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CoronavirusSchwindender Schutz vor Ansteckung mit Omikron: Warum auch Geimpfte Covid-19-Symptome entwickeln

Selbst Geboosterte können bei einer Infektion mit dem Coronavirus krank werden. Was dahintersteckt und wieso eine Impfung dennoch zuverlässig vor einem schweren Verlauf schützt.Hauke Hohensee 12.04.2022 - 08:59 Uhr Quelle: TagesspiegelArtikel anhören

Offenbar reicht der Schutz der bisher verabreichten die bisher verwendeten Impfstoffe immer weniger aus, die typischen Covid-Symptome wie Husten, Schnupfen und Fieber zu vermeiden.

Foto: IMAGO/YAY Images

Berlin. Die Entwicklung der Coronafallzahlen in den vergangenen Wochen hat den einen oder anderen vermutlich ein wenig ins Grübeln gebracht. Denn betrachtet man die Anzahl der Menschen, die Symptome einer Infektion mit Sars-CoV-2 haben, sind die Unterschiede zwischen Ungeimpften, doppelt Geimpften und Geboosterten in der Statistik gering – zumindest in der zahlenmäßig größten Altersgruppe der 18- bis 59-Jährigen, in der sich die meisten anstecken.

Viele Menschen machen auch selbst die Erfahrung, dass Familienangehörige, Freunde und Kollegen trotz Mehrfach-Impfung erkranken. Mal mit nur milden Symptomen, mal aber auch mit ernsterem Krankheitsverlauf. Offenbar reicht der Schutz der bisher verwendeten Impfstoffe immer weniger aus, die typischen Covid-Symptome wie Husten, Schnupfen und Fieber zu vermeiden.

Von 100.000 Menschen erwischte es laut offiziellen Zahlen zuletzt zwischen 122 und 142, und zwar über alle Unterschiede im Impfstatus hinweg.

Ende des vergangenen Jahres sah das noch anders aus: Damals – mit dem Beginn der Booster-Kampagne in den Wintermonaten Oktober, November und Dezember – lag über mehrere Wochen hinweg die Inzidenz der symptomatischen Fälle unter den Ungeimpften bis zu achtmal so hoch wie unter den Geboosterten. Das geht aus den Wochenberichten des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor.

Seit Anfang Februar aber nähern sich beide Kurven kontinuierlich an. Mittlerweile liegen sie praktisch gleichauf. Doch wie kann das sein? Schützen die Impfstoffe nicht mehr, womöglich nicht einmal mehr vor schweren Krankheitsverläufen?

Die gute Nachricht gleich zu Beginn: Bislang gibt es keine Anzeichen dafür, dass es solch einen Trend zur Angleichung auch bei den Klinikeinweisungen oder gar den Todesfällen wegen Covid-19 gibt. Stattdessen zeigt die RKI-Statistik eindeutig: Insbesondere die Dreifach-Impfung schützt Menschen aller Altersgruppen noch immer zuverlässig vor einer Hospitalisierung, einem schweren Verlauf inklusive Intensivbehandlung oder gar dem Tod durch Covid-19.

Um zu verstehen, wie diese scheinbar widersprüchlichen Trends zustande kommen, muss man sich einmal etwas näher mit der Funktionsweise unseres körpereigenen Abwehrsystems befassen – und mit der Frage, wie eine Impfung dieses komplexe System beeinflusst.

„Mit einer Impfung versetzen wir zwei verschiedene Arme unseres Immunsystems in einen besseren Zustand, um zukünftige Infektionen besser beherrschen zu können“, sagt Reinhold Förster, Leiter des Instituts für Immunologie der Medizinischen Hochschule Hannover.

Die Immunabwehr ist ein Zusammenspiel mehrerer Zellen

Mit den beiden Armen sind damit die B-Zellen und die T-Zellen gemeint. Beide zählen zu den sogenannten Lymphozyten, einer Untergruppe der weißen Blutkörperchen. Ihre wichtigste Aufgabe besteht darin, Krankheitserreger abzuwehren. Dabei kommen ihnen jedoch unterschiedliche Rollen zu.

„Die B-Zellen sind dafür verantwortlich, dass wir Antikörper bilden“, sagt Förster. „Manche Antikörper wiederum blockieren bestimmte Strukturen der Viren, mit der diese in die Körperzellen eindringen.“ So könnten sie eine Infektion stoppen.

Ganz anders die T-Zellen: „Sie können eine Infektion mit dem Virus zwar nicht verhindern. Aber sie können Zellen, die mit dem Virus infiziert sind, abtöten, damit dort nicht noch mehr Virus produziert wird.“ Auf diese Weise verhindern die T-Zellen also, dass sich Krankheitserreger wie das Coronavirus nach einer Ansteckung ungehindert ausbreiten und den Körper immer weiter schwächen.

Die gegen das Coronavirus eingesetzten Impfstoffe haben beide Arme des Immunsystems gleichermaßen genutzt. Doch diese wurden gegen frühere Varianten des Virus entwickelt und verlieren durch das Aufkommen der nun dominierenden Omikron-Mutante allmählich ins Wanken, zumindest teilweise ihre Schutzwirkung.

Die Antikörper sind nur noch sehr eingeschränkt in der Lage, eine Infektion mit Omikron zu verhindern.
Reinhold Förster, Immunologe

Hauptgrund dafür sind die zahlreichen Mutationen am sogenannten Spike-Protein des Virus, dem Teil also, mit dem sich der Erreger Zugang zu den Zellen des Körpers verschafft. „Die Antikörper, die wir durch unseren Impfstoff hervorrufen, sind zum jetzigen Zeitpunkt nur noch sehr eingeschränkt in der Lage, eine Infektion von Zellen mit Omikron zu verhindern“, sagt Förster, der auch Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Immunologie ist. Die Antikörper passen nicht mehr perfekt zu dem Virus.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Zahl der Antikörper im Blut nach einer Impfung relativ schnell wieder absinkt. „Momentan gehen wir von einer Halbwertszeit von etwa acht Wochen aus. Das bedeutet, die Menge der Antikörper halbiert sich alle zwei Monate“, sagt Reinhold Förster. Gegen eine Infektion mit dem Virus sind Geimpfte also tatsächlich schon einige Monate nach ihrer letzten Impfung weniger geschützt.

Der Schutz vor schwerer Erkrankung bleibt bestehen

So weit, so unerfreulich. Wie wir bereits wissen, sind B-Zellen und Antikörper aber nur ein Arm des Immunsystems. Es gibt noch den zweiten, die T-Zellen, der die meisten Geimpften noch immer zuverlässig gegen schwere Krankheitsverläufe und Todesgefahr schützt. „Die T-Zellen sind nach wie vor sehr gut in der Lage, virusinfizierte Zellen abzutöten, auch im Fall von Omikron.“ So lässt sich in erster Linie auch erklären, warum Geimpfte seltener als Ungeimpfte schwer an Covid-19 erkranken. Ihr Immunsystem ist besser vorbereitet auf das, was da kommt.

Doch dieser Schutz vor schweren Erkrankungen ist ebenfalls nicht unendlich. Denn die Anzahl der T-Zellen sinkt mit der Zeit, wenn auch nicht so schnell wie die der Antikörper. Wie lang der Schutz am Ende tatsächlich besteht, sei momentan aber noch nicht hinreichend untersucht, sagt Förster.

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Das erklärt, wieso die Zahl der Erkrankten unter den Geimpften gestiegen ist. Doch auch von der anderen Seite nähern sich die Kurven an. Der Anteil der symptomatisch Infizierten unter den Ungeimpften sinkt also. Hintergrund ist eine Schwäche in der RKI-Statistik: Denn sie enthält keinerlei Aussage darüber, wie viele derjenigen Menschen, die in die Kategorie „Ungeimpft“ gezählt werden, in den vergangenen Monaten bereits eine Infektion durchgemacht und auf diesem Weg einen gewissen Immunschutz gegen das Coronavirus erworben haben. Und das dürften nicht wenige sein.

Offiziell liegt die Durchseuchung in der Bevölkerung – also der Anteil, der bereits infiziert war – aktuell bei rund einem Viertel. Förster geht davon aus, dass die Rate in Wirklichkeit sogar noch deutlich höher liegt: „Ich denke, real dürfte sie eher bei 50 Prozent liegen.“

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