Michael Schöllhorn: „100 Milliarden Euro werden nicht ausreichen“ – Airbus-Rüstungschef wirbt für europäisches Luftabwehrsystem
„Wir werden dauerhaft zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Etat für unsere Sicherheit reservieren müssen.“
Foto: picture alliance/dpaBerlin. Deutschland denkt darüber nach, einen eigenen Raketenschutzschild nach dem Vorbild des israelischen „Iron Dome“ aufzubauen. Bundeskanzler Olaf Scholz hatte entsprechende Pläne am Sonntagabend in der Talksendung „Anne Will“ öffentlich gemacht. Im Gespräch ist die Anschaffung des israelischen Systems „Arrow 3“.
Bei der Luftabwehr sei Deutschland „ungenügend aufgestellt“, bestätigt Michael Schöllhorn, Chef von Airbus Defence and Space, im Interview mit dem Handelsblatt. Aus seiner Sicht könne aber auch Airbus die technologische Lösung liefern. Es habe hierzulande ein Entwicklungsprojekt mit dem Namen TLVS gegeben, um ein Nachfolgesystem für die amerikanischen Patriot-Raketen zu schaffen. „Das aber wurde auf Eis gelegt“, sagte Schöllhorn. „Bisher ist das nicht in den Planungen berücksichtigt, dabei bräuchten wir diese Fähigkeit dringend.“
Das TLVS oder Taktische Luftverteidigungssystem ist eine Entwicklung des oberbayerischen Herstellers MBDA und des US-Konzerns Lockheed Martin. 2020 hatte sich die Große Koalition aber gegen das Projekt entschieden.
Trotz der 100 Milliarden Euro, die Deutschland jetzt zusätzlich zum regulären Wehretat in die Verteidigung stecken will, sieht Schöllhorn die Notwendigkeit, die Effizienz auf der Beschaffungs- und der Industrieseite zu steigern. Ein einmaliges Investment werde ohnehin nicht ausreichen, betonte Schöllhorn: „Wir werden dauerhaft zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Etat für unsere Sicherheit reservieren müssen.“