Interview: Belarussische Oppositionsführerin: „Lukaschenko hat Putin beigebracht, dass Grausamkeit funktioniert“
Im Interview erzählt die Oppositionsführerin über die russische Mobilmachung, der Rolle von Belarus in diesem Krieg und von einer Zeit nach der Diktatur.
Foto: picture alliance/dpa/PA WireFrau Tichanowskaja, Alexander Lukaschenko hat erklärt, die belarussischen Truppen müssten in „höchster Alarmbereitschaft“ sein. Wird Belarus in den Krieg eintreten?
Tatsächlich war das zu Beginn, als russische Truppen von unserem Territorium aus die Ukraine angriffen, viel wahrscheinlicher.
Warum?
Lukaschenko setzte voll auf einen russischen Sieg und wäre vielleicht auch bereit gewesen, diesen Befehl zu geben. Unsere Soldaten befanden sich größtenteils in einem Informationsvakuum. Wir hatten Sorge, dass sie sich den russischen Truppen anschließen würden. Also versorgten wir sie mit Informationen. Es stellte sich aber heraus, dass unsere Armee gar nicht gegen die Ukraine kämpfen wollte. Wir Belarussen sehen die Ukraine als befreundete Nation. Außerdem wäre unser Militär gar nicht vorbereitet für eine Invasion. Es wird diesen Schritt nicht gehen, da bin ich mir sicher.
Dennoch wird die Frage jetzt, da Wladimir Putin in Russland die Mobilmachung ausgerufen hat, erneut diskutiert.
Ich glaube, dass Lukaschenko sich von einem Scheitern Russlands in diesem Krieg distanzieren will. Die demokratischen Staaten haben sich zusammengeschlossen, um die Ukraine zu unterstützen. Er hat keine Verbündeten mehr außer Putin – und umgekehrt.