Autobauer: Jahresbilanz von Volkswagen: Porsche schlägt wieder alle im Konzern
Elektrofertigung in der VW-Fabrik im sächsischen Zwickau: E-Modelle werden die Verbrennerfahrzeuge bald auch in anderen Volkswagen-Werken ablösen.
Foto: dpaWolfsburg. Porsche, Audi und die Leasingsparte VW Financial Services haben dem Volkswagen-Konzern trotz des anhaltenden Chipmangels das vergleichsweise gute Jahresergebnis für 2021 gesichert. Wie der Autohersteller am Dienstag mitteilte, können die drei ertragsstarken Konzerntöchter einen zweistelligen Milliardenbetrag auf das Konto der Wolfsburger Zentrale überweisen.
Für den gesamten Konzern hatte Volkswagen schon am Freitag die Jahreszahlen für 2021 vorgelegt. Der Umsatz ist im vergangenen Jahr um zwölf Prozent auf 250 Milliarden Euro gestiegen. Das Nettoergebnis nach Steuern liegt bei knapp 15,5 Milliarden Euro, was einem Plus von 75 Prozent entspricht. Die Aktionäre können als Konsequenz daraus mit einer deutlich gesteigerten Zahlung rechnen.
Sie sollen eine zum Vorjahr um 2,70 Euro höhere Dividende von 7,50 Euro je Stamm- und 7,56 Euro je Vorzugsaktie bekommen. Zugleich profitieren Aktionäre und das Unternehmen von einer deutlichen Senkung der Fixkosten. Konzernchef Herbert Diess sagte mit Blick auf den Ukrainekrieg, das Unternehmen habe seine Widerstandsfähigkeit in den vergangenen Jahren verbessert und werde auch diese Krise bewältigen. „Volkswagen hat seine Resilienz in den vergangenen Jahren unter Beweis gestellt“, betonte er.
Unter den Automarken bleibt Porsche der wichtigste Ertragsträger für den Konzern. Eine operative Rendite von 16,5 Prozent (Vorjahr: 15,4 Prozent) erreicht keine andere Tochtermarke von Volkswagen.
Der Stuttgarter Sportwagenhersteller ist im vergangenen Jahr auf einen operativen Ertrag von fünf Milliarden Euro gekommen, 2020 war es noch eine Milliarde weniger. Trotz fehlender Chips hat Porsche seinen Autoabsatz sogar um zehn Prozent steigern können und erstmals mehr als 300.000 Exemplare verkauft.
Porsche hat es bislang geschafft, seine hohe Ertragsstärke auch mit den neuen Elektromodellen zu halten. Daran hat das vollelektrische Modell Taycan einen ganz entscheidenden Anteil. Die Stuttgarter Konzern hat davon 2021 mehr als 40.000 Exemplare verkaufen können, ungefähr eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr. Porsche setzt die Elektrifizierung auch künftig fort, 2023 startet die Produktion des elektrischen SUV Macan.
An den Börsenplänen für Porsche hält Volkswagen fest. Finanzchef Arno Antlitz sagte am Dienstag, es werde weiterhin an einem möglichen Börsengang im vierten Quartal 2022 gearbeitet. „Wir sind überzeugt, dass eine potenzielle separate Börsennotiz der Porsche AG ein logischer nächster Schritt ist und großen Wert schaffen würde.“ In zwei bis drei Jahren könnte VW auch seine neue Batteriesparte an die Börse bringen, ergänzte Antlitz.
Vorrangige Belieferung mit Halbleitern
Dass Porsche im vergangenen Jahr wieder eine hohe Rendite erreicht hat, geht auch auf die vorrangige Belieferung mit Halbleitern zurück. Der Volkswagen-Konzern hat darauf geachtet, dass Premiummarken wie Porsche relativ gesehen mehr Chips bekommen haben. Grundsätzlich galt im vergangenen Jahr, dass alle Konzernmarken versucht haben, nach Möglichkeit teurere Modelle mit besserer Ausstattung zu verkaufen. Der VW-Konzern hat 2021 etwa 600.000 Fahrzeuge weniger verkauft als im Vorjahr; trotzdem ist dem Wolfsburger Autohersteller die deutliche Ertragssteigerung gelungen.
Auch in der aktuellen Situation gibt Volkswagen die verfügbaren Chips dorthin, wo sie jetzt verwendet werden können. Wegen des Krieges können ukrainische Zulieferer derzeit nur begrenzt Kabelbäume liefern, in deutschen VW-Werken ruht deshalb aktuell die Produktion. Die in Deutschland deshalb nicht benötigten Chips gibt Volkswagen an Standorte in den USA und in China weiter. VW-Konzernchef Herbert Diess sprach von 50.000 und 100.000 Halbleitern, die nun nach Übersee weitertransportiert würden.
Laden eines vollelektrischen Porsche-Taycan: Die Stuttgarter Volkswagen-Tochter kann ihre hohe Rendite auch mit E-Autos verteidigen.
Foto: BloombergAuch die Premiumtochter Audi hat im vergangenen Jahr davon profitiert, dass die Halbleiterversorgung noch einigermaßen verlässlich geblieben ist. Der Ingolstädter Autohersteller hat den operativen Gewinn von 2,7 auf 5,5 Milliarden Euro gesteigert, die operative Rendite hat sich von 5,5 auf 10,5 Prozent nahezu verdoppelt. Wie im Jahr zuvor hat die Premiumtochter 2021 wieder rund 1,7 Millionen Fahrzeuge absetzen können. Audi hat sich von der Dieselkrise wieder deutlich erholt und wird damit zu einem starken Ertragsbringer für den gesamten Konzern.
In Sachen Rendite fallen die klassischen Volumenmarken dann im Vergleich mit Porsche und Audi deutlich zurück – auch weil sie im vergangenen Jahr nicht vorrangig mit Halbleitern versorgt worden sind. Die Kernmarke Volkswagen Pkw hat das besonders getroffen, ihr weltweiter Absatz ist 2021 um acht Prozent auf 4,9 Millionen Fahrzeuge gefallen.
Die deutlich zurückgegangenen Verkaufszahlen führen dann bei VW Pkw zu einer niedrigen Rendite und einem entsprechend schwächeren operativen Ertrag. Die Rendite liegt bei 3,3 Prozent (Vorjahr: 0,6), der Gewinn aus dem operativen Geschäft bei 2,5 Milliarden Euro (0,5).
Trotzdem verzeichnet die Kernmarke einige Erfolge für das vergangene Jahr. „In Nord- und Südamerika sind uns wichtige Turnarounds gelungen“, sagte VW-Finanzvorstand Arno Antlitz. In beiden Regionen hat Volkswagen nach vielen verlustreichen Jahren erstmals wieder die Gewinnzone erreicht. Der Konzern hatte in beiden Regionen Amerikas Milliarden verloren. 2022 soll die Aufwärtsentwicklung weitergehen, Volkswagen hofft auf einige Hundert Millionen an Ertrag.
Skoda erzielt operativen Ertrag von einer Milliarde
Etwas besser als bei der Kernmarke VW Pkw sind die Geschäfte für die tschechische Tochter Skoda im vergangenen Jahr gelaufen. Der Autohersteller aus der Industriestadt Mlada Boleslav nördlich von Prag hat einen operativen Ertrag von einer Milliarde Euro geschafft (Vorjahr: 0,7 Milliarden), die Rendite ist von 4,4 auf 6,1 Prozent gestiegen. Seat in Spanien hingegen schreibt wieder rote Zahlen, für das vergangene Jahr liegt der Verlust bei gut 200 Millionen Euro.
Hinter der Finanz- und Leasingsparte VW Financial Services liegt ein außerordentliches Jahr. Die Braunschweiger Konzerntochter hat ihren operativen Gewinn von drei auf sechs Milliarden Euro verdoppelt, mit der Rendite ging es von 7,4 auf 13,8 Prozent nach oben.
Weltweit sind Neuwagen wegen fehlender Halbleiter knapp geworden, dadurch wächst zunehmend das Interesse an Gebrauchtfahrzeugen. Finanztöchter wie VW Financial Services profitieren davon stark, weil sie etwa bei Leasingrückläufern viel höhere Restwerte verbuchen können, als ursprünglich in der Bilanz standen. Volkswagen glaubt selbst nicht daran, dass die Finanztochter diese außerordentliche Entwicklung im laufenden Jahr fortsetzen kann.
Weniger erfolgreich läuft es für Volkswagen allerdings in China, dem eigentlich wichtigsten Markt des Konzerns. Dort verkaufen VW und die anderen Tochtermarken fast 40 Prozent aller ihrer Fahrzeuge. Das Betriebsergebnis der Joint-Venture-Gesellschaften in China sackte um 17 Prozent auf 3,0 Milliarden Euro ab. Grund dafür waren auch fehlende Halbleiter.
Volkswagen hat in China aber auch ein strukturelles Problem: Die neuen Elektroautos verkaufen sich dort nicht mehr so gut wie das bisherige Fahrzeugportfolio mit Verbrennungsmotoren. Außerdem gehen die Erträge dort seit Jahren zurück. In den Jahren 2014/15 hatte der Konzern in der Volksrepublik noch einen operativen Gewinn von 5,2 Milliarden Euro erreicht. Seitdem ist es kontinuierlich abwärtsgegangen: 4,4 Milliarden Euro waren es 2019, 3,6 Milliarden im ersten Corona-Jahr 2020.
Wie der gesamte deutsche Wertpapiermarkt gab auch die VW-Vorzugsaktie nach. Bis zum Mittag lag das Minus bei knapp zwei Prozent.