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Gastkommentar – Homo oeconomicusDurch Entlastungen in der Energiekrise droht eine Preis-Stimulus-Spirale

Eine übermäßig stimulierende Finanzpolitik ist eine Gefahr für die Inflationsbekämpfung, mahnt Lena Sellgren. Die Regierung müsse bei staatlichen Hilfen vorsichtig sein. 25.10.2022 - 15:11 Uhr Artikel anhören

Lena Sellgren ist Chefvolkswirtin von Business Sweden.

Foto: Business Sweden

Die anhaltende Inflation, steigende Zinsen und die Rezessionsgefahr lasten auf den Konjunkturprognosen. In Europa ist das Gespenst der Stagflation wieder aufgetaucht, da die steigenden Preise für Öl, Gas und Lebensmittel die Inflation weiter anheizen und gleichzeitig die wirtschaftliche Dynamik erlahmen lassen. Die Zentralbanken stehen vor einem Balanceakt, da sie die Leitzinsen anheben müssen, um die Inflation einzudämmen. Derzeit scheint die Geldpolitik auf dem richtigen Weg.

Dennoch schlagen Analysten zunehmend Stagflationsalarm, der an die Ölkrise in den 1970er-Jahren erinnert. Die Gefahr, dass es dauerhaft zu einer Kombination aus hoher Inflation und stagnierender Wirtschaft kommt, sollte jedoch nicht übertrieben werden. Die Arbeitslosigkeit ist weltweit immer noch relativ niedrig, und die Arbeitsmärkte zeigen sich robust.

In Europa, wo sich das Lohnwachstum nicht beschleunigt hat, ist die Gefahr einer inflationären Lohn-Preis-Spirale begrenzt. In den USA mit ihrer stärker dezentralisierten Lohnbildung sieht die Sache anders aus – dort sind die Löhne stark gestiegen.

Wir haben aus den 1970er-Jahren die Lehre gezogen, wie wichtig das Vertrauen in die Fähigkeit der Zentralbanken ist, die Inflationsziele einzuhalten. Eine weitere Lektion ist, dass vorübergehende Ölpreisspitzen weniger ins Gewicht fallen, als wir denken.

Aber die Auswirkungen der stark gestiegenen Gas- und Strompreise stoßen die Volkswirtschaften in unbekannte Gewässer. Werden sie von Dauer sein, oder werden sie wie der Ölpreis zurückgehen? Das hängt vom Angebot ab und davon, wie wirksam die Maßnahmen sind, mit denen die Nachfrage verringert und die Nutzung alternativer Energien gefördert werden soll.

Die Bundesregierung steckt Milliarden in die Entlastung der Bürgerinnen und Bürger.

Foto: AP

Sollten die Gaslieferungen nach Europa vollständig unterbrochen werden, könnte das extreme Auswirkungen haben. Staatliche Hilfen, die Haushalte und Unternehmen vor einem sprunghaften Anstieg der Gas- und Strompreise schützen sollen, können zwar die Preise auf Haushaltsebene kurzfristig drücken.

Politik darf die Wirkung der Zinserhöhungen nicht neutralisieren

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Aber wegen der durch die Hilfen erhöhten Kaufkraft könnten die Gelder langfristig den Inflationsdruck verstärken. So entsteht die Gefahr einer Preis-Stimulus-Spirale, bei der als Reaktion auf Preiserhöhungen zusätzliche Ausgaben für Entlastungen beschlossen werden. Dies würde die Preise weiter in die Höhe treiben und die Regierungen dazu veranlassen, noch mehr staatliche Hilfen zu beschließen.

Eine Finanzpolitik, die vor allem auf Stimulierung der Wirtschaft setzt, kann die Wirkung von Zinserhöhungen zur Bekämpfung der Inflation neutralisieren. In diesem Szenario gewinnt niemand, da die Zinssätze darin nur noch weiter angehoben werden müssen. Es droht also keine Lohn-Preis-, sondern eine Preis-Stimulus-Spirale.

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