Hohe Gaspreise: Wie die Energiekrise die deutsche Wirtschaft bedroht
Experten erwarten, dass der rapide Verlust an Wettbewerbsfähigkeit die deutsche Wirtschaft dauerhaft verändern könnte.
Foto: dpaDüsseldorf. Die deutsche Industrie gerät wegen der hohen Energiepreise und der aufziehenden Rezession immer weiter in Bedrängnis. Zahlreiche Industriebereiche reagieren mittlerweile mit Produktionskürzungen, um Gas und Strom einzusparen.
Das betrifft vor allem die energieintensiven Branchen, die flächendeckend die Produktion gedrosselt haben: die Stahlbranche um rund fünf Prozent, die Chemie um acht Prozent. Die Düngemittelbranche hat sogar 70 Prozent der Erzeugungskapazitäten in Deutschland zurückgefahren oder stillgelegt.
Experten erwarten, dass der rapide Verlust an Wettbewerbsfähigkeit die deutsche Wirtschaft dauerhaft verändern könnte. Oliver Falck, Leiter des Ifo-Zentrums für Industrieökonomik, sagte dem Handelsblatt: „Bleiben die Energiepreise langfristig so hoch wie derzeit, kann das dazu führen, dass sich einige Industrien aus Deutschland verabschieden.“
Hohe Energiekosten treffen Stahl- und Chemieindustrie sowie Düngemittel-Hersteller
Das betreffe insbesondere energieintensive Unternehmen etwa aus der Metallbranche, der Chemieindustrie, aber auch Grundstoffindustrien wie Öl, Glas, Keramik und Papier. Dabei hätten die betroffenen Branchen meist schon vor dem Ukrainekrieg unter Wettbewerbsnachteilen gelitten. Falck: „Die aktuelle Krise beschleunigt diesen Vorgang.“
Schon jetzt werden einzelne Werke unrentabel. So hat etwa der Stahlhersteller Arcelor-Mittal kürzlich in Deutschland zwei Anlagen bis auf Weiteres stillgelegt, weil sich die Produktion wegen der hohen Kosten nicht mehr rechnete, und bezieht stattdessen bestimmte Vorprodukte aus Standorten im Ausland.