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Münchner HerbstmessenAntiquitätenhandel im Haus der Kunst: Auf der Jagd nach dem Besonderen

Wer die Geschichten hinter der Kunst schätzt, darf die Messe „Kunst & Antiquitäten“ in München nicht verpassen. Ein Rundgang, der die Augen öffnet.Susanne Schreiber 18.10.2022 - 10:53 Uhr Artikel anhören

Besucher der Messe „Kunst & Antiquitäten“ finden bei Herold Neupert Reisebesteck aus dem 18. Jahrhundert in verschiedenen Ausführungen.

Foto: Bernd Degner

München. Antike Objekte verstehen sich auf das Storytelling. Sie sind so bizarr, dass sie als Hingucker dienen oder als Gesprächsstoff an einer Tafelrunde mit Unbekannten. Wer Kunst und Antiquitäten kauft, entkommt der Gleichförmigkeit der Massenware. Perfekte Jagdgründe sind die nur mehr 41 Messestände auf der 101. „Kunst & Antiquitäten“ in München. Im Westflügel im Haus der Kunst läuft sie noch bis Sonntagabend.

Als Vereinsmesse organisiert, ist ihre Präsentation eher funktional als üppig. Dafür sind die Preise so gestaltet, dass für jeden Geldbeutel etwas Originelles dabei ist. Die Kunst & Antiquitäten ist die einzige Messe in München, die auch alpenländische Volkskunst bietet. Da sind für Individualisten – keineswegs nur aus Bayern – erstaunliche Entdeckungen möglich.

Herold Neupert etwa verfügt über verschiedene Ausführungen von sogenanntem Fuhrmanns- oder Reisebesteck. Wer im 18. Jahrhundert ein Gasthaus aufsuchte, brachte sein eigenes Messer samt Gabel mit. Ein mit Silbergravur und Elfenbein-Einlage verfeinertes Set, wohl von einem Landadeligen, kostet 1800 Euro.

Ein Ensemble von 1804 hat neben Messer und Gabel auch eine Ahle im Lederetui stecken. Sie diente dem Reisenden mit ihrem geriffelten Schaft zum Schärfen der Messer und mit ihrer Öse zum Flicken des Zaumzeugs. Mit Drudenzeichen zur Unheilabwehr geschmückt, soll das Dreierset 950 Euro kosten. Wer so ein Besteck heute im Restaurant auspackt, kann sich vieler Blick sicher sein.

Pachmann Antik breitet Volkskunst an einem schön gestalteten Stand aus. Eine Rarität ist ein großer „Microintagli“-Kranz von Antonio Bonini. Der Bildhauer aus der Gegend von Bologna hat es vor 1700 verstanden, Blüten und Blätter hauchdünn aus Silberpappelholz zu schnitzen. Täuschend echt.

Auf den Fornasetti-Sekretär aus den 1980er-Jahren applizierte der italienische Designer Schwarzweiß-Grafiken von Architektur und Städten.

Foto: Thorsten Jordan für Kunsthandel Brigitte Martini

Doch der Clou sind zahlreiche, oft versteckte Reliefszenen von Seeschlachten, Jagdabenteuern und fratzenhaften Ungeheuern im Hintergrund. Theatralischer Barock vom Feinsten; gemacht für Menschen, die sich lange ein Kunstwerk ansehen können. Das, was in einem Altmeisterbild die Stationen einer ausführlich erzählten Story sein können, sind hier die vielen Reliefszenen. Ein Meisterwerk, das für 45.000 Euro in neue Hände übergeht.

Erinnerungsstücke an die Grand Tour, die Bildungsreise nach Italien im 18. Und 19. Jahrhundert, hat die Galerie Viktor Puch ausgestellt. Eine große Dionysos-Büste in Bronze aus Neapel zeigt den Gott des Weines und der Ausschweifung nachdenklich in sich gekehrt (15.000 Euro). Ein „Herkules Farnese“ als Tischskulptur ist ein weiteres der klassischen Souvenirs, die sich Italienreisende gern mit nach Hause nahmen.

Überraschend ist eine kleine Jugendstil-Musikantin von Louis Hottot, gleichfalls aus Bronze. Sie besticht nicht nur durch verschiedene sorgfältig abgesetzte Oberflächenstrukturen. Der Sammler kann auch ihr Schleiergewand und ihren Kopfputz abnehmen. Weil solche mehrteiligen Skulpturen äußerst selten sind, liegt ihr Preis bei 5000 Euro.

„Kunst & Antiquitäten“ in München

Auftakt im Haus der Kunst: Entdeckungen an 49 Messeständen

Eine kühne, geschmackssichere Kombination von Alt und Neu ist ein Fornasetti-Sekretär aus den 1980er-Jahren. Der italienische Designer hat Schwarzweiß-Grafik von Architektur und Städten auf die Schrankflächen appliziert. Das leicht wirkende Möbel soll bei Brigitte Martini 25.000 Euro kosten.

Biedermeier-Möbel präsentiert Dr. Tilman Roatzsch, Schränke und Kommoden aus dem Barock der Kunsthandel Schmitz-Avila. Silber und Schmuck finden sich in reicher Auswahl. Gemälde der Moderne breitet das Kunsthaus Bühler aus, Chiemsee-Romantik die Galerie Gabelsberg, Asiatika in jeder Größe die Galerie Peter Hardt.

Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien hat die Aussteller im Rahmen des Programms „Neustart Kultur“ gefördert. Ein kluger Zug, denn so bleiben Kultur und Geschichte erhalten und fördern Individualität und Diversität.

„Kunst & Antiquitäten“, bis 23. Oktober 2022, Westflügel im Haus der Kunst, München, täglich 11 bis 19 Uhr

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