Wirtschaftsprüfer: EY wächst weiter – aber entwickelt sich schwächer als die Konkurrenz
Das Unternehmen wächst aktuell vor allem dank der Beratungsdienstleistungen.
Foto: imago images/Michael GstettenbauerFrankfurt. Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgruppe EY bleibt trotz des Reputationsschadens im Zusammenhang mit dem Wirecard-Skandal auf einem soliden Wachstumskurs in Deutschland. Die Gruppe meldete für das Ende Juni abgeschlossene Geschäftsjahr 2021/22 ein Umsatzwachstum von knapp fünf Prozent und eine Steigerung der Gesamtleistung um 6,5 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Die Konkurrenten PwC und Deloitte konnten zuletzt allerdings zweistellige Wachstumsraten vorweisen und wachsen damit schneller.
Immerhin hat sich der Aufwärtstrend nach Angaben von EY in den ersten fünf Monaten des neuen Geschäftsjahres mit einem Wachstum von elf Prozent aber weiter beschleunigt. Deutschlandchef Henrik Ahlers zeigt sich daher für das Gesamtjahr zuversichtlich. „Obwohl eine belastbare Prognose in diesen volatilen Zeiten schwierig ist, sind wir für das laufende Geschäftsjahr optimistisch und gehen von einem Gesamtwachstum im zweistelligen Bereich aus – vorausgesetzt, die Wirtschaft wird nicht von weiteren externen Schocks erschüttert“, erklärte Ahlers. EY plant derzeit eine Aufspaltung in eine Beratungs- und eine Prüfungsgesellschaft.
Ähnlich wie bei den Konkurrenten PwC und KPMG wächst bei EY das Beratungsgeschäft. Die Managementberatung (Consulting) legte laut EY im vergangenen Jahr um 19 Prozent auf 401 Millionen Euro und in den ersten fünf Monaten des neuen Geschäftsjahres um weitere 16 Prozent zu.
Der Beratungsbedarf bei den Kunden ist groß: Viele Unternehmen entwickeln neue Nachhaltigkeitsstrategien und digitalisieren ihre Geschäftsprozesse. Dafür suchen sie nach externer Expertise. Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Energiekrise und einer drohenden Rezession haben sich darum bei EY kaum auf das Geschäft ausgewirkt.
Das gilt auch für die beiden anderen Beratungssegmente der Gruppe. In der Transaktionsberatung wuchs die WP-Gruppe in den ersten fünf Monaten des neuen Geschäftsjahres um 14 Prozent, nach knapp 13 Prozent Leistungssteigerung im Vorjahr.
Umsatzminus im Prüfungsgeschäft
In der Steuerberatung konnte EY die Gesamtleistung 2021/22 um sieben Prozent und den Umsatz um knapp sechs Prozent auf 773 Millionen Euro steigern. Mit einem Plus von neun Prozent in den ersten fünf Monaten des neuen Jahres habe man hier die Marktführerschaft weiter ausgebaut, heißt es.
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Im Prüfungsgeschäft sieht es dagegen schlechter aus: Hier sanken die Erlöse von EY im abgelaufenen Geschäftsjahr um knapp vier Prozent auf 659 Millionen Euro, während die Konkurrenten Deloitte und PwC ihre Prüfungserlöse um jeweils rund zehn Prozent steigern konnten. In das neue Jahr ist EY immerhin noch mit einem Wachstum von drei Prozent gestartet.
EY kämpft in diesem Bereich mit einem Ansehensverlust infolge des Wirecard-Skandals. Dem Abschlussprüfer wird vorgeworfen, die auf Scheingeschäften basierende Bilanz von Wirecard zu lange abgesegnet zu haben. Beobachter gehen daher davon aus, dass es für EY schwieriger geworden ist, neue Mandate zu gewinnen, insbesondere im Finanzsektor.
Jean-Yves Jégourel, Co-Vorsitzender der Geschäftsführung von EY in Deutschland, stellt dessen ungeachtet auch für den weiteren Verlauf des Geschäftsjahres eine positive Entwicklung des Bereichs Wirtschaftsprüfung und prüfungsnahe Beratung in Aussicht. „Mit unseren Mandaten im Dax-Segment und im gehobenen Mittelstand sind wir in der Wirtschaftsprüfung nachhaltig gut ausgelastet“, erklärte er.
Vor allem die prüfungsnahe Beratung im Zusammenhang mit Nachhaltigkeitsthemen und der Finanzberichterstattung sei ein stark wachsendes Geschäftsfeld. „Für die durch die angestrebte Abspaltung entstehende Audit-Organisation bieten sich hier sehr positive Perspektiven“, so Jégourel.