Kunsthandel: Töne in Bildern festgehalten
Die sparsame Komposition und das Kolorit machen den Reiz des kleinen Ölbildes von 1907 aus. Quelle: Galerie Arnoldi-Livie
Foto: HandelsblattMünchen. Auf den Ton kommt es nicht allein in der Musik an. Auch in der bildenden Kunst ist es oftmals das Arrangement, das dem Betrachtenden einen Mehrwert schenkt. Das erfährt, wer die aktuelle Themenausstellung der Galerie Arnoldi-Livie in München besucht.
Unter dem Titel „Musik – Komponisten, Dirigenten, Musikanten“ huldigen Zeichnungen voller Überraschungen, Alte Meister, eine Impressionistin und ein Bildhauer dem Thema (bis mindestens 24. November).
Von winterlicher Mühsal auf dem Land, vielleicht am Niederrhein, erzählt Carl Maria Plückebaum. An der Düsseldorfer Akademie ausgebildet, schildert der Maler 1907 die Heimkehr von vier Musikern, die knöcheltief im Schnee versinken. Die sparsame Komposition und die Halbtöne machen den Reiz des kleinen Ölbildes aus. Es notiert mit 5.500 auf der Verkaufsliste.
Von Plückebaum ist der Satz überliefert: „Weil das Leben oft so grob ist, wollen wir, wenn wir Kunst machen, uns die Welt so aufbauen, als ob es der Himmel selber wäre.“ Und so erzählt er quasi nebenbei von der guten Unterhaltung mit dem Pauker und von der zufriedenen Selbstvergessenheit des Bassisten.
Das Hören eines Philharmoniker-Konzerts 1892 in Berlin schildert die wenig bekannte Malerin Martha Dehrmann mit impressionistisch aufgerautem Pinsel. Über Bläser und Streicher hinweg, schaut die Betrachterin mit ihr dem Dirigenten Hans von Bülow ins Gesicht. Der wiederum gibt der expressiven Pianistin den Einsatz. Darum herum Konzertgänger, die nach innen blicken und lauschen. 15.000 Euro soll das Kleinformat über die Kunst des Zuhörens kosten.
Erich Ohser fetzt die knorrige Gestalt von Karl Valentin, wie er Trompete spielt, mit lockerem Strich hin. 4.800 Euro werden für die Zeichnung von 1929 erwartet. Wer den Zeichner und Grafiker Ohser nicht kennt, kennt vielleicht aber doch seine berühmten Comicstrips „Vater und Sohn“. Diese erfolgreichen Bilderzählungen hat er unter dem Pseudonym e.o. plauen ab 1934 publiziert. Als Ohsers Einstellung gegen Hitler 1944 bekannt und er verhaftet wurde, erhängte sich der verratene Vogtländer.
Bilder von romantischer Hausmusik bringen wieder versöhnlichere Töne in die Ausstellung, die während der Laufzeit der Kunstmessen „Munich Highlights„ und der 101. „Kunst & Antiquitäten„ eröffnet hat. Denn die vor 50 Jahren gegründete Galerie von Angelika Arnoldi und Bruce Livie liegt in der Galeriestraße 2B genau zwischen beiden Messen am Hofgarten.
Mit den Qualitätsschwankungen der Highlights und anderem nicht einverstanden, haben sich die einstigen Gründungsmitglieder der Highlights als Boutiquemesse rund um die Briennerstraße von der Gemeinschaftsveranstaltung verabschiedet. Seit Längerem schon lädt das Ehepaar zu attraktiven Schauen auch die Messeflaneure in die eigenen Räume ein.
Musik. Komponisten, Dirigenten, Musikanten
Sonderausstellung in der Galerie Arnoldi Livie
Galeriestraße 2b am Hofgarten
80539 München
Telefon: +49 89 22 59 20