US-Markt: Shortseller werden bei ETFs vorsichtiger – vor allem bei Nebenwerten
Hat der US-Markt schon das Ende der Korrektur erreicht?
Foto: APDüsseldorf. Profi-Anleger, die bei börsengehandelten Fonds (ETF) am US-Markt auf fallende Kurse setzen, gehen aktuell weniger aggressiv vor als noch im Mai. Zum 8. Juli eröffneten diese Shortseller auf Sicht von 30 Tagen nur neue Short-Wetten im Wert von drei Milliarden Dollar. Das geht aus einer Analyse des Finanzdatenanbieters S3 Partners hervor. Im Mai waren noch neue Wetten im Wert von 20 Milliarden Dollar eröffnet worden.
Diesen Trend gibt es auch bei Einzelwerten, bei ETFs ist die Aussagekraft aber stärker. Denn: „Institutionelle Investoren nutzen Short-Wetten auf ETFs als Absicherung fürs Portfolio“, schreiben die S3-Analysten Ihor Dusaniwsky und Matthew Unterman. Das gilt vor allem für ETFs auf den marktbreiten Leitindex S&P 500, den Nebenwerteindex Russel 2000 und den Technologieindex Nasdaq.
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Shortseller setzen mit sogenannten Leerverkäufen auf fallende Kurse. Entweder um sich gegen Kursrisiken abzusichern oder um direkt von fallenden Kursen zu profitieren. Dafür leihen sie sich Aktien und verkaufen diese sofort, um sie vor dem Rückgabetermin günstiger zurückzukaufen. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Rückkaufpreis ist der Gewinn.
Der Wert der Short-Wetten (Shortinteresse) ist am ETF-Markt auf Sicht von 30 Tagen um 17 Milliarden Dollar gesunken, von 255 Milliarden Dollar auf jetzt 241 Milliarden Dollar. Der Rückgang des Short-Interesses erklärt sich dadurch, dass es sich aus der Anzahl der geshorteten Anteile multipliziert mit dem aktuellen Kurs berechnet. Wenn die Kurse sinken, fällt also auch der Wert der Wetten. Da es neue Short-Wetten in Höhe von drei Milliarden Dollar gab, beträgt der Rückgang lediglich 14 Milliarden Dollar.
Weniger Wetten gegen Russell 2000, mehr gegen den S&P 500
Obwohl die Gewinne der Shortseller durch die sinkenden Kurse stiegen, eröffneten sie wenige neue Wetten. „Das deutet darauf hin, dass die ETF-Shortseller zufrieden damit sind, dass ihr Engagement sinkt, während die Märkte fallen. Entweder verringern sie ihre Absicherungen in den Portfolios oder sie reduzieren ihre Wetten auf fallende Kurse“, heißt es in der Analyse von S3.
So sank beim ETF auf den Nebenwerteindex Russell 2000 des Anbieters iShares der Wert der Short-Wetten um 1,9 Milliarden Dollar oder neun Prozent – und damit stärker als die Kurse, die sechs Prozent nachgaben. Es wurden also Wetten geschlossen. Ein Grund könnte sein, dass die Aktien kleiner Unternehmen sich in Zeiten steigender Zinsen tendenziell besser entwickeln als die großer Unternehmen.
Allerdings gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen ETFs. So wurden bei ETFs des Anbieters Standard & Poor’s auf den S&P 500 deutlich mehr neue Short-Positionen eröffnet. Der Wert der Wetten stieg dadurch trotz der Kursrückgänge von fünf Prozent um drei Milliarden Dollar.
Auch bei anderen klassischen Absicherungs-ETFs stieg das Short-Engagement weiter. Etwa beim „iShares $ Treasury Bond 20+yr UCITS ETF“, der in US-Staatsanleihen mit Laufzeiten von 20 Jahren und länger investiert, und beim „iShares iBoxx $ Investment Grade“, der in Unternehmensanleihen mit hoher Bonität investiert. Das bedeutet, dass die Profi-Anleger mit weiter steigenden Zinsen rechnen und mit höheren Risikoaufschlägen für Unternehmen.