Wahlkampfrede: Trump signalisiert Interesse an Präsidentschaft – und spaltet die Republikaner
Der ehemalige Präsident der USA zeigte Interesse an einer erneuten Kandidatur.
Foto: dpaNew York. Donald Trump liebt die große Bühne. Eineinhalb Stunden lang spricht er am Freitagabend auf einer Wahlkampf-Veranstaltung in Arizona. Und eigentlich ist alles wie früher. Der Republikaner teilt aus: gegen „radikale Linke“, gegen Nachfolger Joe Biden, die hohe Inflation, teure Spritpreise und „Fake-News-Medien“. Bis heute tut er so, als hätte man ihm seine Wahl gestohlen.
Trump ist in den Swingstate gereist, um für Kari Lake zu werben, seiner bevorzugten Kandidatin für den Gouverneursposten. Und um Stimmung zu machen für die kommenden großen Wahlen. „In diesem Jahr werden wir die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat zurückgewinnen“, poltert der 76-Jährige. „Und 2024 werden wir unser schönes White House zurückerobern.“
Es ist keine offizielle Ankündigung. Doch sein Auftritt gilt als weiteres Signal dafür, dass er eine erneute Kandidatur planen könnte. Damit ist auch das Rennen um die Zukunft der konservativen Partei in vollem Gang.
Pikanterweise war ebenfalls Mike Pence, Trumps damaliger Vizepräsident am Freitag für Wahlkampfveranstaltungen in Arizona. Pence unterstützt eine andere Kandidatin, Karrin Taylor Robson. Sie ist eine frühere Lobbyistin der Partei und Teil des Establishments, das sich von Trump abwendet.
Die Auftritte in dem Bundesstaat gelten als Vorbote für den sich abzeichnenden Richtungsstreit. „Dies ist der Kampf um die Seele der republikanischen Partei in Arizona“, sagt Barrett Marson, ein republikanischer Stratege gegenüber dem Nachrichtenportal „Politico“.
Vor über zwei Jahren waren die beiden noch Weggefährten. Nach dem Sturm aufs Kapitol wendete sich Pence von Trump ab.
Foto: APEs ist eine undurchsichtige Lage für beide Seiten. Trumps bevorzugte Kandidatin Kari Lake sieht sich „als Produkt der Neuen Rechten“, wie sie auf Twitter betont. Doch es muss sich zeigen, wie viel Rückhalt Trump landesweit noch haben wird.
Ein neues Buch schürt diese Diskussion gerade in Washington zusätzlich an. In „Thank you for your Servitude“ beschreibt Mark Leibovich, Reporter des Magazins „The Atlantic“, wie Republikaner, die Trump öffentlich unterstützen, hinter vorgehaltener Hand die Hoffnung aufzeigen, dass er nicht wieder antritt.
Noch am Donnerstagabend, zur besten Sendezeit, hatte der Untersuchungsausschuss zum Sturm aufs Capitol den damaligen Präsidenten schwer belastet. Trump ließ sich davon am Freitagabend nicht ablenken.
Auch Pence erwähnte die Anhörung nicht. Auch wenn die Nation noch am Vorabend verfolgen konnte, wie gefährdet seine eigene Sicherheit war und dass sich Geheimdienstmitarbeiter, die für seine Sicherheit verantwortlich waren, am 6. Januar schon mal vorsorglich von ihren Angehörigen verabschiedet haben.
Mike Pence sucht den Mittelweg
Gerade für Pence ist es schwierig, eine politische Linie zu finden. Als Trumps Vizepräsident will er teilhaben an dem, was Trump erreicht hat: gelockerte Regulierungsvorschriften, Steuern gesenkt, die strengere Einwanderungspolitik – damit muss Pence bei den Wählern punkten. Und er kann sich nicht nur auf die Stimmen des Establishments verlassen.
„Arizona und Amerika brauchen starke, erfahrene konservative Führungspersonen, die gegen die Biden-Harris-Regierung ankämpfen“, stellte Pence, 63, klar. Eine Umfrage des republikanischen Meinungsforschungsinstituts HighGround zeigt: Zwei Drittel der Wähler, die sich der konservativen Partei nahe fühlen, glauben, dass es bei der Präsidentschaftswahl „vermutlich“ oder „sicherlich“ nicht mit rechten Dingen zuging. Das ist nicht das Umfeld für Pence, sie vom Gegenteil zu überzeugen, glauben Strategen. Hinzu kommen andere republikanische Kandidaten, die sich für 2024 in Stellung bringen.
Für den ehemaligen US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, der ebenfalls nach Arizona gereist war, ist die Sache indes schon ausgemacht. „Wir sind hier, um den 45. und den 47. Präsidenten der Vereinigten Staaten zu feiern“, rief er in die Menge. „Wir alle wissen, dass wir Donald Trump zurück ins Weiße Haus bekommen müssen.“