Bilanzen: Zehn Milliarden Euro gestrichen: Dax-Konzerne schreiben Russland ab
Viele Unternehmen haben bereits hohe Summen auf ihr Russland-Geschäft abgeschrieben.
Foto: Daimler, Image, BASFDüsseldorf. Seit Beginn des Kriegs in der Ukraine im Februar haben deutsche Unternehmen mehr als zehn Milliarden Euro im Zusammenhang mit ihren Geschäften in Russland abgeschrieben. Das zeigt eine Bilanzanalyse des Handelsblatts. Die Konzerne erwarten, dass ihre Vermögen in Russland oder dem verbündeten Belarus, wie Sachanlagen, Forderungen, Verbindlichkeiten und Wertpapiere, keine Erträge mehr bringen und sich nicht mehr rechnen werden. Deshalb werden sie aus der Bilanz gestrichen.
So hat der Gasversorger Uniper zwei Milliarden Euro im Zusammenhang mit der Ostseepipeline Nord Stream 2 und der russischen Kraftwerkstochter Unipro abgeschrieben. Für das erste Halbjahr meldete Uniper einen Nettoverlust von zwölf Milliarden Euro. Weil Russland die Lieferungen drosselte, musste der Konzern Gas am Weltmarkt teuer einkaufen, um die eigenen Kunden zu beliefern – mit denen er selbst deutlich niedrigere Preisen vereinbart hatte. Uniper hat Hilfen beantragt und wird vom Staat gerettet.
Doch das dürfte erst der Anfang sein. „Nicht nur Uniper, sondern auch andere große Gesellschaften wie BASF sind in ihrer Risikoberichterstattung zu wenig auf das Großrisiko der russischen Gaslieferungen eingegangen und müssen nun für die Risikovorsorge schwierige Bilanzierungsfragen lösen“, sagt Christian Strenger, Direktor des Corporate Governance Instituts der Frankfurt School of Finance and Management.