Arbeitsmarkt: Einstellungsbereitschaft in deutschen Betrieben nähert sich Rekordniveau
Nach der pandemiebedingten Zwangspause fahren die Tourismusbranche und das Gastgewerbe ihr Personal wieder hoch.
Foto: dpaBerlin. Viele Betriebe in Deutschland versuchen derzeit, ihren pandemiebedingten Nachholbedarf bei der Neueinstellung von Arbeitskräften zu decken. Doch haben sie Schwierigkeiten, alle offenen Stellen zu besetzen. Darauf deutet das aktuelle Ifo-Beschäftigungsbarometer hin, das im Mai weiter auf 104,0 Zähler gestiegen ist – nach 102,8 Punkten im April.
Die Einstellungsbereitschaft nähert sich damit wieder dem Rekordniveau, das Anfang 2018 mit rund 105 Zählern erreicht worden war. „Die robuste Wirtschaftsentwicklung in Deutschland zeigt sich auch auf dem Arbeitsmarkt“, sagt Ifo-Forscher Klaus Wohlrabe. Das Barometer beruht auf den Beschäftigungsabsichten von rund 9000 Unternehmen und wird monatlich exklusiv für das Handelsblatt berechnet.
Die von Corona schwer getroffenen Branchen Tourismus und Gastgewerbe bemühen sich aktuell, ihre Mitarbeiterzahl wieder hochzufahren. Das ist ein Grund, warum der Teilindikator für den Dienstleistungssektor auf den höchsten Wert seit Oktober 2018 gestiegen ist.
Obwohl die Industrie weiter über Lieferkettenprobleme und gestiegene Energiepreise klagt, zeigen sich die Unternehmen einstellungsbereiter als im Vormonat. Vom im Februar dieses Jahres erreichten Höchststand ist der Teilindikator für das verarbeitende Gewerbe aber noch ein Stück entfernt. Eher gedämpft ist die Einstellungsbereitschaft momentan im Handel und im Bauhauptgewerbe.
Der große Bedarf der Unternehmen zeigt sich auch an der Zahl der offenen Stellen, die im ersten Quartal nach Zählung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mit gut 1,7 Millionen einen neuen Höchststand erreicht hat. Geeignete Bewerber zu finden ist zunehmend problematisch. „Der Fachkräftemangel bleibt hoch“, sagt Wohlrabe.
Das zeigt sich exemplarisch an der Fachkräftelücke in den sogenannten MINT-Berufen. Nach Angaben des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), das jeweils im Frühjahr und Herbst die Lücke berechnet, fehlten im April rechnerisch 320.600 Arbeitskräfte mit naturwissenschaftlich-technischer Qualifikation – ein neuer Rekordwert für die Frühjahrserhebung. Vor einem Jahr war die Fachkräftelücke mit 159.800 fehlenden Arbeitskräften nur halb so groß.
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Nach dem am Dienstag veröffentlichten Fachkräftebarometer der Förderbank KfW und des Ifo-Instituts, das zweimal jährlich erscheint, behinderte zu Beginn des zweiten Quartals der Fachkräftemangel die Geschäftstätigkeit von 44 Prozent der deutschen Unternehmen. Fachkräfte sind damit erheblich knapper als vor der Coronakrise. Im verarbeitenden Gewerbe beklagen rund 40 Prozent der Unternehmen einen Mangel an qualifiziertem Personal – so viele wie seit 30 Jahren nicht mehr.