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EnergieversorgungSteag-Eigentümer beschließen Aufspaltung des Stromproduzenten

Der Kraftwerksbetreiber wird in einen „grünen“ und einen „schwarzen“ Bereich aufgeteilt. Das soll Steag im anstehenden Verkaufsprozess attraktiver machen.Arno Schütze 26.10.2022 - 09:10 Uhr Artikel anhören

Das Kraftwerk mit 726 Megawatt Leistung im Saarland ist das größte von Steag in Deutschland

Foto: dpa

Frankfurt. Die Eigentümer des Stromproduzenten Steag haben eine Aufspaltung in einen „grünen“ und einen „schwarzen“ Bereich beschlossen, wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfuhr. Die Gesellschafterversammlung fasste den Angaben zufolge am Montag die entsprechende Entscheidung, die den anstehenden Verkauf erleichtern soll.

Viele Investoren sind zwar an den Steag-Aktivitäten bei erneuerbaren Energien, den „grünen“ Bereich, interessiert, nicht jedoch am traditionellen Kerngeschäft, der „schwarzen“ Steinkohleverstromung. Dem Beschluss sollen intensive Auseinandersetzungen mit Arbeitnehmervertretern vorausgegangen sein. Die Steag-Eigner lehnten Stellungnahmen ab. „Wir begrüßen, dass die erforderlichen Gremienbeschlüsse gefasst sind und dass das Projekt Sunrise planmäßig fortgesetzt werden kann“, sagte ein Unternehmenssprecher. Das „Projekt Sunrise“ steht für Aufteilung und Verkauf der Steag.

Mit der Aufspaltung ist eine wichtige Weiche für den beginnenden Verkaufsprozess gestellt. In diesem erwarten die kommunalen Eigentümer des Unternehmens – die Städte Dortmund, Essen, Bochum, Duisburg, Oberhausen und Dinslaken – Ende März oder Anfang April erste Gebote. Die Steag könnte dabei Finanzkreisen zufolge mit zwei bis drei Milliarden Euro bewertet werden.

Kohlekraftwerke der Steag sind hochprofitabel

Die Städte haben sich darauf geeinigt, die Steag zwar als Ganzes an den Markt zu bringen, jedoch die beiden Bereiche rechtlich zu trennen, sodass Käufer sie als einzelne Firmen fortführen könnten. Das ist nicht zuletzt deshalb wichtig, weil viele Investoren strenge Nachhaltigkeitsrichtlinien haben, die Investments in fossile Energieträger erschweren. Zudem lassen sich Bankfinanzierungen für Windkraft- und Solaranlagen zwar leicht bekommen, nicht jedoch für die momentan profitablen, langfristig aber unattraktiven Kohlekraftwerke.

Die Steag-Eigentümer hoffen, dass das Unternehmen noch länger von den infolge des Ukrainekriegs in die Höhe geschossenen Strompreisen profitiert und sich die Kohleaktivitäten somit selbst finanzieren. Im derzeitigen Umfeld sind sie höchst profitabel. Für das laufende Jahr erwartet Steag ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 963 Millionen Euro, was rund 800 Millionen über dem ursprünglichen Wirtschaftsplan liegt.

Das Unternehmen hat in großem Stil stillgelegte Kraftwerke zurück ans Netz gebracht oder solche weiterlaufen lassen, die kurz vor der Stilllegung standen. Die an den Markt zurückkehrenden oder weiterbetriebenen Anlagen in Bexbach, Weiher, Bergkamen und Völklingen haben zusammen eine Leistung von 2,500 Megawatt.

„Unsere Kraftwerke können rechnerisch etwa ein Drittel des 2021 in Gaskraftwerken erzeugten Stroms ersetzen“, sagt Ralf Schiele, Steag-Geschäftsführer Markt und Technik, kürzlich. Das entspreche nicht ganz vier Prozent der im vergangenen Jahr in Deutschland insgesamt erzeugten Strommenge. Ein Weiterbetrieb der Kohleaktivitäten über das Jahr 2031 hinaus, in dem sie eigentlich enden sollten, gilt als möglich, wie Unternehmensinsider sagen.

Die Lage ist heute eine völlig andere als vor einem Jahr. Ende 2021 hatte sich die lange Zeit Verluste schreibende Steag mit ihren Gläubigerbanken auf eine Restrukturierung geeinigt. Teil der Vereinbarung ist ein Verkauf des Unternehmens bis Ende kommenden Jahres. Über den richtigen Kurs dabei haben sich die Eigentümer allerdings zerstritten, wobei 36-Prozent-Eigner Dortmund gegen die anderen fünf Kommunen steht.

Neuer Kandidat für den Aufsichtsratsvorsitz

Der Zwist forderte vor Kurzem ein personelles Opfer: Der von Dortmund unterstützte Steag-Aufsichtsratschef Gerhard Jochum trat zurück. Kandidat für die Nachfolge an der Spitze des Gremiums ist Dietmar Spohn von den Stadtwerken Bochum. Eine Wahl ist für Mitte November geplant.

Der Vertrag des in die Kritik geratenen, von den Banken eingesetzten Sanierungsgeschäftsführers Ralf Schmitz soll nun aller Voraussicht nach verlängert werden, hieß es in Unternehmenskreisen. Er läuft im Januar aus.

Der Streit über Führungspersonal und Struktur des Verkaufs hatte laut Finanzkreisen bei möglichen Bietern für Verunsicherung gesorgt. Erste Sondierungsgespräche hat die Steag bereits mit dem tschechischen Investor EPH geführt, der 2016 das Braunkohlegeschäft von Vattenfall in Ostdeutschland gekauft hatte, sowie mit dem weiterhin stark auf Kohle setzenden tschechischen Versorger CEZ.

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Angesprochen wurden aber auch rund zwei Dutzend Infrastrukturinvestoren, etwa Macquarie, Brookfield und IFM. Bei einigen davon stehen Kohle-Engagements aus ökologischen Gesichtspunkten auf den Index. Sie könnten aber alles kaufen, den „grünen“ Teil behalten und den „schwarzen“ Teil entweder für einige Jahre noch selbst weiterbetreiben oder verkaufen, so die Hoffnung mancher Steag-Eigentümer.

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