Kommentar: Pannen beim Puma: Der Kanzler ist ein Stück näher am Wortbruch
Der Kanzler hat im Zeitenwenden-Überschwang Besserung gelobt.
Foto: ReutersMit 50 Jahre altem Gerät versucht die Bundeswehr zu retten, was nicht zu retten ist. Weil der neue Schützenpanzer Puma auch sieben Jahre nach Indienststellung der ersten Exemplare immer noch nicht einsatztauglich ist, stellt Deutschland für die Nato-Speerspitze jetzt Marder-Panzer, die in den 1970er-Jahren eingeführt wurden. Eine peinliche Blamage für ein Land, das sich in Sachen Hochtechnologie in der globalen Spitzengruppe wähnt.
Verteidigungsministerin Christine Lambrecht trifft in diesem Fall keine Schuld. Sie muss sich nun gegenüber den Bündnispartnern für etwas rechtfertigen, das Industrie, Bundeswehrführung und frühere Bundesregierungen verbockt haben.
Denn der Puma ist ein Paradebeispiel für Fehler bei Rüstungsprojekten der Vergangenheit: Eine teure Eigenentwicklung mit den höchsten technologischen Ansprüchen wird mit immer neuen Anforderungen überfrachtet. Damit wird auch der letzte Wunsch der Heeresführung erfüllt, aber die Industrie überfordert. Am Ende steht zwar auf dem Papier einer der besten Schützenpanzer der Welt, aber auf dem Übungsplatz ein Haufen Metall, der die Soldaten zur Verzweiflung treibt.
Die Liste ließe sich fortsetzen – bei den Hubschraubern Tiger und NH 90, beim Transportflugzeug A400M oder beim weltbesten Militärrucksack, dessen Entwicklung Lambrecht nach acht Jahren stoppen ließ, lief es ähnlich.
Scholz: Bündnispartner können sich auf Deutschland verlassen
Bundeskanzler Olaf Scholz und die Verteidigungsministerin haben versichert, dass die Bündnispartner sich auf Deutschland verlassen können. Beim militärischen Gerät ist das nicht der Fall, wie das Puma-Debakel erneut zeigt. Im Gegenteil: Bei etlichen Fähigkeiten steht die Bundeswehr blank da und ist auf die Unterstützung der Alliierten angewiesen.
Der neue Bericht über die materielle Einsatzbereitschaft, der dem Bundestag übermittelt wurde, liest sich in dieser Hinsicht wie ein Offenbarungseid: Es fehlt an Flugabwehr, Artillerie, Munition oder Funkgeräten, die bei den Nato-Verbündeten nicht nur Spott auslösen. Einsätze im Rahmen der Bündnisverpflichtungen lassen sich nur mit Ach und Krach gewährleisten.
Kanzler Scholz hat im Zeitenwenden-Überschwang Besserung gelobt. Bis 2025 soll die Bundeswehr wieder über eine schnell verlegbare Division verfügen, die im Krisenfall im Nato-Gebiet in den Einsatz gehen kann, ohne sich erst das nötige Material in ganz Deutschland zusammenleihen zu müssen.
Angesichts der bestehenden Ausrüstungsdefizite und langer Lieferzeiten der Industrie ist das ein äußerst ehrgeiziger Zeitplan. Scholz wird in drei Jahren nicht an seinen Worten, sondern an seinen Taten gemessen werden. Mit den neuerlichen Pannen beim einstigen Prestigeprojekt Puma ist er einem Wortbruch ein Stück nähergekommen.