Bondmarkt: Zwischen Emotion und Rendite – Fußball-Anleihen und die riskante Wette auf den sportlichen Erfolg
Der Zweitligist hat eine neue Anleihe aufgelegt, deren Zeichnungsfrist am Freitag endet.
Foto: dpaDüsseldorf. Im deutschen Profisport dominiert der Fußball. Am Kapitalmarkt spiegelt sich diese Popularität aber nicht wider: Trotz vieler Ansätze in der jüngeren Vergangenheit bleiben sowohl fußballbezogene Aktien als auch Anleihen ein Nischenprodukt.
Dabei wirken die Renditen gerade bei Anleihen auf den ersten Blick vielversprechend. In diesen Tagen ist es der FC Schalke 04, der für seine neue Unternehmensanleihe wirbt. 5,5 Prozent zahlen die Schalker den Zeichnern der Bonds. Dazu gibt es einen Bonus, falls demnächst der Aufstieg in die erste Bundesliga gelingt. Die Zeichnungsfrist endet am kommenden Freitag. Gleichwohl: Die hohe Rendite bildet auch hohe Risiken ab, mit denen Anleger kalkulieren müssen.
Bei Investments in Fußball-Anleihen wetten Anleger vereinfacht formuliert auf den sportlichen Erfolg eines Klubs, der wiederum die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit steuert. Geht der Ball also mal daneben statt ins Tor, kann sich das auch negativ aufs Depot auswirken.
Hinzu kommen die Folgen der Pandemie, die im Profifußball durch den Einbruch der Zuschauereinnahmen für eine stark angespannte Finanzlage gesorgt hat. So liegt die von Creditreform vergebene Bonität für den neuen Schalke-Bond wieder bei B– und damit tief im spekulativen Bereich. Der Blick in den aktuellen Wertpapierprospekt zeigt: Der Wiederaufstieg in Liga eins ist quasi Pflicht – und zwar möglichst schnell. Damit verbunden ist die Aussicht auf bessere Vermarktungschancen und deutlich höhere Erlöse.
Diverse deutsche Fußballklubs haben auf dem Anleihemarkt frisches Kapital eingesammelt – die Tendenz ist dabei steigend. Die Schalker platzieren bereits den fünften Bond. „Wir haben dort die Möglichkeit, eine ganz heterogene Zielgruppe anzusprechen“, sagt die Finanzvorständin Christina Rühl-Hamers. 2021 sammelte Schalke knapp neun Millionen Euro ein zu einem Zins von 5,75 Prozent. Nur wenige Wochen zuvor beschaffte sich Werder Bremen erstmals auf diesem Weg 17 Millionen Euro. Hier liegt der Kupon gar bei 6,5 Prozent.
Die Situation weist eine Reihe von Parallelen auf: Beide Vereine stiegen 2021 nach mehreren Jahrzehnten überraschend in die zweite Liga ab. Beide Klubs stecken tief in den roten Zahlen, weisen eine hohe Schuldenlast auf und müssen radikal sparen. Die Anleihe der Bremer entwickelte sich dabei wesentlich besser, lag seit Notierungsbeginn noch nicht unter dem Ausgabeniveau.
Um auch als Privatanleger zeichnen zu können, braucht es in der Regel nur ein Wertpapierdepot. Bei den beiden besagten Bonds lag die Mindestanlagesumme bei 1000 Euro. Der Blick auf den Kursverlauf unterstreicht aber auch: Investoren sollten kurzfristige Schwankungen gut aushalten können. Analyst Alexander Langhorst von GSC Research warnt: „Es kann zu höheren Volatilitäten beim Kurs der Anleihe kommen, als dies etwa bei Anleihen von Unternehmen mit einem gut kalkulierbaren Geschäftsmodell der Fall ist.“
Die wichtige Rolle der eigenen Fans
Doch für viele Zeichner von Fußballbonds steht die Rendite ohnehin nicht im Mittelpunkt. Ihre Motivation ist ein schwer messbarer, aber im Fußball enorm wichtiger Faktor: die Emotion. Sie wollen mit dem Kauf der Anleihe ihren Verein unterstützen – und sind sich womöglich nicht bewusst, dass sie ihr eingesetztes Kapital womöglich komplett verlieren.
„Fans akzeptieren Zinssätze, die das Risiko nicht hinreichend widerspiegeln, und verzichten mitunter auf die Rückzahlung der Anleihe“, sagt der Sportökonom Christoph Breuer von der Deutschen Sporthochschule Köln. „Dies reduziert die Gesamtkosten für den Verein.“
Im Allgemeinen lässt sich zwischen Unternehmens- und klassischen Fan-Anleihen differenzieren, wobei sich letztere ausschließlich an das Vereinsumfeld richten. Eine klare Grenze existiert nicht, da bei Unternehmensbonds zwar auch Profis adressiert werden, unterm Strich jedoch viele Private – oft eben Fans – das Produkt zeichnen.
Für Anleger gilt daher mehr denn je: Sie sollten nur Geld einsetzen, dessen Verlust sie verkraften können. Produkte dieser Art „eignen sich nur für risikoaffine Investoren, die auch mit den Gesetzmäßigkeiten des Fußballs vertraut sind“, sagt Langhorst. Für breitere Investorengruppen hingegen bescheinigt der Analyst „kein besonders attraktives Rendite-Risiko-Profil“ angesichts der kaum prognostizierbaren sportlichen Entwicklung.
Da Unternehmensanleihen im Allgemeinen an der Börse gehandelt werden, können Interessenten auch nach der Emission noch zugreifen. Anleger sollten sich aber bewusst sein: Der Handel in diesem Marktsegment ist wenig liquide. Darauf deutet etwa die vergleichsweise hohe Differenz zwischen Geld- und Briefkurs hin, ebenso die stark schwankenden und meist geringen Handelsumsätze auf verschiedenen Börsenplätzen.
Der Handel findet dabei überwiegend unter privaten Anlegern statt, wie das Beispiel der Anleihen von Schalke und Bremen zeigt: Der Großteil der Transaktionen wird auf den bei Privatanlegern beliebten Handelsplattformen Tradegate und Börse Stuttgart abgewickelt.