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SchützenpanzerBundeswehr wird vorerst keine neuen Puma-Panzer bestellen

Nach der Pannenserie mit dem modernen Schützenpanzer Puma greift die Truppe auf bewährtes Altgerät zurück. Die Bundesregierung spricht von einem „herben Rückschlag“.Frank Specht 20.12.2022 - 09:58 Uhr Artikel anhören

Das moderne Kampffahrzeug erwies sich mehrmals als Totalausfall auf dem Übungsplatz.

Foto: imago images/Sven Eckelkamp

Berlin. Der Ausfall des Schützenpanzers Puma ist laut Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) ein „herber Rückschlag“ für die Modernisierung der Streitkräfte und die Bündnisverpflichtungen Deutschlands. Ihre Aufgaben im Rahmen der sogenannten Nato-Speerspitze VJTF wird die Bundeswehr nun mit den fast 50 Jahre alten Schützenpanzern des Typs Marder bestreiten, wie ein Ministeriumssprecher am Montag sagte.

Weitere Puma-Schützenpanzer sollen zudem erst bei Kraus-Maffei Wegmann und Rheinmetall bestellt werden, wenn die schon eingesetzten Panzer erfolgreich nachgerüstet werden können. Bevor sich das Fahrzeug nicht als stabil erweise, werde es kein zweites Los geben, ließ Lamprecht am Montag mitteilen.

Eigentlich soll der Puma die Marder ablösen, von denen die ersten Exemplare in den 1970er-Jahren in Dienst gestellt wurden. Doch gab es von Anfang an Probleme mit dem Waffensystem, das seit 2015 schrittweise bei der Truppe eingeführt wird. So gelang es anfangs beispielsweise nicht, den Kontakt zu den Infanteristen zu halten, wenn diese den Panzer verlassen hatten.

Bundeswehr: 18 Schützenpanzer Puma bei Übungen ausgefallen

Mit Blick auf die Führungsaufgaben in der Nato-Speerspitze, die Deutschland im kommenden Jahr übernimmt, entschied das Bundesverteidigungsministerium, zunächst 42 Pumas nachzurüsten. Zu den neuen Anforderungen, die die Industrie erfüllen sollte, gehörte beispielsweise, auch während der Fahrt mit dem neuen Panzerabwehrsystem Mells schießen zu können.

Im März vergangenen Jahres urteilte die Bundeswehrführung, dass die nachgerüsteten Pumas für die VJTF einsatztauglich sind. Doch kam es jetzt bei Einsätzen auf Übungs- und Schießplätzen zu erheblichen Problemen, die zum Ausfall von 18 der Schützenpanzer führten.

Noch dieses Jahr soll das Problem der Puma-Panzer geklärt sein

Der Kommandeur der 10. Panzerdivision, Generalmajor Ruprecht von Butler, wandte sich deshalb in einem Schreiben an die Bundeswehrführung und das Verteidigungsministerium. Ihm ist auch die Panzergrenadierbrigade 37 unterstellt, die 2023 die multinationalen Landstreitkräfte der VJTF anführt.

Bei der Nato-Speerspitze handelt es sich um Truppenverbände, die im Krisenfall innerhalb weniger Tage in Einsatzgebiete im Bündnisgebiet verlegt werden können.

Verteidigungsministerin Lambrecht führte am Montag unter anderem Gespräche mit Generalinspekteur Eberhard Zorn, Heeres-Inspekteur Alfons Mais, Generalmajor von Butler und Vertretern der Rüstungsindustrie. Die ausgefallenen Panzer sollen nach ihrem Rücktransport von den Übungsplätzen in den Heimatstandorten umfassend untersucht werden. Die Analyse solle bis Ende nächster Woche abgeschlossen sein, teilte Lambrecht mit.

Regierungssprecher Steffen Hebestreit sagte, bei dem Puma handele es sich um ein „hochkomplexes System“. Der Haushaltsausschuss des Bundestags hatte erst Ende November die Finanzmittel für die Beschaffung von 600.000 Schuss Maschinenkanonenmunition für den Puma freigegeben – auch um den Gefechtsvorrat für die VJTF sicherzustellen.

Anfang Dezember hatte der Haushaltsausschuss dann auch gut eine Milliarde Euro aus dem Sondervermögen Bundeswehr für die Nachrüstung weiterer Puma-Panzer gebilligt. Die Abgeordneten betonten aber, dass die geplante Neuanschaffung zusätzlicher Puma für sie nur infrage komme, wenn alle bereits ausgelieferten Panzer umgerüstet und operationell einsatzfähig seien.

Die Kinderkrankheiten des Pumas seien seit Jahren bekannt, sagte FDP-Verteidigungsexperte Marcus Faber dem Handelsblatt. „Deswegen müssen wir hier investieren in einen neuen, stabileren Rüststand für alle Fahrzeuge.“

Puma-Panzer müsse sich erst als stabil erweisen vor weiterer Bestellung

Die Kritik aus dem Parlament sei „vollkommen berechtigt“, betonte Lambrecht. Bevor sich das Fahrzeug nicht als stabil erweise, werde es keine Bestellung über ein zweites Los Puma-Panzer geben. Das erste Los von 350 Exemplaren ist vollständig an die Bundeswehr ausgeliefert worden.

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Nach ursprünglichen Plänen sollten 200 weitere Fahrzeuge angeschafft werden. Dem jüngst erschienenen neuen Rüstungsbericht des Verteidigungsministeriums zufolge ist nun aber nur noch geplant, den Bestand von 350 auf 400 Panzer zu erhöhen.

Offenkundig bestünden große Defizite bei zentralen und vom Steuerzahler auch teuer bezahlten Waffensystemen der Bundeswehr, sagte Grünen-Haushälter Sebastian Schäfer. „Damit sind jetzt sogar Verpflichtungen gegenüber der Nato in Frage gestellt.“ Das liege auch daran, dass echte Strukturreformen bei der Beschaffung bisher vernachlässigt wurden.

Generalinspekteur Zorn twitterte, man tue alles für eine schnelle Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft der Pumas. „Zusammen mit Spezialisten der Rüstungsindustrie werden wir dazu umgehend eine Schadensaufnahme in Angriff nehmen.“ Seine Nato- Bündnisverpflichtungen werde Deutschland erfüllen.

Nach dramatischen Ausfällen beim Schützenpanzer Puma hat die Verteidigungsministerin eine schnelle Instandsetzung sowie eine Verlässlichkeitserklärung der Industrie gefordert. „Wir brauchen eine verlässliche Perspektive“, sagte Christine Lambrecht.

Laut einem Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums entsprechen auch die betagten Marder noch den Nato-Anforderungen. Die Bundeswehr verfügt selbst noch über rund 340 der Panzer, weitere ausgemusterte stehen bei der Industrie auf Halde. Die Weigerung, Marder an die Ukraine zu liefern, hatte Verteidigungsministerin Lambrecht auch damit begründet, dass die Bundeswehr keine der Panzer entbehren könne.

Panne mit Puma-Panzern: Rückschlag für Versprechen an Nato-Verbündete

Die Puma-Panne bedeutet auch einen Rückschlag für das Versprechen von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) an die Nato-Verbündeten, dass Deutschland bis 2025 eine voll einsatzbereite Heeresdivision stellen werde. Aktuell sei die Einsatzbereitschaft für Aufträge im Rahmen der Bündnisverpflichtungen zwar gegeben, „allerdings teilweise qualitativ eingeschränkt“ beziehungsweise „materiell über Substitute sichergestellt“, heißt es dazu im neuen Bericht des Verteidigungsministeriums über die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte, der dem Handelsblatt vorliegt.

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So müsse man wegen Verzögerungen bei IT-Projekten für die VJTF auf alte Kommunikationsmittel zurückgreifen, die lediglich „Minimalforderungen“ erfüllten. Ein „erhebliches Fähigkeitsdefizit“ attestiert der Bericht auch bei der Flugabwehr. Flugzeugbewaffnung und Lenkflugkörper für Flugabwehrraketenverbände fehlen ebenso wie Ersatz- und Austauschteile für die Marine oder Munition.

Erstpublikation: 19.12.22, 13:44 Uhr.

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