Allianz: Vermögensverwalter AGI sucht Partner in China
Der geplante Einstieg am chinesischen Markt käme für die Allianz-Tochter AGI einer Neuausrichtung gleich. Doch bislang fehlt noch ein geeigneter chinesischer Partner.
Foto: IMAGO/MauersbergerMünchen. Die Allianz will neben dem Versicherungsgeschäft künftig auch mit der hauseigenen Vermögensverwaltung am chinesischen Markt aktiv werden. Dazu sucht die Vermögensverwaltungstochter Allianz Global Investors (AGI) einen lokalen Partner, wie das Handelsblatt aus dem Umfeld des Unternehmens erfuhr.
Denkbar ist dafür ein mögliches Joint Venture zum Vertrieb von Fondsprodukten mit einer chinesischen Bank, hieß es. Allerdings befänden sich die Gespräche in einem frühen Stadium. Zuerst hatte die Agentur Reuters über die Pläne berichtet.
Allianz-Chef Oliver Bäte hatte in den vergangenen Jahren immer wieder betont, welch große Wachstumschancen der Konzern am chinesischen Markt sieht. Im vergangenen Jahr erst übernahmen die Münchener die Lebensversicherungstochter Allianz China Life Insurance (AZCL) komplett.
Seit dem Jahr 2018 hielt man 49 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen mit dem lokalen Partner Citric Trust. Damit ist Allianz China Life Insurance der erste komplett selbstständige ausländische Lebensversicherer, der aus einer Partnerschaft mit einem einheimischen Partner entstand.
Damit solche Deals überhaupt möglich werden, braucht es unter chinesischen Regulatoren den Ruf, ein verlässlicher Partner zu sein, berichten Insider. Die Allianz ist bereits seit mehr als einem Jahrhundert im Reich der Mitte tätig und verfügt somit über eine lange Erfahrung.
Der Vermögensverwalter AGI hat seit Jahren ein Büro in Schanghai. Neben einem möglichen Partner in der Vermögensverwaltung ist jedoch noch völlig ungewiss, welche Produkte selbst bei einer Zustimmung der Behörden an welche Zielgruppe in China vertrieben werden dürften. Wer allerdings im Reich der Mitte mit wem Geschäfte betreiben darf, ist streng reglementiert.
Dazu vergibt die Regierung eine Vielzahl von Lizenzen für unterschiedlichste Teilbereiche. Welche und wie viele Lizenzen AGI möglicherweise in China erhalten könnte, ist zum jetzigen Standpunkt noch völlig offen und dürfte auch vom lokalen Partner abhängen.
Der Markt für Vermögensverwaltung dort wächst kräftig, Schätzungen gehen von einem Gesamtvolumen von 4,3 Billionen Dollar aus. Man könne es sich als großer Vermögensverwalter gar nicht mehr leisten, nicht in China am Markt tätig zu sein, heißt es aus dem Umfeld der Allianz.
Erst im Jahr 2019 hatte die Regierung in Peking die Möglichkeit für mehrheitlich von westlichen Vermögensverwaltern geführte Joint Ventures mit chinesischen Banken geschaffen. Seither versuchen bekannte Namen wie Blackrock oder Goldman Sachs ebenfalls, dort Fuß zu fassen.
Für die Allianz-Tochter AGI käme ein Einstieg am chinesischen Markt auch einer Neuausrichtung gleich, nachdem der Vermögensverwalter dem Allianz-Konzern in den beiden vergangenen beiden Jahren Milliardenschäden durch fehlgeschlagene Hedgefonds-Spekulationen in den USA eingebracht hat. Dort musste AGI inzwischen auf Weisung der Behörden das Geschäft einstellen. Rund ein Sechstel des verwalteten Vermögens brach damit weg. Zuletzt verwaltete AGI ein Vermögen von rund 578 Milliarden Euro.