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DigitalisierungFrische Fördergelder für die Gesundheitsämter

Das Bundesgesundheitsministerium stellt in den nächsten drei Jahren rund 428 Millionen Euro für die Digitalisierung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes zur Verfügung. Bevor Gesundheitsämter Geld erhalten, müssen sie den Grad ihrer Digitalisierung bewerten.Lukas Hoffmann 28.04.2022 - 07:40 Uhr Artikel anhören

428 Millionen will das BMG in die Digitalisierung investieren.

Foto: dpa

Köln. Gesundheitsämter sollen digitaler werden. Dafür gibt es eine neue Förderung vom Bund. Susanne Ozegowski, Digitalchefin beim Bundesgesundheitsministerium (BMG), hat auf einer Veranstaltung der Digital-Health-Messe DMEA auf ein neues Förderprogramm für den Öffentlichen Gesundheitsdienst hingewiesen.

428 Millionen hat das BMG in den nächsten drei Jahren für die Digitalisierung der Gesundheitsämter vorgesehen. Einen Förderleitfaden hat das BMG kürzlich unter dem Leitbild „Digitales Gesundheitsamt 2025“ veröffentlicht. Im Jahr 2024 soll es erneut Fördergelder geben.

220 Millionen Euro im Jahr 2022

Im Jahr 2020 stehen rund 220 Millionen Euro zur Verfügung, im Jahr 2023 etwa 157 Millionen Euro, im Jahr 2024 sind es noch 50 Millionen Euro. Davon profitiert auch die Industrie, denn Gesundheitsämtern ist es erlaubt, bestimmte Aufgaben auszulagern.

So können Landesbehörden oder Gesundheitsämter über die BMG-Förderung etwa Beratungsdienstleistungen bezahlen. Auch die Beschaffung und Einrichtung von Software und Hardware wird vom Bund bezahlt, ebenso wie Ausgaben für zu „erbringende Nachweise, wie etwa IT-Sicherheitstests.“

Die Ärztin Elke Bruns-Philipp vom Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes sieht vor allem einen Bedarf in einem verbesserten Datenfluss der Gesundheitsämter: „Die Gelder werden für eine bessere Ausstattung im Bereich Hardware, Software und IT-Betreuung eingesetzt, dort sind die Gesundheitsämter wegen mangelnder finanzieller und personeller Ressourcen oft nicht gut beziehungsweise nicht zeitgemäß aufgestellt“, schreibt sie Handelsblatt Inside.

Gelder gibt es sowohl auf kommunaler, aber auch auf Länderebene. So können „Modellprojekte“ eingereicht werden, dank derer Gesundheitsämter ihre Digitalisierung im Alleingang oder durch den Zusammenschluss mit anderen Ämtern verbessern. Zudem werden sogenannte „koordinierte Landesmaßnahmen“ gefördert, mit denen der Datenaustausch von allen Ämtern innerhalb eines Bundeslandes verbessert werden soll. In länderübergreifenden Maßnahmen sollen digitale Dienste entwickelt werden, die von mindestens zwei beteiligten Ländern eingeführt und angewendet werden.

Das Münchner Start-up Climedo arbeitet schon seit längerem mit Gesundheitsämtern zusammen. Sascha Ritz, Gründer des Start-ups, berichtet, dass die Mutter eines Mitarbeiters zu Beginn der Pandemie eine der ersten Kontaktpersonen war. „Sie wurde jeden Tag vom zuständigen Gesundheitsamt angerufen und nach ihren Symptomen gefragt.“

Climedo, eigentlich auf Software für klinische Studien spezialisiert, entwickelte eine Symptom-Tagebuch-Software für Gesundheitsämter. Mitarbeiter von Gesundheitsämtern müssen Betroffene nicht mehr anrufen, stattdessen füllen positiv Getestete und Kontaktpersonen einen digitalen Fragebogen auf ihrem Smartphone oder Computer aus. Die Gesundheitsämter sehen die Daten in einem Echtzeit-Dashboard.

Kunde war in diesem Fall das BMG selbst, es hat eine Lizenz für alle Gesundheitsämter Deutschlands eingekauft. Geld wollte er mit dem Symptomtagebuch ursprünglich gar nicht verdienen, berichtet Ritz. Inzwischen erwirtschaftet das Start-up mit der Anwendung aber ein Umsatzplus. Laut Unternehmen wird die Tagebuch-Software bereits von 150 Gesundheitsämtern verwendet. Ob Climedo mit dem neuen Finanzpaket des Bundes neue Produkte für Gesundheitsämter entwickelt, darf Ritz laut eigener Aussage aufgrund der Zusammenarbeit mit dem BMG Handelsblatt Inside nicht verraten.

Gesundheitsämter müssen Reifegrad messen

Im baden-württembergischen Calw hätten die Kollegen des Gesundheitsamts vor einigen Tagen erfahren, dass es das Förderprogramm des BMG gibt, meldet eine Sprecherin. „Es wird nun abgestimmt, welche Projekte kommen.“ In jedem Fall können sich die Mitarbeiter des Gesundheitsamts darauf einstellen, dass sie die digitale Reife ihres Amts bewerten müssen. Tun sie das nicht, bekommen sie kein Geld.

Ähnlich wie beim Krankenhauszukunftsgesetz, bei dem Kliniken die Digitalisierung im Haus messen, ist die Teilnahme an einer Reifegradmessung auch bei Gesundheitsämtern verpflichtend.

Den Verantwortlichen der Ämter soll es voraussichtlich ab Mai möglich sein, die Bewertung der Digitalisierung ihres Amtes durchzuführen, schreibt das BMG auf seiner Website. Es gibt acht verschiedene Bereiche, die bewertet werden. So wird etwa gefragt, wie die IT-Ausstattung der Arbeitsplätze ist oder ob es Software-Schulungen für Mitarbeiter gibt. Je nachdem, wie das Ergebnis ausfällt, lassen sich Maßnahmen ableiten, die dann vom Bund gefördert werden. Bei der Entwicklung neuer Digitalprojekte verweist das BMG auf der Website auch auf die Industrie: „Insbesondere Anbieter von IT-Dienstleistungen zur Digitalisierung der Gesundheitsämter können zu Rate gezogen werden.“

Bei der Umsetzung der Projekte müssen sich die Länder und Kommunen aber beeilen. Bis zum 1. August 2022 sollen die Projektanträge spätestens eingereicht werden. Wer bis zum 30. Juni seinen Antrag stellt, wird bevorzugt und erhält bis zum 1. August 2022 die Förderzusage, verspricht das BMG.

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