Ukraine-Krieg: „Sie nennen Menschen Fleisch“ – Putins Soldaten beschweren sich immer häufiger über die Führung
Berichte von Soldaten legen nahe, dass Kommandeure Verletzungen ihrer Soldaten verheimlichen, um nicht dafür verantwortlich gemacht zu werden.
Foto: dpaBerlin. „Sie nennen Menschen Fleisch.“ Mit diesen Worten richteten sich kürzlich Überlebende der 155. russischen Marineinfanteribrigade wütend an den Gouverneur ihrer Heimatregion. 300 Kameraden seien in nur vier Tagen bei einem sinnlosen und schlecht geplanten Angriff in der Ukraine gestorben, schreiben sie in dem Brief, der Anfang November öffentlich wurde.
Die Soldaten seien für die Kommandeure nur Kanonenfutter, heißt es weiter in dem Schreiben, das auch in Russland für Aufsehen sorgte. Und mehr noch: Ihre Vorgesetzten sollen Berichte gefälscht und die tatsächliche Zahl der Gefallenen verheimlicht haben. Der Grund, den die Soldaten vermuten: die Hoffnung ihrer Befehlshaber auf Boni und Medaillen.
Unabhängig verifizieren lassen sich die in dem Brief erhobenen Anschuldigungen nicht. Doch die beschriebenen Ereignisse und Vorwürfe erscheinen plausibel. Denn die Geschichte der 155. Marineinfanteriebrigade ist nicht die einzige, die ein Schlaglicht auf eine desaströse Militärführung Russlands im Ukrainekrieg wirft.
Erst kürzlich wurde ein Augenzeugenbericht eines russischen Rekruten öffentlich, der beobachtet haben will, wie ein Militärgeneral einen Kommandeur mit einer Pistole bedrohte und ihn zwang, seine Soldaten in den ukrainischen Granatenhagel nahe der Stadt Swatowe zu schicken.