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Deutsche BahnBahn-Aufsichtsrat stellt Weichen für Schenker-Verkauf

Der Vorstand soll eine Trennung von der Logistiktochter vorbereiten. Das Ziel der Bahn-Kontrolleure beim Verkaufspreis dürfte momentan aber nur schwer zu erreichen sein.Jens Koenen, Arno Schütze 07.12.2022 - 16:21 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der Bund als Eigentümer der Deutschen Bahn stellt die Weichen für einen Verkauf der Logistiktochter.

Foto: Volkswagen AG

Frankfurt. Nächster Trippelschritt beim geplanten Verkauf der Bahn-Tochter DB Schenker. Am Mittwoch kommender Woche wird der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn den Vorstand aller Voraussicht nach damit beauftragen, einen Verkauf von bis zu 100 Prozent der Anteile an der Logistiktochter vorzubereiten. Das geht aus Unterlagen für die Sitzung des Kontrollgremiums am 15. Dezember hervor.

Ein Beschluss, dass Schenker tatsächlich verkauft wird, werde aber nicht fallen, ist im Umfeld des Kontrollgremiums zu hören. Eine Sprecherin der Deutschen Bahn wollte sich zu den Informationen auf Anfrage nicht äußern: „Aufsichtsratsunterlagen kommentieren wir grundsätzlich nicht. Es gibt derzeit keine Entscheidung über einen Verkauf von DB Schenker.“

Im September hatte sich die Regierung grundsätzlich auf einen Verkauf von Schenker geeinigt. Die Deutsche Bahn ist hochverschuldet, der Staatskonzern muss aber gleichzeitig das marode Schienennetz ertüchtigen. Entsprechend begründet das Kontrollgremium seinen Auftrag an den Vorstand. So wird darauf verwiesen, dass die Deutsche Bahn vorrangig die Schiene stärken und mehr Verkehr von der Straße auf die Gleise bringen soll. Dazu müsse wiederum die Infrastruktur ausgebaut werden.

DB Schenker zahlt in den Augen der Kontrolleure auf diese Strategie nicht direkt ein. Das Unternehmen ist mit seinen weltweit 75.000 Mitarbeitern in der Logistik auf der Straße tätig. Allerdings verweist der Aufsichtsrat darauf, dass Schenker mit seinen starken Ergebnissen finanziell für den Staatskonzern sehr wichtig sei. Im ersten Halbjahr 2022 erwirtschaftete Schenker ein operatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 1,2 Milliarden Euro und sorgte dafür, dass der Konzern insgesamt ein positives Betriebsergebnis von 876 Millionen Euro erzielen konnte.

In den Augen der Kontrolleure muss ein Verkauf in Summe mehr Wert schaffen als die regelmäßigen Gewinne. Das heißt: Wenn Schenker veräußert wird, dann nur zu einem hohen Preis. Zuletzt war das Volumen eines solchen Deals auf 15 bis 20 Milliarden Euro beziffert worden.

DB Schenker: Verkauf dürfte noch einige Zeit dauern

Damit dürfte eine kurzfristige Trennung kaum realistisch sein. Denn die Finanzierungsmärkte sind derzeit sehr restriktiv. Einen so großen Brocken wie Schenker können Finanzinvestoren aber auch nicht komplett aus eigenen Mitteln finanzieren. Sie sind eine wichtige Bietergruppe. Mit Carlyle und CVC, Advent und Bain haben sich nach Informationen aus Finanzkreisen mehrere Konsortien gebildet, auch Blackstone soll zu den Interessenten gehören.

Strategische Bieter dürften sich bei der Finanzierung etwas leichter tun. Sie können wegen ihrer besseren Ratings auch größere Zukäufe finanzieren. Gehandelt werden in Finanzkreisen DSV, Maersk, Kühne + Nagel sowie die Deutsche Post. Geäußert hat sich zum Thema Schenker-Verkauf bisher aber noch keiner der potenziellen Bieter bis auf die dänische DSV, die bereits öffentlich Interesse angedeutet hat.

Der Bund als Eigentümer der Deutschen Bahn dürfte aber gut daran tun, noch zu warten, bis die Rahmenbedingungen wieder besser sind und es einen stärkeren Wettbewerb zwischen den Interessenten gibt. Insider schließen deshalb nicht aus, dass es erst 2024 zu einer Transaktion kommen wird.

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Wohin der Verkaufserlös dann fließen soll, wird in der Branche bereits intensiv diskutiert. Die Wettbewerber der Bahn fordern, das Geld über einen Schieneninfrastrukturfonds in das Netz zu stecken. Andererseits kann die Bahn den Erlös gut zur Tilgung von Schulden einsetzen. Das würde wiederum die Finanzierungskosten senken und so den Spielraum für Investitionen erhöhen.

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