Videobetreuung: Start-ups entwickeln Software für Hebammen
Hebammen halten immer mehr Beratungen im Videochat - doch gesetzliche Vorgaben beschränken sie dabei.
Foto: dpaKöln. Absagen gehören zum Alltag: „Hebammen in Großstädten müssen jede Woche bis zu 80 Frauen ablehnen – das ist alles sehr viel manuelle Arbeit“, sagt Victoria Engelhardt, CEO des Start-ups Keleya. In Kooperation mit dem Deutschen Hebammenverband hat das junge Unternehmen vor zweieinhalb Jahren die Plattform Ammely gestartet. Dort sollen auf der einen Seite Frauen leichter eine Betreuung finden. Auf der anderen Seite aber hilft das Portal den Hebammen: Sie können dort angeben, welche Leistungen sie anbieten und welche Kapazitäten sie rund um errechnete Geburtstermine haben.
Etwa 6000 Hebammen seien dort registriert, sagt Gründerin Engelhardt, das entspricht knapp einem Drittel der in Deutschland tätigen freiberuflichen Geburtshelferinnen. „Bei fast zwei von drei Anfragen finden Schwangere und Hebamme zusammen“, sagt Ursula Jahn-Zöhrens, im Präsidium des Deutschen Hebammenverbandes zuständig für den Freiberuflichenbereich.
Mit dem Angebot ist Ammely ein wichtiger Digitalisierungspartner für Hebammen – aber keineswegs der einzige. In den vergangenen Jahren haben neben etablierten Software-Anbietern – beispielsweise Abrechnungsdienstleister wie Hebrech – auch Start-ups den Nischenmarkt in den Blick genommen. Die Idee: Als eine Art kompaktes Spezial-SAP übernehmen sie Aufgaben, die Hebammen sonst im Arbeitsalltag analog erledigen. Zudem ergänzen Videotools seit der Pandemie die regelmäßige Betreuung. „Die Digitalisierung sorgt für eine Erleichterung des bürokratischen Aufwandes, macht die Terminfindung einfacher und verbessert die Kommunikation“, sagt Jahn-Zöhrens.