins Krieg. Dass der Widerstand in Russland gegen den Angriffskrieg auf die Ukraine Putin in absehbarer Zeit aus dem Kreml jagt, ist zwar unwahrscheinlich. Aber es verändert die Kalkulation des Tyrannen.

Sollten die Russen den Eindruck bekommen, sie bezahlen und leiden für den persönlichen Rachefeldzug eines weltfremden Herrschers, könnte es für Putin gefährlich werden. Es wäre töricht, dem russischen Kriegstreiber jetzt Munition für den Kampf um die Köpfe zu liefern und damit das Momentum des Widerstands zu stoppen.

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Der Westen kann kein Interesse an einer weiteren Eskalation des Konflikts mit Russland haben. Zwar ist Putins Drohung mit Atomwaffen Teil des Machtpokers. Doch wissen wir nicht, wie der Kremlchef auf den enormen finanziellen Druck reagiert, der sein Regime in eine Existenzkrise stürzen könnte. Ein Vergleich mit Stauffenberg ist auch deshalb wenig erbaulich, weil sein Attentat bekanntlich scheiterte.

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