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Erneuerbare EnergienBis zu 500 Millionen Euro Bewertung: Biogasproduzent Energielenker Green Energy steht zum Verkauf

Der Bedarf an Biogas zur Stromerzeugung und als Erdgasersatz ist hoch. Davon will das Unternehmen Energielenker Green Energy bei seinem geplanten Verkauf profitieren.Arno Schütze 26.10.2022 - 16:45 Uhr Artikel anhören

Erneuerbare Energien sind bei Investoren derzeit stark gefragt.

Foto: dpa

Frankfurt. Der norddeutsche Biogas- und Stromproduzent Energielenker Green Energy steht zum Verkauf. Die Muttergesellschaft Energielenker-Gruppe hat die Beratungs- und Wirtschaftsprüferfirma PwC beauftragt, einen Käufer zu finden. Das berichteten mit der Angelegenheit vertraute Personen dem Handelsblatt. Erste Gebote im „Projekt Greenlight“ genannten Verkaufsprozess seien Ende Oktober fällig.

Bei einem Deal könnte Energielenker Green Energy von den derzeit hohen Energiepreisen sowie dem wachsenden Interesse von Investoren an erneuerbaren Energien profitieren. Das Unternehmen könne daher mit 400 bis 500 Millionen Euro bewertet werden, hieß es.

Vor allem Finanzinvestoren seien interessiert daran, die Firma zu übernehmen und dann Geld für Investitionen zur Verfügung zu stellen, um vom erwarteten Nachfrageboom zu profitieren, berichten die Insider. Das Unternehmen bestätigte, für seine Biogassparte einen Investorenprozess initiiert zu haben. „Wir befinden uns hier jedoch noch ganz am Anfang“, erklärte eine Sprecherin. PwC lehnte eine Stellungnahme ab.

Energielenker zählt zu den größten Biogasproduzenten in Deutschland

Biogas entsteht bei der Zersetzung von Bioabfällen, Gülle oder Energiepflanzen unter Luftabschluss. Es lässt sich entweder zur Stromgewinnung verbrennen oder durch Abtrennung des Kohlendioxids und anderer Gase in Biomethan veredeln, das ins Erdgasnetz eingespeist werden kann.

Die von den Unternehmern Bernd Hugenroth und Tobias Dollberg gegründete Energielenker-Gruppe aus Münster berät Kommunen und Unternehmen bei Projekten in den Bereichen Photovoltaik, Elektromobilität, Biogas, Stadtentwicklung und Digitalisierung.

Gestartet war die Firma 2012 mit der Entwicklung und dem Betrieb von Blockheizkraftwerken, die Biomethan verbrennen. Mittlerweile ist sie einer der größten Betreiber von Biogas- und Biomethananlagen in Deutschland. Anfang 2021 erwarb der Bremer Investor FMC eine 75-prozentige Beteiligung.

Das Unternehmen stellt nun seinen Bestand von 45 in Betrieb befindlichen sowie zehn geplanten Biogasanlagen zum Verkauf. Die bestehenden Anlagen kommen Finanzkreisen zufolge zusammen auf eine Leistung von 60 Megawatt, wobei neun Anlagen flexibel an- und ausgeschaltet werden können. Dadurch können sie Strom gerade in den Spitzenverbrauchszeiten liefern, wenn die Preise am höchsten sind. Weitere zehn Anlagen können das Biogas durch Kohlendioxidabscheidung in Biomethan verwandeln.

Energielenker Green Energy erwartet Finanzkreisen zufolge für 2023 bei Erlösen von 120 Millionen Euro einen Betriebsgewinn (Ebitda) von 55 Millionen Euro. 2020 hatte das Unternehmen einen Umsatz von 72 Millionen ausgewiesen.

Einige mögliche Bieter halten die Gewinnerwartungen für ambitioniert und sehen eher 40 Millionen als realistisch an. Als Interessenten gelten Finanzinvestoren wie Antin, DIF, ICG oder I Squared. Für Wettbewerber wie die EnBW-Tochter VNG mit ihrer eigenen Biogasplattform seien zwar einzelne Standorte interessant, weniger aber die Gesamtfirma, hieß es.

Hohe Nachfrage nach Solar- und Windparks

Anbieter von Biogas-, Windkraft- und Solarfirmen profitieren derzeit von der hohen Nachfrage nach CO2-freier Energieerzeugung durch die staatlich vorangetriebene Energiewende. Bis 2030 will die Ampelregierung allein die Leistung deutscher Windräder auf See vervierfachen. In diesem Jahr wurden in Deutschland bereits der Solarparkentwickler Kronos an die portugiesische EDP verkauft und die Zolar GmbH an Investor Energy Impact Partners.

Einige weitere Deals sind derzeit in Vorbereitung. Der baden-württembergische Versorger EnBW hat Finanzkreisen zufolge einen 49-prozentigen Anteil an seinem bis zu zwei Milliarden Euro schweren, 900-Megawatt-Offshore-Windpark He Dreiht zum Verkauf gestellt. In diesem Monat waren Erstrundengebote fällig, vor Weihnachten werden finale Offerten erwartet.

Der spanische Energiekonzern Iberdrola hat Finanzkreisen zufolge eine Auktion für einen Anteil an seinem 500 Megawatt starken Offshore-Windpark Baltic Eagle gestartet. Anfang November sind die ersten Angebote fällig, wie mehrere mit der Transaktion vertraute Personen sagten. Iberdrola und EnBW lehnten Stellungnahmen ab.

Hören Sie hier unseren Podcast: Energiepreiskrise – Der Tod der deutschen Industrie?

In beiden Fällen sind vor allem Finanzinvestoren interessiert. Allerdings kommen auch die derzeit finanzstarken Ölkonzerne als Käufer in Betracht, die ihren Anlegern versprochen haben, stärker in erneuerbare Energien zu investieren.

Auch Industriekonzerne sichern sich ihren Energiebedarf bisweilen ab durch eigene Investments. So hatte BASF vergangenes Jahr Vattenfall einen 49,5-prozentigen Anteil am niederländischen 1500-Megawatt-Windpark Hollandse Kust Zuid abgekauft, die Hälfte dieser Beteiligung allerdings mittlerweile an die Allianz weitergereicht.

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In Deutschland bahnt sich zudem beim Windparkentwickler PNE ein Eigentümerwechsel an. Die Firma bestätigte vergangene Woche, dass 40-Prozent-Eigentümer Morgan Stanley mit potenziellen Käufern des Anteils spreche.

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