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BiotechunternehmenHohe Verluste, sinkende Reserven: Der Neustart von Curevac wird schwierig

Das gescheiterte Impfstoffprojekt hinterlässt mehr als 400 Millionen Euro Verlust. Curevac setzt auf eine neue Generation von mRNA-Impfstoffen – die noch viel Geduld und Kapital erfordern.Siegfried Hofmann 28.04.2022 - 16:50 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Nach dem Rückzieher von CVnCoV wegen vergleichsweise schwacher Wirksamkeit aus dem Zulassungsverfahren im vergangenen Jahr hatte Curevac mit seinem Partner GlaxoSmithKline die Entwicklung eines neuen Impfstoffs begonnen.

Foto: Reuters

Frankfurt. Nach dem Scheitern eines ersten Covid-Impfstoff-Kandidaten im vergangenen Jahr setzt die Tübinger Curevac nun darauf, neue, verbesserte Impfstoffkandidaten voranzubringen. Das Biotechunternehmen, an dem der Bund über die KfW mit rund 16 Prozent beteiligt ist, befindet sich mit diesen Produkten allerdings erst in der Anfangsphase der klinischen Tests. Curevac dürfte vorerst keine Chance haben, im Covid-Impfstoffgeschäft noch eine Rolle zu spielen.

Firmenchef Franz-Werner Haas demonstrierte am Donnerstag bei Vorlage der Geschäftszahlen für 2021 Zuversicht für die mittelfristigen Perspektiven. Er will Curevac als Akteur im Geschäft mit der neuartigen mRNA-Technologie stärken und sieht dafür drei Kernkompetenzen: eine breite Technologieplattform, eine solide Entwicklungspipeline und hochwertige Produktionskapazitäten.

Doch von Erfolgen, wie sie Konkurrent Biontech einfährt, sind die Tübinger weit entfernt. Biontech verbuchte dank hoher Covid-Impfstofferlöse im vorigen Jahr fast 19 Milliarden Euro Umsatz und 15 Milliarden Euro Gewinn vor Steuern. Curevac hingegen konnte wegen des Scheiterns des Impfstoff-Projekts keinerlei kommerzielle Erlöse erzielen.

Für 2021 weist Curevac einen Umsatz von 103 Millionen Euro und einen Vorsteuerverlust von 412 Millionen Euro aus, nach einem Fehlbetrag von 130 Millionen Euro im Vorjahr. Der ausgewiesene Umsatz ergab sich ausschließlich aus Zahlungen von Kooperationspartnern im Rahmen von Forschungsprojekten.

Das Scheitern beim Covid-Impfstoff wirkt sich auch auf die finanziellen Reserven des Unternehmens aus. Der Cash-Verbrauch lag im vierten Quartal bei etwa 240 Millionen Euro und dürfte sich im Gesamtjahr bei etwa einer Milliarde Euro bewegt haben. Verpflichtungen zur Rückerstattung aus einer Vorauszahlung der EU für Covid-Impfstoffe von 450 Millionen Euro konnte Curevac zwar abwenden. Gleiches gilt für ausgezahlte staatliche Forschungszuschüsse von knapp 200 Millionen Euro.

Doch sanken zum Jahresende 2021 die verfügbaren Cash-Reserven auf 812 Millionen Euro. Trotz des hohen Verbrauchs signalisiert das Curevac-Management Zuversicht, dass man mit den verbleibenden Mitteln vorerst planmäßig vorankommen kann. „Wir glauben, dass unsere solide Cash-Position zum Jahresende 2021 eine gute Grundlage bietet, um unsere Prioritäten im Jahr 2022 umzusetzen“, wird Finanzvorstand Pierre Kemula in der Mitteilung zum vierten Quartal zitiert.

Er setzt dabei offenbar darauf, dass 2022 erfolgsabhängige Zahlungen vom Kooperationspartner Glaxo-Smithkline (GSK) erfolgen. Im Analysten-Call äußerte er die Erwartung, dass die Finanzierung für die kommenden zwei Jahre gesichert sei.

Hoher Wertverlust an der Börse

Die Bedingungen für eine Refinanzierung über die Börse haben sich für Curevac mit den Kursverlusten der letzten Monate erheblich verschlechtert. In den vergangenen Tagen notierte die Aktie erstmals unter dem Emissionskurs von 16 Dollar, zu dem die Aktien im Sommer 2020 an der Nasdaq platziert wurden. Gegenüber dem Ausgabepreis von 90 Dollar bei einer Folgeplatzierung im Januar 2021 haben die Papiere inzwischen mehr als 80 Prozent an Wert verloren.

Am Donnerstagnachmittag gab die Aktie knapp ein Prozent auf 15,85 Dollar nach. Der Börsenwert sank damit auf 2,86 Milliarden Euro. In der Spitze hatte er 2021 fast 20 Milliarden erreicht.

Das Tübinger Unternehmen, das ebenso wie Biontech und Moderna auf mRNA basierte Impfstoffe setzt, wurde vor zwei Jahren noch als einer der aussichtsreichsten Covid-Impfstoff-Entwickler gehandelt und konnte die Euphorie im Sommer 2020 zu einem sehr erfolgreichen Börsengang an der Nasdaq nutzen. Am ersten Handelstag hatte sich der Kurs gegenüber dem Ausgabepreis nahezu verdreifacht.

Zuvor war der Bund über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit 300 Millionen Euro bei Curevac eingestiegen. Diese Beteiligung repräsentiert aktuell noch einen Anteil von rund 16 Prozent und, gemessen am aktuellen Börsenkurs, noch einen Wert von etwa 450 Millionen Euro.

Haupteigner ist weiterhin die Familie des SAP-Gründers Dietmar Hopp mit insgesamt etwa 46 Prozent Anteil. Der britische Pharmakonzern GSK, mit dem Curevac 2020 eine strategische Allianz zur Entwicklung von mRNA-Impfstoffen und -Medikamenten vereinbarte, hält rund acht Prozent des Kapitals.

Der primäre Impfstoff-Kandidat von Curevac hatte in der entscheidenden klinischen Studie deutlich schwächere Resultate als die Konkurrenzprodukte gezeigt. Mangels Aussicht auf eine Zulassung und einen Markterfolg zog Curevac daher den Zulassungsantrag für sein Vakzin im vergangenen Oktober zurück.

Im aktuellen Covid-Impfstoffgeschäft, das den Konkurrenten Biontech, Pfizer und Moderna im vergangenen Jahr Umsätze von mehr als 50 Milliarden Euro bescherte, spielt Curevac daher keinerlei Rolle. Nun konzentriert sich die Firma in Kooperation mit dem strategischen Partner GSK auf die Arbeiten an einem verbesserten Nachfolgeprodukt.

Neustart mit veränderter mRNA-Rezeptur

Das Scheitern des primären Impfstoffkandidaten zwang das Tübinger Unternehmen auch zu einem technologischen Neuanfang. Bei dem Nachfolgeprodukt Cv2CoV setzt Curevac auf eine neue mRNA-Rezeptur, die eine stärkere Immunreaktion gegen Sars-CoV-2 generieren soll und dies nach Angaben des Unternehmens im Tierversuch auch bestätigte.

Erste klinische Tests mit dem neuen Impfstoff sind jedoch erst vor vier Wochen, Ende März, angelaufen. Curevac und GSK wollen das Vakzin zunächst an gut 200 Versuchspersonen in den USA testen und dabei unter anderem die optimale Dosierung ermitteln. Größere klinische Tests dürften kaum vor Herbst möglich sein, eine mögliche Zulassung ist damit noch weit entfernt.

Curevac und GSK wollen mit dem Impfstoff eine Grundlage für weitere Vakzine schaffen, die auch gegen andere Infektionskrankheiten wirksam sind. Eine Phase-1-Studie mit einem potenziellen Grippeimpfstoff auf Basis der Technologie haben die beiden Unternehmen im Februar gestartet. Insgesamt hat das Unternehmen damit vier Projekte in der Anfangsphase der klinischen Tests.

Ebenso wie zuvor beim gescheiterten Covid-Vakzin setzt Curevac auch bei den neuen Produkten auf chemisch unmodifizierte mRNA und damit auf ein etwas anderes Konzept als die Konkurrenten Biontech und Moderna, die mit chemisch modifizierter mRNA arbeiten. Dabei wird einer der vier RNA-Bausteine durch eine leicht veränderte Variante ersetzt. Die so veränderte mRNA wird dadurch nicht so leicht vom Immunsystem abgefangen.

Experten führen die bessere Wirkung der Biontech- und Moderna-Impfstoffe vor allem auf diese Eigenschaft zurück. Curevac dagegen glaubt, dass man mit den eigenen unmodifizierten RNA-Konstrukten der zweiten Generation ähnlich hohe Wirkungsgrade erzielen kann, und dies bei geringeren Dosierungen. Darin bestätigt sehen sie sich durch positive Tierversuche, deren Resultate man im vergangenen Herbst präsentierte.

Klinische Studien sollen Leistungsfähigkeit bestätigen

mRNA ist ein Kettenmolekül, das den Code für die Produktion von Proteinen in die Zellen transportiert. Im Falle der Covid-Impfstoffe geht es um den Code für das Spike-Protein von Sars-CoV-2. Eine höhere Effektivität wird nach Einschätzung von Curevac durch spezielle Modifikationen am Anfang und am Ende der mRNA-Sequenz erreicht.

Curevac und GSK hoffen, mit den klinischen Studien die Leistungsfähigkeit des neuen mRNA-Konstrukts zu bestätigen und die neue Formulierung als Rückgrat für eine Vielzahl von künftigen mRNA-Impfstoffen nutzen zu können. Hoffnungen richten sich dabei insbesondere auch auf die Entwicklung von sogenannten „multivalenten“ Impfstoffen, die gegen mehrere Virusvarianten gleichzeitig wirken.

Auch in dieser Hinsicht meldeten die beiden Unternehmen jüngst positive Resultate im Tierversuch. Ob das Konzept wirklich trägt, werden jedoch erst größere klinische Studien bestätigen müssen.

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Zudem zeigen auch Curevac und GSK eine gewisse Unsicherheit mit Blick auf das richtige Impfstoffkonzept. Denn parallel zu den Tests mit den Impfstoffen auf Basis unmodifizierter mRNA wollen die beiden Unternehmen im Laufe des Jahres auch Varianten testen, die auf modifizierter RNA basieren.

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